Umfrage: Deutschen Dienstleistern bricht Geschäft weg

Umfrage
Deutschen Dienstleistern bricht Geschäft weg

Die Dienstleister in der Euro-Zone sind Ende 2008 noch tiefer in den Abwärtsstrudel geraten. In Deutschland sammelten die Unternehmen im Dezember den achten Monat in Folge weniger neue Aufträge ein, der Rückgang war diesmal so groß wie seit Mai 2003 nicht mehr.

HB BERLIN. Das geht aus einer Umfrage unter etwa 500 Firmen des britischen Marktforschungsunternehmen Markit vom Dienstag hervor. Für die kommenden zwölf Monate erwarten die Befragten demnach weiter rückläufige Geschäfte. Allerdings ist der Pessimismus nicht mehr ganz so groß wie im November.

Der Einkaufsmanagerindex für die Dienstleister lag im Dezember bei 46,6 Punkten, nach 45,1 Zählern im November. Damit stieg er sogar noch etwas stärker als in einer ersten Schätzung mit 46,4 Punkten angenommen. Allerdings blieb das Barometer den dritten Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die weltweite Konjunkturschwäche mache es für die Unternehmen schwieriger, neue Kontakte zu knüpfen und Geschäftsbeziehungen einzugehen, teilten die Forscher mit. Zudem wurde die Finanzkrise als wichtiger Grund für den Auftragsrückgang genannt. Mehr als ein Drittel aller Betriebe sammelten im Dezember weniger neue Bestellungen als im Vormonat.

Das drückte auf die Auftragsbestände, die bereits den 13. Monat in Folge schrumpften. Betroffen davon waren etwa 28 Prozent der befragten Firmen. In der Folge bauten die Unternehmen den dritten Monat in Folge Stellen ab, allerdings blieb das Minus marginal. Dabei besetzten die Firmen einerseits frei werdende Stellen nicht mehr, andererseits gab es Kündigungen. Besonders betroffen waren Finanzvermittler, Gastwirte und Hoteliers sowie Transport- und Lagerunternehmen.

Die Unternehmen senkten ihre Preise so stark wie seit Juli 2005 nicht mehr. Als Grund nannten die Befragten neben der schwachen Nachfrage und dem hohen Wettbewerbsdruck auch die niedrigeren Kosten. Dabei profitierten die Unternehmen vor allem von den gesunkenen Spritpreisen; bei den Finanzfirmen sanken die Zinskosten. Erstmals seit fünfeinhalb Jahren sank das entsprechende Barometer unter die Wachstumsschwelle; das Minus fiel jedoch vergleichsweise gering aus.

Auch Dienstleister in der Euro-Zone insgesamt sind Ende 2008 noch tiefer in den Abwärtsstrudel geraten. Bereits seit sieben Monaten gehen die Geschäfte der Unternehmen zurück, zuletzt erreichten die Rückgänge jeweils Rekordwerte, wie aus dem Markit-Einkaufsmanagerindex hervorgeht. „Die Geschäfte der Dienstleister sind im Dezember zwar deutlich geringer geschrumpft als die der Industriefirmen, aber hier könnte das Schlimmste noch bevorstehen“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Das Barometer fiel auf 42,1 Punkte und damit etwas weniger stark als in einer ersten Schätzung angenommen. Im November lag der Index noch bei 42,5 Zählern. In allen vier größeren Ländern der Euro-Zone fuhren die Dienstleister ihre Geschäfte zurück. Allerdings fiel das Minus in Deutschland, Italien und Spanien etwas geringer aus als im Vormonat, während die Aktivität der französischen Dienstleister so stark einbrach wie nie zuvor.

Zu schaffen macht den Firmen die nachlassende Nachfrage. Die Aufträge gingen den siebten Monat in Folge zurück. Der Rückgang war stärker als bei der gesamten Geschäftstätigkeit. Williamson bezeichnete das als besorgniserregend: „Das deutet an, dass Produktion und Beschäftigung noch nicht so stark gesunken sind, wie es die schwächere Nachfrage vermuten lässt.“ Der Stellenabbau war dennoch so groß wie seit August 2003 nicht mehr. Bereits jetzt schrumpfen die Auftragsbestände im Rekordtempo. Neben Deutschland gewann auch in Frankreich der Abschwung an Fahrt, während das Minus in Spanien und Italien geringer ausfiel als im Vormonat. Dort seien erste zögerliche Anzeichen für eine Bodenbildung zu erkennen, sagte Williamson.

Auf Sicht von zwölf Monaten erwarten die Firmen weiter rückläufige Geschäfte, allerdings zeigten sich die Befragten nicht mehr ganz so pessimistisch wie im November. Dennoch war das Niveau deutlich unter allem, was vor Oktober gemessen wurde. Nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September hatte sich die weltweite Finanzkrise dramatisch verschärft.

Der Kostendruck für die Firmen schwächte sich dagegen ab. Die Einkaufspreise stiegen so gering wie seit Juni 2003 nicht mehr, in Deutschland sanken sie sogar. Der Composite-Index, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, fiel auf 38,2 Punkte nach 38,9 Zählern im November. Die private Wirtschaft schränkte damit ihre Geschäfte so stark ein wie nie zuvor seit Beginn der Umfrage 1998.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%