Umfrage
Experten erwarten Zinspause

Die amerikanische Notenbank bleibt in Wartestellung. Nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg bei den großen Banken an der Wall Street rechnen alle 101 befragten Ökonomen damit, dass die Federal Reserve (Fed) morgen die Leitzinsen unverändert bei 5,25 Prozent belassen wird.

NEW YORK. Es wäre die dritte Zinspause hintereinander, nachdem die Fed zuvor die Leitzinsen 17 Mal erhöht hatte. Die Zinspause dient vor allem dazu, die weitere Entwicklung der US-Konjunktur zu beobachten - und danach den geldpolitischen Kurs für die kommenden Monate abzustecken. Ein wichtiges Konjunktursignal wird bereits am Ende dieser Woche kommen, wenn das US-Handelsministerium die erste Schätzung für das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal vorlegt. Ökonomen rechnen mit einer weiteren Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik und sagen ein Plus von nur noch zwei Prozent oder weniger voraus. Der flaue Immobilienmarkt, schleppende Autoverkäufe und das hohe Außenhandelsdefizit dürften das Wachstum nach unten drücken.

Für die Notenbanker ist eine moderate Abschwächung durchaus wünschenswert. Bringt sie doch die Inflationszahlen nach unten. Die Kerninflation (ohne Energie- und Lebensmittelpreise) lag zuletzt mit 2,9 Prozent immer noch deutlich über der Toleranzgrenze der Fed von etwa zwei Prozent. "Es sieht nach einer graduellen Verringerung der Kerninflation im nächsten Jahr aus", sagte kürzlich Fed-Gouverneur Donald Kohn. Zugleich warnte er jedoch: Die Inflationsrisiken würden weiterhin eine erhöhte Wachsamkeit der Notenbank erfordern.

An den Finanzmärkten setzt sich angesichts dieser Haltung langsam aber sicher die Einsicht durch, dass mit dem erhofften Zinssenkungen vorerst noch nicht zu rechnen ist. "Ich glaube, dass die (Geld-) Politik sich in einer guten Position befindet, um sowohl die Inflation nach unten zu bringen als auch als auch die Wachstumsrisiken im Auge zu behalten", sagt selbst die als "Taube" bekannte Janet Yellen, Fed-Präsidentin in San Francisco. Widerspruch zu dieser Mehrheitsmeinung hat es zuletzt nur von ihrem Kollegen Jeffrey Lacker gegeben. Der Präsident der Fed in Richmond verlangt weitere Zinserhöhungen, um die Inflationsrate schneller zu senken.

Entscheidend für das weitere Vorgehen der Notenbank dürfte der Immobilienmarkt sein. Hier gab es zuletzt widersprüchliche Signale. Die Zahl der Neubauten ist zwar gestiegen, die der Baugenehmigungen jedoch stark zurückgegangen.

Unterm Strich deutet jedoch der hohe Bestand unverkaufter Häuser darauf hin, dass der Markt sich in einer rapiden Abschwungphase befindet. Unklar ist jedoch, ob ein Preisverfall auf dem Immobilienmarkt den Amerikanern ihre Konsumlaune verderben und damit die gesamt Wirtschaft mit nach unten ziehen wird.

Bislang ist davon kaum etwas zu spüren. Ökonomen erwarten, dass sich der private Verbrauch im dritten Quartal bei einer Wachstumsrate von etwa drei Prozent halten wird. Somit könnte der ehemalige Fed-Chef Alan Greenspan wieder einmal Recht behalten. Er hatte kürzlich prophezeit, dass "das Schlimmste auf dem Immobilienmarkt bereits überstanden" sei.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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