Umfrage unter Volkswirten
Ökonomen plädieren für Stark als Welteke-Nachfolger

Noch ist Bundesbankpräsident Ernst Welteke nicht zurückgetreten, da wird an den Finanzmärkten schon über die Eignung der beiden möglichen Nachfolger diskutiert: Jürgen Stark, bis vorige Woche Bundesbankvize und jetzt kommissarischer Bundesbankpräsident, und Caio Koch-Weser, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium.

HB/mak FRANKFURT. Bei Umfragen unter Ökonomen liegt Stark vorn. Dreizehn der 18 von Bloomberg News befragten Volkswirte sagten gestern, sie wünschten sich einen Präsidenten aus den Reihen der Bundesbank – mit Stark als erster Wahl. Fünf der Befragten favorisieren Koch-Weser.

Die Präferenz der deutsch geprägten Finanzmärkte sei Stark, erläutert ein Londoner Analyst. „An den internationalen Finanzmärkten ist die Meinung weit verbreitet, die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sei restriktiv. Dort herrscht eine gewisse Sympathie für einen Kandidaten wie Koch-Weser, von dem man sich erhofft, dass er auch in der EZB für niedrigere Zinsen plädiert.“ Der Bundesbankpräsident bestimmt als deutsches Mitglied im EZB-Rat die europäische Geldpolitik mit. Seit 1970 hat es in der Bundesbankspitze nie einen Quereinsteiger gegeben. Alle Präsidenten haben als Vize gelernt oder waren zuvor Landeszentralbankpräsidenten.

Viele Stimmen wollen das Spektrum der Kandidaten nicht auf Stark und Koch-Weser eingeengt sehen. Ihre Empfehlung: Man sollte sich umsehen, ob es in Deutschland nicht noch weitere Kandidaten gibt. Der Bundesbankpräsident könne auch aus dem akademischen oder dem Bankenbereich kommen.

Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Barclays Capital in Frankfurt, würde gern Stark an der Spitze der Bundesbank sehen. „Auf Grund seiner bisherigen Tätigkeit wäre er die kompetentere Besetzung“, sagte Polleit dem Handelsblatt. Stark sei mit den Gepflogenheiten in der Bundesbank und der EZB vertraut. Er habe Welteke von Anfang an zu den Sitzungen des EZB-Rates begleitet. „Außerdem ist der Vize aus der Historie der Bundesbank heraus der natürliche Kandidat für die Nachfolge“, meint Polleit. Als Karl Otto Pöhl zum 31. Juli 1991 vom Amt des Präsidenten zurücktrat, rückte der damalige Vize Helmut Schlesinger in den Chefsessel auf.

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