Umfrage
Verbraucher besorgt über Konjunktur

Die Stimmung der deutschen Verbraucher hat sich im Juli eingetrübt. Zum zweiten Mal in Folge haben sich die Konjunkturerwartungen der von der GfK Marktforschung in Nürnberg befragten 2 000 Konsumenten verschlechtert. Die Verbraucher befinden sich damit in guter Gesellschaft mit der Wirtschaft und den Finanzmarktexperten.

ari/mak DÜSSELDORF. Diese hatten sich in den jüngsten Umfragen des Ifo-Instituts und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ebenfalls skeptischer zur künftigen Konjunkturentwicklung geäußert. Dennoch stieg die am gestrigen Donnerstag veröffentlichte GfK-Prognose für das Konsumklima im August um 0,6 auf 8,6 Punkte. Doch dies ist nur der auf einen neuen Rekord verbesserten Anschaffungsneigung der Verbraucher zu verdanken. Offenbar beabsichtigen immer mehr Bürger, wegen der Anhebung der Mehrwertsteuer im Januar den Kauf von teuren Gütern wie Möbel und Autos noch in dieses Jahr vorzuziehen.

Gegen eine über die Jahreswende hinaus anhaltende Belebung der Kauflust spricht neben den Konjunktursorgen, dass die Verbraucher ihre Einkommensentwicklung mehrheitlich weiter negativ beurteilen. Zusätzliche Käufe können, vermutet die GfK, deshalb häufig nur aus Ersparnissen oder über höhere Schulden finanziert werden.

Als Hauptgründe für die ungünstigen Einkommenserwartungen identifiziert die GfK die finanz- und gesundheitspolitischen Beschlüsse der Bundesregierung. Damit vermindert sich das verfügbare Einkommen. Außerdem schmälern höhere Energie- und Spritkosten als Folge des Ölpreisanstiegs den finanziellen Spielraum für sonstigen Konsum. Einen nennenswerten Aufwärtstrend erkennen die Marktforscher bei den Einkommenserwartungen nicht. Deshalb drohe die derzeitige Kaufbereitschaft wieder zu kippen, was dann auch das Konsumklima insgesamt wieder dämpfen dürfte.

  Aktuelle Konjunkturdaten im Überblick

Der Vergleich der drei Umfragen von GfK, Ifo und ZEW zeigt ein im Prinzip übereinstimmendes Konjunkturbild, das im zeitlichen Verlauf geteilt ist. Die augenblickliche Lage bewerten Wirtschaft und Analysten ausgesprochen positiv. Nach Einschätzung von Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz-Gruppe, signalisieren die entscheidenden Indikatoren derzeit Expansion. „Die jüngste Abschwächung des Ifo-Index sollte dem nicht entgegenstehen“, sagte er in Frankfurt.

Eine zusätzliche Stütze für die Inlandsnachfrage bis zum Jahreswechsel ist die ausgeprägte Anschaffungsneigung der Verbraucher, sofern sie tatsächlich zu Käufen führt. Andreas Rees von der Commerzbank erwartet vor allem im vierten Quartal einen Konsumboom, der aber zu Jahresbeginn abbrechen dürfte.

Für den in das neue Jahr hinein reichenden Zeithorizont haben sich die Erwartungen aller drei Umfragegruppen an die Konjunkturentwicklung eingetrübt. Zuerst – seit Februar – bei den Analysten und institutionellen Anlegern, dann in der Wirtschaft und zuletzt bei den Konsumenten. Heise geht allerdings davon aus, dass die Mehrwertsteuererhöhung nur eine Wachstumsdelle und keine dauerhafte Schwäche auslöst. „Wir sind recht früh im Konjunkturzyklus“, sagte er. „Der Aufschwung kann drei Jahre dauern, er kann aber auch noch länger gehen.“ Ähnlich sieht es das Ifo-Institut.

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