Umsatz auch im Juli gesunken
Einzelhandel muss Preiserhöhungen ausbaden

Die Deutschen haben sich vor den Preiserhöhungen für Milch, Butter und weitere Lebensmittel mit Käufen zurückgehalten. Der Einzelhandel fand damit auch nach sieben Monaten keinen Anschluss an den Aufschwung.

HB BERLIN. Der Einzelhandel setzte im Juli 0,9 Prozent und preisbereinigt (real) 1,5 Prozent weniger um als vor einem Jahr. Dabei brach der Umsatz mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren nach Angaben des Statistischen Bundesamts vom Freitag nominal um 3,5 und real um 5,3 Prozent ein. Der Branchenverband HDE machte dafür das schlechte Wetter mitverantwortlich.

Experten sehen darin auch eine Reaktion auf die Diskussion um höhere Preise für Molkereiprodukte und viele andere Nahrungsmittel. Daraufhin war das im August ermittelte GfK-Konsumklima erstmals seit einem halben Jahr zurückgegangen.

Der Einzelhandel hat damit auch nach sieben Monaten keinen Anschluss an den Aufschwung in den meisten anderen Branchen gefunden. Von Januar bis Juli blieben die Umsätze um 1,0 (real: 1,6) Prozent hinter dem Vorjahresergebnis zurück. „Der Durchbruch lässt noch auf sich warten“, sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr zu Reuters. „Die Bremsspuren der Mehrwertsteuererhöhung sind länger als erwartet.“ Ein Lichtblick sei, dass der Umsatz zum Vormonat um 0,3 Prozent und damit zum zweiten Mal in Folge anzog. Für das Gesamtjahr 2007 erwartet der HDE weiter ein Umsatzplus von rund einem Prozent.

Für bessere Geschäfte sprechen neben sinkender Arbeitslosigkeit auch kräftige Lohnerhöhungen. Erstmals seit zwei Jahren steigen die Löhne und Gehälter wieder schneller als die Kosten für die Lebenshaltung. Im ersten Halbjahr legten die Tarifverdienste in vielen Branchen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um mehr als drei Prozent zu. Die Kosten für die Lebenshaltung hatten sich im Juni um 1,8 Prozent erhöht. Auch 2008 erwartet das gewerkschaftsnahe Institut IMK reale Lohnzuwächse. „Das stabilisiert den privaten Konsum“, sagte IMK-Direktor Gustav Horn. Für ein Konsumfeuerwerk werde es zwar nicht reichen. „Aber ab und zu wird es wenigstens knallen.“

Am besten liefen die Geschäfte im Juli im Fachhandel mit Büchern, Schmuck und anderen Waren. Er steigert den Umsatz um fünf Prozent zum Vorjahr. Mit Textilien und Bekleidung wurde ebenso wie mit kosmetischen, pharmazeutischen und medizinischen Produkten ein Plus von mehr als zwei Prozent erzielt. Der Versandhandel verkaufte gut drei Prozent mehr, während Waren- und Kaufhäuser 4,1 Prozent weniger in den Kassen hatten. Der frühere KarstadtQuelle-Konzern Arcandor bekräftigte unterdessen auch wegen guter Ergebnisse in Versandhandel und Kaufhäusern seine Umsatz- und Gewinnprognose für 2007. Die Aktie stieg zeitweise um mehr als 14 Prozent.

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