Unerwartet beschleunigt
Finanzkrise treibt das Geldmengenwachstum

Das Geldmengenwachstum im Euro-Raum hat sich im Oktober unerwartet beschleunigt. Die Jahreswachstumsrate der Geldmenge M3 erhöhte sich auf 12,3 Prozent – nach 11,3 Prozent im September, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch mitteilte. Die meisten Volkswirte hatten einen Anstieg um 11,5 Prozent erwartet.

mak FRANKFURT. Der aussagefähigere Dreimonatsdurchschnitt der M3-Wachstumsraten stellte sich nach Angaben der EZB mit den neuen Zahlen für den Zeitraum von August bis Oktober auf 11,7 Prozent, verglichen mit 11,5 Prozent für Juli bis September. M3 umfasst Bargeld, Sichteinlagen sowie Geldmarktanlagen bis zu zwei Jahren Laufzeit.

Nach Ansicht von Volkswirten stützt die hohe M3-Wachstumsrate nur auf den ersten Blick die Position der Falken im EZB-Rat, die für höhere Leitzinsen plädieren. „Der unerwartet Anstieg von M3 scheint auf vorübergehende Portfolioverlagerungen aus riskanten längerfristigen Anlagen in Geldmarktpapiere zurückzuführen zu sein“, kommentierte Sylvain Broyer von der Ixis Corporate & Investment Bank die neuen Zahlen. Das sei eine Folge der derzeit hohen Marktschwankungen. Für den EZB-Rat bestehe daher kein Anlass zu besonderer Sorge. Allerdings könnten die M3-Zahlen so lange hoch bleiben, bis sich die Märkte wieder beruhigten.

Auch nach Ansicht von Michael Schubert von der Commerzbank könnte der kräftige Anstieg der Termingeldeinlagen und der Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren die jüngsten Entwicklungen an den Finanzmärkten widerspiegeln. Während sich M3 von September auf Oktober nur um 1,4 Prozent erhöhte, legten die Termingeldeinlagen im gleichen Zeitraum um 4,6 Prozent und die Schuldverschreibungen um 5,3 Prozent zu.

Dagegen blieb die Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte gegenüber dem Vormonat unverändert. Sie expandierte erneut mit 13,9 beziehungsweise 6,8 Prozent. Auch die Zuwachsrate der Wohnungsbaukredite lag gegenüber September unverändert bei 7,9 Prozent. Dagegen erhöhte sich die Kreditvergabe an nichtmonetäre Finanzintermediäre wie Versicherungen und Investmentfonds um knapp drei Prozent. Sie waren im Zuge der Finanzkrise gezwungen, Kreditlinien zu ziehen, weil sie sich nicht anders finanzieren konnten, vermutet Schubert.

Eine Verschärfung der Kreditkonditionen für den privaten Sektor lasse sich aus den Oktoberzahlen also noch nicht ableiten, schreibt Marco Kramer von Unicredit. Seither haben sich die Refinanzierungsbedingungen der Kreditinstitute an den Kapitalmärkten allerdings weiter verschärft.

Schubert geht davon aus, dass der EZB-Rat den Euro-Leitzins über Dezember hinaus nicht verändern wird. Auf kurze Sicht würden die Währungshüter zunächst einmal für normale Bedingungen am Geldmarkt sorgen wollen, bevor sie weitere Schlüsse mit Blick auf die Geldpolitik zögen, vermutet er. Am Geldmarkt haben vor allem die Spannungen für Dreimonatsgeld wieder zugenommen. Schubert geht davon aus, dass die Inflationsrisiken wieder abebben werden. Er schätzt, dass die EZB die Wachstumsperspektiven für den Euro-Raum zu optimistisch sieht.

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