Unerwartet positive Entwicklung
Neugeschäft rettet Industrie vor weiterem Abschwung

Ein besseres Neugeschäft hat im Juli einer Umfrage zufolge den Abschwung in der deutschen Industrie unerwartet deutlich gebremst. Der Reuters-Einkaufsmanagerindex (EMI) stieg auf 48,1 von 45,6 Punkten und erreichte damit den höchsten Stand seit Februar, wie am Freitag das Forschungsinstitut NTC mitteilte, das den EMI gemeinsam mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) für Reuters erhebt.

Reuters BERLIN. Auch in der Euro-Zone verlangsamte sich erstmals seit fünf Monaten die Talfahrt der Industrie: Der EMI für das Währungsgebiet stieg unerwartet stark auf 48,0 (Juni 46,5) Punkte.

Die deutsche Wirtschaft könnte sich insgesamt im Juli endlich aus der Rezession befreit haben, sagte NTC-Chef Mike Waterson im Interview. Allerdings sei damit ein Ende der wirtschaftlichen Schwächephase noch lange nicht sicher. Trotz seines Anstiegs zeigte der Index den zwölften aufeinander folgenden monatlichen Rückgang der Geschäftstätigkeit in der deutschen Industrie an. Auch der Ifo-Index hat bei seinem dritten Anstieg in Folge lediglich wachsenden Optimismus signalisiert, nicht aber eine Verbesserung der aktuellen Lage.

NTC: Auslandsgeschäft bleibt noch schwach

Der Anstieg des EMI für Deutschland resultierte vor allem aus einem Zuwachs des Teilindex für Neuaufträge auf 50,4 von 44,1 Punkten, der damit zum ersten Mal seit fünf Monaten wieder ein wachsendes Neugeschäft anzeigte. Die Bestellungen führten die Befragten auf eine vorsichtige Lageraufstockung ihrer Kunden und erste Anzeichen einer Stimmungsaufhellung in einigen Auslandsmärkten zurück. Insgesamt sei der Auftragsanstieg jedoch verhalten ausgefallen, und es fehlten weiter Impulse vom Exportsektor. Das Auslandsgeschäft habe sogar noch einmal etwas abgenommen, hieß es im NTC-Bericht. Dies sei durch die Euro-Stärke mitbestimmt worden, die die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Firmen außerhalb der Euro-Zone geschwächt habe. Immerhin sei der Rückgang beim Export aber fast zum Stillstand gekommen.

Auch der seit vier Monaten anhaltende Produktionsrückgang verlangsamte sich: Der entsprechende Teilindex stieg auf 48,1 von 46,7 Punkten. Einige Einkaufsmanager bezweifelten angesichts der sinkenden Produktion die Nachhaltigkeit des Auftragswachstums. Andere dagegen berichteten NTC zufolge, sie hätten die Produktion einfach nicht schnell genug anheben können. Auf Grund des starken Wettbewerbs senkten die Firmen ihre Verkaufspreise weiter, wobei der starke Euro die Einkaufspreise noch deutlicher drückte. Die Firmen schraubten weiter sowohl die Zahl ihrer Beschäftigten als auch ihre Vorräte deutlich zurück.

Nur noch geringer Produktionsrückgang in Euro-Zone

Einen Lichtblick für die konjunkturelle Lage der verarbeitenden Industrie in der Euro-Zone bot der Anstieg der Teilindizes für das Neugeschäft und die Produktion. So erreichte der Produktionsindex fast die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. In Österreich, Griechenland und Spanien sowie den Niederlanden produzierte die Branche sogar mehr als im Vormonat. In den anderen Ländern nahm die Produktion hingegen ab, wobei sich in Deutschland und Frankreich aber der Rückgang verlangsamte.

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