Ungewöhnlicher Zinssprung
„Anlegern drohen noch härtere Ausschläge“

Nachdem die Schockwellen der amerikanischen Kreditkrise jetzt auch den europäischen Geldmarkt erreicht haben und die EZB mit einem Schnelltender für zusätzliche Liquidität gesorgt hat, zeigen sich Ökonomen und Marktexperten zunehmend besorgt.

HB FRANKFURT. In London warnte Mervyn King, der Gouverneur der Bank of England, dass es viel zu früh sei, um Entwarnung für die Finanzmärkte zu geben. Die Anleger müssten sich vielmehr auf „noch härtere Ausschläge“ an den Märkten einstellen. Die jüngsten Turbulenzen könnten der Auslöser für weitere Probleme sein. Allerdings handle es sich nicht um eine systembedrohende internationale Finanzkrise.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zuvor fast 95 Mrd. Euro zusätzlich in den Geldkreislauf gepumpt. Damit will die EZB die Liquidität am Markt sichern. Die Notenbank reagierte mit der überraschenden Intervention darauf, dass viele Banken zurzeit ihre Geldbestände horten, um bei einer Verschärfung der Kreditkrise genügend flüssige Mittel zu haben.

Nach Einschätzung des Chefvolkswirts der Tudor Investment Corporation in Washington, Angel Ubide, ist die Liquiditätslage der Banken „der Schlüsselindikator“ für eine mögliche Finanzmarktkrise. „Wenn die Liquidität versiegt oder es bei der Refinanzierung von Kurzfristschulden haken sollte, könnte das zu einer Panik führen“, sagte Ubide dem Handelsblatt.

Die EZB sah sich zu dem Schritt veranlasst, nachdem Spekulationen über Zahlungsschwierigkeiten weiterer deutscher Banken nach der Fastinsolvenz der Mittelstandsbank IKB den Geldkreislauf unter den Instituten fast zum Erliegen gebracht hatte. Angesichts der Verwerfungen an den Märkten wollte die EZB mit dem so genannten Schnelltender die Finanzmärkte beruhigen. Banken und Finanzdienstleister leihen sich am Tagesgeldmarkt gegenseitig überschüssige Liquidität. Die dafür zu entrichtenden Zinsen stiegen von Mittwoch auf Donnerstag bis zu 0,7 Prozentpunkte auf 4,70 Prozent – ein ungewöhnlicher Zinssprung. „Wenn man Angst hat, dass eine Bank in den Abgrund schlittert, überlegt man sich genau, ob man noch Geld verleiht“, sagte ein Geldmarkthändler.

Tatsächlich gelang es der EZB, mit dem so genannten Schnelltender zum Zinssatz von 4,0 Prozent die Finanzmärkte zu beruhigen. Kurz nach Ankündigung des Tenders gegen 13 Uhr ging der Spitzenrefinanzierungssatz wieder auf nahe vier Prozent zurück.

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