Union bekräftigt ablehnende Haltung zu Caio Koch-Weser
Kandidat für Welteke-Nachfolge noch nicht gefunden

HB BERLIN. Nach dem Rücktritt von Ernst Welteke als Bundesbank-Präsident ist die Nachfolge-Debatte voll entbrannt. Vor allem Politiker der Union äußerten offen ihre Präferenz für den kommissarischen Bundesbank-Chef Jürgen Stark. Der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Volker Kauder, warnte die Regierung, der von SPD-Politikern favorisierte Finanz-Staatssekretär Caio Koch-Weser könne «die Lösung nicht sein». Der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» sagte Kauder, «der darf es nicht werden» Koch-Weser wäre eine «Parteibuchlösung».

Allerdings steht Stark ebenfalls einer Partei nahe, nämlich der CDU. Als weiterer Kandidat gilt der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Alfred Tacke. Wie das Magazin «Focus» auf seiner Online-Seite unter Berufung auf Regierungskreise berichtete, haben sich Kanzler Gerhard Schröder und Finanzminister Hans Eichel (beide SPD) bereits vor einigen Tagen auf Tacke, einen langjährigen Vertrauten Schröders, als Nachfolger Weltekes geeinigt - eben, weil Koch-Weser aufgrund der ablehnenden Unions-Haltung nicht durchzusetzen sei, die SPD aber Stark nicht als Nachfolger wolle.

Ein Sprecher Eichel dementierte den Bericht indes. Es sei noch keine Entscheidung gefallen; diese werde «in angemessener Form und zeitnah» von den zuständigen Gremien getroffen werden. Die Union drängt derweil weiter auf eine politische Aufklärung der Umstände des Welteke-Rücktritts. Im Raum steht weiterhin der Vorwurf, das Finanzministerium selbst habe die Adlon-Affäre ins Rollen gebracht, indem es Informationen über Weltekes Aufenthalt im Berliner Luxushotel gezielt Medien zugespielt habe.

Wie der Haushaltsexperte der Union, Dietrich Austermann, am Samstag sagte, soll Eichel weiterhin wie geplant am 28. April vor dem Haushaltsausschuss des Bundestages Rede und Antwort stehen. Der Verdacht liege nahe, dass Eichel die Affäre für politische Zwecke genutzt habe. Die Union argwöhnt, dass die Regierung Welteke wegen unterschiedlicher Haltung zum Verkauf von Bundesbank-Goldreserven loswerden wollte.

Dagegen verteidigte der stellvertretende SPD-Fraktionschef Joachim Poß den Finanzminister. Die Union habe Anschuldigungen und Verdächtigungen frei erfunden, um Eichel zu schaden, sagte Poß dem NDR. «Das ist durchsichtig und das darf man der Union nicht durchgehen lassen.» Tatsächlich habe Eichel sachlich reagiert.

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