Uno-Prognose: Weltwirtschaft droht Flaute

Uno-Prognose
Weltwirtschaft droht Flaute

Die Vereinten Nationen haben wegen der Turbulenzen in der US-Wirtschaft vor einem drohenden Abschwung der Weltwirtschaft gewarnt. „Es besteht die klare und aktuelle Gefahr, dass die Weltwirtschaft in die Nähe eines Stillstandes gerät“, schreiben die Ökonomen der Weltorganisation in ihrer Vorhersage für die globale Konjunktur 2008. Auch die Weltbank und das Weltwirtschaftsforum (WEF) zeichnen düstere Szenarien für das laufende Jahr.

GENF. Ausschlaggebend für ihren Konjunkturpessimismus ist die Wirtschaftsentwicklung der USA. Die Subprime-Krise und die dadurch verursachten „Unsicherheiten“ auf den globalen Finanzmärkten drohen laut Uno auf die Realwirtschaft überzuspringen. Akzentuiert werde die Gefahr durch den anhaltenden Verfall des US-Dollars.

Um einen massiven Abschwung der Weltwirtschaft zu verhindern, empfehlen die Uno-Fachleute abgestimmte Aktionen der wichtigsten internationalen monetären und politischen Entscheidungsträger. Vor allem die Europäische Zentralbank (EZB) müsse die Leitzinsen senken. „Sie sollte jetzt handeln“, forderte der Direktor der Globalisierungsabteilung bei der Uno-Konferenz für Handel und Entwicklung (Unctad), Heiner Flassbeck, der den Ausblick gestern präsentierte.

Falls die Entscheidungsträger nicht mit den Mitteln der Geldpolitik entgegensteuern wollten, dann sollten sie eine expansivere Fiskalpolitik betreiben. Die Sparpolitik der Bundesregierung sei jedenfalls die falsche Antwort, so Flassbeck. Auch Länder mit großen Finanzreserven wie China, Japan und viele der ölexportierenden Staaten müssten ihre Binnennachfrage ankurbeln: Öffentliche Investitionen in das Gesundheitswesen, die Bildung und in die soziale Sicherheit sollten erfolgen.

Die Uno-Ökonomen prognostizieren für das laufende Jahr ein abgeschwächtes Wachstum der Weltwirtschaft von 3,4 Prozent. Für das Jahr 2007 sagen sie ein Wachstum von 3,7 Prozent vorher. Für einen Abschwung des Welthandels dürfte den Uno-Ökonomen zufolge vor allem die sinkende Importnachfrage in den USA sorgen.

Das private Weltwirtschaftsforum (WEF) und die Weltbank stimmen in den Chor der Warner ein. Die Weltbank rechnet ebenfalls mit einer Verlangsamung des weltweiten Wirtschaftswachstums und senkte gestern ihre Prognosen in ihrem jährlichen Bericht zu den Aussichten der Weltwirtschaft von 3,6 auf 3,3 Prozent für 2008. Während für das gebremste Wachstum in den reichen Ländern hauptsächlich eine Abschwächung der Konjunktur der Vereinigten Staaten verantwortlich sein dürfte, rechnet die Weltbank mit einem deutlich höheren Wachstumstempo der Schwellenländer (7,1 Prozent). Besonders stark werde mit annähernd zehn Prozent die ostasiatische Region wachsen – angetrieben durch die Dynamik Chinas.

„ Kurzfristige Ausblick für 2008 ist höchst unsicher“

Allerdings könnten die Kapitalströme nach Ostasien im laufenden Jahr nachlassen. „Sollten sich bei den internationalen Finanzkonzernen die Verluste durch die Kreditkrise erheblich ausweiten, könnten sie andere Investments auflösen, unter anderem in Ostasien, um Portefeuilles umzuschichten und negative Effekte auf die Handelsgewinne abzuschwächen“, schreibt die Weltbank. In den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres habe Ostasien noch 170 Mrd. Dollar an Bruttokapitalzuflüssen angezogen. Die Aktienmärkte von China, Indonesien, Malaysia und Vietnam erreichten 2007 Höchststände.

„Der kurzfristige Ausblick für 2008 ist höchst unsicher“, betonte auch der beigeordnete WEF-Direktor Charles Emmerson. „Eine Rezession in den USA ist möglich“, heißt es in einer gestern veröffentlichten WEF-Studie über „Globale Risiken 2008“. Als Grund für die Rezessionsängste nennen die Autoren die US-Finanzkrise, die auf die Realwirtschaft überzuspringen drohe. Um in Zukunft Finanzkrisen zu vermeiden, sei ein besseres Risikomanagement notwendig.

Während die Prognosen der Experten für die Weltwirtschaft 2008 trübe sind, steht das Jahr 2007 noch einmal für einen Rekord: Niemals zuvor haben Firmen so viel Kapital im Ausland investiert, wie das Handelsblatt bereits in seiner gestrigen Ausgabe in einem Teil seiner Auflage berichtet hatte. Nach Schätzungen der Unctad summierte sich das grenzüberschreitende Engagement der Unternehmen auf 1,5 Billionen US-Dollar. Die Finanz- und Kreditkrise, die seit der zweiten Hälfte 2007 immer weiter um sich greift, habe den Investitionsströmen noch nichts anhaben können, schreibt die Unctad.

Im laufenden Jahr könnten die grenzüberschreitenden Investitionen als Folge eines globalen Abschwungs allerdings schrumpfen, so die Uno-Konferenz.

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