Unruhe auf dem Finanzmarkt Rätselraten um die US-Wirtschaft

Aufträge und Neubauverkäufe in den USA legen im Juli unerwartet zu. Wie stark die Realwirtschaft von der Hypothekenmarkt-Krise betroffen sein könnte, prognostizieren Volkswirte aber nur zurückhaltend.
Die Krise am US-Immobilienmarkt hatte weltweit Ängste vor einer Ausweitung auf die gesamte Wirtschaft ausgelöst. Foto: ap Quelle: ap

Die Krise am US-Immobilienmarkt hatte weltweit Ängste vor einer Ausweitung auf die gesamte Wirtschaft ausgelöst. Foto: ap

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doh DÜSSELDORF. Die US-Konjunktur hat sich im Juli überraschend robust entwickelt. Die Industrie für langlebige Güter verbuchte ein für Volkswirte unerwartet großes Auftragsplus. Und die Verkäufe neuer Eigenheime in den USA stiegen nach zwei Rückgängen in Folge. Das zeigen am Freitag veröffentlichte Daten für Juli, also die Zeit, als der US-Hypothekenmarkt bereits in die Schieflage geraten war.

Die Krise am US-Immobilienmarkt hatte weltweit Ängste vor einer Ausweitung auf die gesamte Wirtschaft ausgelöst. Hypothekenbanken gingen pleite, weil viele Hausbesitzer wegen steigender Zinsen und sinkender Immobilienpreise ihre Baudarlehen nicht mehr bedienen.

Wie stark die Realwirtschaft von der Krise in den USA betroffen sein könnte, prognostizierten Volkswirte auch nach der Vorlage der unerwartet guten Daten nur zurückhaltend. Da es bislang so gut wie keine Frühindikatoren gebe, die seit dem Ausbruch der Krise erhoben worden sind, tappe man „ziemlich im Dunkeln“, kommentierte Carsten Klude von M.M. Warburg.

Die Auftragseingänge für langlebige Güter waren im Juli mit 5,9 Prozent gegenüber dem Vormonat überraschend deutlich gestiegen, teilte das US-Handelsministerium am Freitag mit. Das war die stärkste Zunahme seit September vergangenen Jahres. Zudem fiel der Vormonatswert mit knapp zwei Prozent deutlich höher aus als zunächst gemeldet. Als noch überraschender werteten Konjunkturbeobachter, dass dieser Zuwachs nicht alleine auf Großaufträge zurückzuführen war: Auch die Order „ohne Transport“ legten um 3,7 Prozent gegenüber dem Vormonat zu – und damit wesentlich kräftiger als im Juni. Mit Ausnahme der elektronischen Ausrüstungen verbuchten alle Teilbereiche kräftige Zuwächse.

„Die Order sind allerdings recht revisionsanfällig“, schränkte der Chefvolkswirt der Deka-Bank, Ulrich Kater, gegenüber dem Handelsblatt ein. Es könne gut sein, dass im Zuge der Finanzmarktturbulenzen die Daten deutlich revidiert würden. Dennoch rechnet er mit einem soliden Wachstum der US-Konjunktur – bislang sprächen noch keine Fundamentaldaten dagegen.

Ebenso überraschend wie der Anstieg der Aufträge kam für viele Experten Ende vergangener Woche die Nachricht, dass die Verkäufe neuer Eigenheime in den USA im Juli um 2,8 Prozent gestiegen sind. Nach zwei monatlichen Rückgängen in Folge legte die Zahl neuer Häuser nun auf 870 000 auf das Jahr gerechnet zu. Auch das teilte das Handelsministerium mit und löste damit an der Wall Street Kursgewinne aus.

Wie die US-Verbraucher auf die Unruhe auf dem Finanzmarkt reagieren, wird heute bekannt, wenn das Conference Board das Verbrauchervertrauen veröffentlicht.

Nachdem auch im letzten Quartal viele Daten besser ausgefallen waren, als die Statistiker zuvor gemeldet hatten, gehen Volkswirte mehrheitlich davon aus, dass sich die US-Wirtschaft im Frühjahr besser entwickelt hat, als zunächst gemeldet. Im Schnitt des ersten Halbjahres hätte die US-Wirtschaft um 2,4 Prozent expandiert, sagt die Commerzbank voraus. „In der zweiten Jahreshälfte dürfte sich das Wachstum ebenfalls in dieser Region bewegen“, schreibt Chefvolkswirt Jörg Krämer in seinem Ausblick. Allerdings hätten die Abwärtsrisiken zuletzt zugenommen.

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