Unsicherheitsfaktor Ölpreis
EZB warnt vor wachsenden Inflationsgefahren

Nach Worten von Ratsmitglied Guy Quaden muss die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts der wachsenden Inflationsgefahr derzeit besonders wachsam sein.

HB BRÜSSEL. Die Währungshüter in der Euro-Zone seien inzwischen stärker über Inflation besorgt als noch vor sechs Monaten, als die Ölpreise noch niedriger waren, sagte Quaden in einem am Dienstag verbreiteten Interview mit der Nachrichtenagentur „Market News International“. „Wir sind immer wachsam, wie Sie wissen - aber in dieser unsicheren Situation müssen wir besonders wachsam sein, weil die Risiken von der Inflation her vor allem aufwärts gerichtet sind.“ In ihrem Hauptszenario gehe die EZB aber weiter davon aus, dass die Teuerungsrate im Lauf des kommenden Jahres unter zwei Prozent sinken werde, sagte der belgische Notenbank-Chef.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte bereits in der vergangenen Woche wachsende Besorgnis der EZB über Gefahren für die Preisstabilität geäußert. An den Finanzmärkten wird eine Zinserhöhung überwiegend aber erst im kommenden Jahr erwartet. Nach Quadens Inflationswarnungen drehte am Anleihemarkt der Bund-Future ins Minus. Die Kurse von Staatsanleihen fallen bei der Aussicht auf steigende Leitzinsen, da dann die niedrigere Verzinsung der bereits umlaufenden Anleihen weniger attraktiv wird. Der EZB-Schlüsselzins liegt seit Juni 2003 bei 2,0 %.

Quaden zufolge sind derzeit zwei Fragen für die EZB wichtig: „Wird der Ölpreisanstieg von Dauer sein? Wird das Zweitrundeneffekte hervorrufen?“ Solche Zweitrundeneffekte - starke Lohnerhöhungen und Preiserhöhungen der Industrie in Reaktion auf die verteuerte Energie - seien bisher aber noch nicht in Sicht.

Der EZB-Rat ist Quaden zufolge inzwischen zuversichtlicher über die Aussichten für einen anhaltenden Aufschwung der Wirtschaft in der Euro-Zone. Die Risiken für ein zu schwaches oder zu starkes Wachstum hileten sich die Waage. „Im Moment gibt es keinen Grund, zu glauben, dass das Wachstum in der Euro-Zone in den kommenden Monaten zum Stillstand kommt.“ Die EZB sei optimistisch, wenn auch nicht euphorisch.

Seit die Erholung im Währungsgebiet Tritt gefasst habe, sei eine Zinssenkung kein Thema mehr im EZB-Rat. Deshalb habe der Rat auch Abstand genommen von der Formulierung, alle Optionen seien offen. „Es gibt keine Vorentscheidung über eine mögliche Zinserhöhung; wir prüfen die Aussichten Monat für Monat. Aber wie ich schon früher sagte: es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Zinsen für immer auf dem derzeit niedrigen Niveau bleiben.“

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