Unternehmensanleihen
Japans Notenbank beendet Ankaufprogramme

Die japanische Zentralbank leitet ihren Rückzug von den Kreditmärkten ein. Die Währungshüter beschlossen am Freitag, ihre Ankaufprogramme für Unternehmensanleihen und kurzfristige unbesicherte Schuldtitel im Dezember zu beenden. Zugleich fielen Konjunkturdaten überraschend positiv aus.
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HB TOKIO. Japan wird nach Einschätzung der Zentralbank mindestens drei Jahre lang eine Phase fallender Preise bei zugleich moderatem Wirtschaftswachstum durchlaufen. Das (BIP) dürfte im Fiskaljahr 2010/2011 (ab 1. April) um 1,2 Prozent zulegen, teilte die Bank of Japan (BoJ) am Freitag in ihrem halbjährlichen Ausblick zur Wirtschafts- und Preisentwicklung mit. In diesem Jahr wurde ein Rückgang um 3,2 Prozent verzeichnet. Im folgenden Jahr dürfte sich das Wirtschaftswachstum angesichts einer moderaten Erholung der Weltwirtschaft um 2,1 Prozent beschleunigen.

Eine dauerhafte Erholung des privaten Binnenkonsums sei jedoch bis zur zweiten Hälfte des Fiskaljahres 2011/2012 nicht zu erwarten, hieß es. Das Deflationstempo werde sich jedoch über die nächsten drei Jahre abschwächen. Es sei denn auch „unwahrscheinlich“, dass der Rückgang der Preise einen Abwärtsdruck auf die Wirtschaftsaktivitäten ausüben werde, so die Zentralbank weiter. Demnach dürften die Verbraucherpreise, ausgenommen die für Lebensmittel, in diesem Fiskaljahr um 1,5 Prozent sinken, im nächsten Jahr um 0,8 Prozent und im darauffolgenden Jahr dann nur noch um 0,4 Prozent zurückgehen.

Vor diesem Hintergrund beschloss die BoJ am Freitag, einige der im Herbst vergangenen Jahres wegen der Weltwirtschaftskrise in Kraft gesetzten Finanzhilfen für Unternehmen wie geplant zu beenden. So soll das Ankaufprogramm der Zentralbank für Unternehmensanleihen zu Ende Dezember auslaufen. Allerdings wird die Zentralbank privaten Finanzinstituten über Geldmarktoperationen auch weiterhin unbegrenzte Mittel zu extrem niedrigen Kosten zur Verfügung stellen, um der Wirtschaft zu helfen. Diese Maßnahmen wurden bis Ende März verlängert. Zugleich beließ die BoJ ihren Leitzins bei 0,1 Prozent.

Die Arbeitslosenquote ging in Japan überraschend zurück. Wie die Regierung am Freitag bekanntgab, sank die Quote im September unerwartet von 5,5 Prozent im Vormonat auf 5,3 Prozent und damit im nunmehr zweiten Monat in Folge. Hintergrund ist die steigende Produktion angesichts zunehmender Exporte. Auf 100 Jobsuchende kamen 43 offene Stellen, eine mehr als in den beiden vorherigen Monaten. Das sei aber noch keine Trendwende, hieß es. Im Vergleich zum Vorjahr lag die Zahl der offiziell als arbeitslos registrierten Menschen um 920 000 höher bei insgesamt 3,63 Millionen.

Die Kernverbraucherpreise sanken indes im September etwas weniger stark gesunken als erwartet. Im Jahresvergleich seien die Kernverbraucherpreise um 2,3 Prozent gefallen, teilte die japanische Regierung mit. Volkswirte hatten einen Rückgang um 2,4 Prozent erwartet. Im August waren sie noch um 2,4 Prozent gefallen. Die Gesamtinflationsrate lag im September wie im Vormonat bei minus 2,2 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Kernverbraucherpreise um 0,1 Prozent. Bei der Kernrate werden schwankungsanfällige Lebensmittelpreise nicht berücksichtigt.

Im Großraum Tokio, für den der Preisindex einen Monat früher veröffentlicht wird, sanken die Kernverbraucherpreise im Oktober um 2,2 Prozent. Im September hatte hier der Rückgang bei 2,1 Prozent gelegen. Insgesamt fielen die Verbraucherpreise im Großraum Tokio im September um 2,4 Prozent zum Vorjahr, nach einem Rückgang von 2,1 Prozent im Vormonat. Zum Vormonat fielen die Kernverbraucherpreise im September um 0,2 Prozent. Der Preisindex Tokios gilt als vorlaufender Indikator für die nationale Preisentwicklung.

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