Unterstützung aus Paris
Draghis Chancen auf Top-Job bei der EZB steigen

Nach Italiens Regierungschef Berlusconi hat sich nun auch Frankreichs Präsident Sarkozy für Mario Draghi als Nachfolger für EZB-Präsident Jean-Claude Trichet stark gemacht. Berlin wurde offenbar überrascht - und zögert.
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Rom Er unterstütze die Kandidatur Draghis, sagte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi in Rom. "Ich kenne Draghi gut. Wir unterstützen ihn nicht, weil er Italiener ist, sondern wegen seiner Qualitäten. Es wäre darüber hinaus ein gutes Signal für Italien, das Zweifel an seiner Rolle und Position in Europa hegen mag", sagte Sarkozy. Berlusconi hat sich bereits für Draghi ausgesprochen.

Der amtierende EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wird nach acht Jahren an der Spitze der Notenbank Ende Oktober turnusmäßig ausscheiden. Im Gerangel um seine Nachfolge gilt Draghi als klarer Favorit. Lange Zeit hatte der scheidende Bundesbankchef Axel Weber als Favorit für Trichets Nachfolge gegolten, doch gab er im Februar seinen Rückzug bekannt. Einen anderen deutschen Kandidaten gibt es bisher nicht.

Auch die französische Finanzministerin Christine Lagarde hatte sich bereits für Draghi ausgesprochen. Doch dass jetzt auch Sarkozy persönlich Draghi unterstützt, hat besondere Bedeutung. Denn die endgültige Entscheidung über den künftigen obersten Währungshüter in Europa treffen nicht die Finanzminister, sondern die Staats- und Regierungschefs der Euro-Mitgliedsländer. Und die pokern normalerweise bis zur letzten Stunde.

Die Bundesregierung hat verhalten auf die französische Unterstützung für Draghi als künftigen Chef der EZB reagiert. „Zu möglichen Kandidaten wird sich die Bundesregierung rechtzeitig äußern“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. „Über eine Nachfolge des jetzigen EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet soll auf dem nächsten EU-Gipfel im Juni entschieden werden.“ Offensichtlich wurde die Bundesregierung von der öffentlichen Festlegung Sarkozys für Draghi überrascht. Erst vergangene Woche hatte ein Regierungssprecher in Berlin darauf verwiesen, dass es keinen Zeitdruck in der EZB-Kandidatenfrage gebe.

Die deutsche Position ist noch unklar. Für Finanzminister Wolfgang Schäuble ist Draghi offenbar der Wunschkandidat für den im November frei werdenden Chefsessel der EZB. Im Gespräch mit Vertrauten im Finanzministerium und mit Führungskräften der Bundesbank lobt Schäuble die Qualitäten des italienischen Notenbankchefs in hohen Tönen. "Schäuble schätzt Draghis guten Ruf als Notenbanker, seine Integrität und Persönlichkeit", sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter jüngst dem Handelsblatt. Es sind vor allem drei Gründe, die für Schäubles Position den Ausschlag geben. Erstens: Draghi betont stets, wie wichtig Preisstabilität und die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik sind. Zweitens: Draghi hat in dem instabilen politischen Umfeld in Italien seine Unabhängigkeit bewiesen. So fordert er seit Jahren wirtschaftliche Reformen nach deutschem Vorbild von der Regierung Berlusconi. Drittens: Wahrscheinlich ist gerade der Südländer Draghi gut geeignet, zusammen mit der EU-Kommission die deutsche Stabilitätskultur nach Griechenland, Spanien und Portugal zu exportieren. Ein deutscher EZB-Präsident würde vermutlich auf erbitterten Widerstand stoßen.

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  • Wenn sich Berlusconi und Sarkozy einig sind, wer braucht dann schon noch die deutschen Deppen ........

  • Wann - so frage ich mich - wird diese Regierung ihrer Bedeutung innerhalb der EU endlich Gewicht verleihen. Es ist keine wichtige Position mit einem Deutschen besetzt. Es wurde ein Vertrag geschlossen, der es der Mehrheit ermöglicht, Deutschland zu überstimmen. Und unsere Politiker wollen uns immer noch weismachen, die EU soll nicht zu einer Transferunion werden - sie ist es längst. Es ist ein Jammer, das Politiker für den Unsinn, den sie anrichten nicht belangt werden können.

  • Da die Verschuldung immer höher wird in Europa, brauchen wir dafür einen Spezialisten, da kommt einer aus dem bankrotten Italien gerade recht. Das wird unseren 4 etablierten Schuldenmacherparteien gefallen.

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