Unverändert bei 5,25 Prozent
Fed tastet US-Leitzins nicht an

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat die Leitzinsen erwartungsgemäß bei 5,25 Prozent belassen. In ihrer Erklärung betonten die Notenbanker allerdings, die Abwärtsrisiken für das US-Wirtschaftswachstum seien gestiegen. Die größte Sorge bereitet der Fed nach wie vor das Thema Inflation.

ebe NEW YORK. Neben den volatilen Finanzmärkten verwies sie auch auf die Probleme am Kreditmarkt sowie auf die „andauernde Korrektur im Immobiliensektor“. Nachdem Notenbankchef Ben Bernanke vor einem halben Jahr noch signalisiert hatte, es gebe bereits erste vorsichtige Entspannungssignale im Häusermarkt, ist davon jetzt keine Rede mehr.

Die jüngsten ökonomischen Daten haben im Gegenteil gezeigt, dass der Rückgang der Immobilienverkäufe schärfer ausfiel als erwartet und die US-Verbraucher ihren Gürtel allmählich enger schnallen – ein Risikofaktor für die stark konsumgetriebene US-Konjunktur. Das führt zu einem Dämpfer bei den Wachstumsaussichten, aus Sicht der Fed aber nicht zu einer fundamentalen Schwäche, die eine rasche Zinssenkung notwendig macht. Bernanke bestätigte deshalb seinen Ausblick für ein „moderates“ Konjunkturwachstum in den nächsten Monaten. Die Notenbank unterschätze die Verbindung zwischen dem schwachen US-Häusermarkt und dem Konsum, glaubt Jan Hatzius, Chefökonom der Investmentbank Goldman Sachs: „Vielleicht müssen sie ihre Sichtweise ändern,“ sagte Hatzius dem „Wall Street Journal“.

Die meisten Marktexperten hatten mit der abwartenden Haltung der Fed gerechnet: Aus ihrer Sicht müsste sich die Situation an den Finanzmärkten schon nachhaltig verschlechtern, bevor sich die US-Notenbank zum Einschreiten gezwungen sieht. Bernanke verfolgt damit einen anderen Kurs als Vorgänger Alan Greenspan, der die Märkte bei auftretenden Finanzkrisen regelmäßig mit schnellen Zinssenkungen beruhigte. Zwar sind die Börsen derzeit hochnervös und in den vergangenen Wochen teils ruckartig gefallen.

Doch Kurssprünge wie etwa beim Dow Jones Industrials, der sich zu Wochenbeginn um fast 300 Punkte erholte, halten viele Indizes weiter in der Nähe ihrer gerade erst erreichten Rekordniveaus. Bernanke konnte die Finanzteilnehmer gestern auch ohne Zinssenkungen einigermaßen beruhigen: Der Dow Jones Industrials verlor nach Bekanntgabe der Fed-Erklärung zunächst nur unwesentlich an Boden.

Ungeachtet der Entscheidung rückt ein Ende der Zinspause aus Sicht vieler Marktbeobachter näher. Vor dem Ausbruch der Kredit- und Hypothekenkrise rechneten die meisten Volkswirte mit gleichbleibenden Zinsen bis weit ins Jahr 2008 hinein. Inzwischen wird die erste Leitzinssenkung bereits für September oder Oktober erwartet.

Der erste Schritt erfolge wohl bereits vor der Fed-Sitzung Ende Oktober, glaubt David A. Rosenberg, Ökonom der Investmentbank Merrill Lynch. Nach Asset- oder Kreditblasen seien Zinssenkungen in der Vergangenheit bereits häufiger zwischen zwei Notenbanksitzungen erfolgt, begründete Rosenberg seine Einschätzung.

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