US-Arbeitslosenzahlen
Eiszeit auf dem US-Jobmarkt

Keine neuen Jobs, die Arbeitslosenquote unverändert: Der US-Jobmarkt kam auch im August nicht in Gang. Die Unternehmen scheinen kein Vertrauen in die Lage der US-Wirtschaft zu haben. Die Angst vor der Rezession wächst. 
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WashingtonDer amerikanische Jobmarkt kommt einfach nicht in Gang. Die Zahl der Arbeitplätze blieb im August überraschend unverändert. Dabei hatten Ökonomen zumindest mit einem kleinen Plus gegenüber Juli von rund 60.000 Arbeitsplätzen gerechnet. Auch die Arbeitslosenquote verharrte im August bei 9,1 Prozent, wie das US-Arbeitsministerium am Freitagmorgen mitteilte.

Der Arbeitsmarkt stagniert, denn offenbar glauben die Unternehmen nicht an eine Besserung der wirtschaftlichen Lage. „Wenn die Aussichten unsicher sind, stellen Firmen nicht ein“, sagte Ellen Zentner, leitende Volkswirtin bei Nomura Securities International Inc. in New York., der Nachrichtenagentur Bloomberg „Warnungen, dass wir uns am Rande einer Rezession befinden oder bereits drin sind, sind nicht völlig unberechtigt.“

Daher waren die August-Zahlen mit besonderer Spannung erwartet worden, sie gelten als wichtiger Indikator für die große Frage, ob die US-Wirtschaft in eine zweite Rezession rutscht. Die Jobzahlen zeigen, wie die Wirtschaft wirklich die zähen Verhandlungen um die Anhebung der Schuldengrenze und die Marktverwerfungen nach der Herabstufung Amerikas durch Standard & Poor`s Anfang des Monats verdaut hat. Offenbar nicht gut.

Die Anleger reagierten am Freitag unmittelbar: Der Dax brach um bis zu 3,8 Prozent auf 5510 Zähler ab. Vor Veröffentlichung der Statistik hatte bereits 2,7 Prozent niedriger notiert. Als sicher geltende Bundesanleihen Schweizer Franken wurden stärker nachgefragt. Der Dollar hielt sich mit 1,4255  gegenüber dem Euro einigermaßen stabil.

Die Entwicklung am Arbeitsmarkt ist entscheidend für die Konsumausgaben, die wiederum rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung in den USA ausmachen. Der Konsum leidet auch unter der schwachen Lohnentwicklung: Die Stundenlöhne fielen im August um durchschnittlich 0,2 Prozent.

Die neuen Zahlen sind der letzte große Zustandsbericht über die US-Wirtschaft vor dem Treffen der Notenbank am 20. und 21. September. Bei der Versammlung, die um einen  Tag verlängert wurde, beraten die Offiziellen über weitere Schritte zur Ankurbelung der US-Wirtschaft. Es wird erwartet, dass die Fed umso eher bereit sein wird, erneut helfend einzugreifen, je schlechter die Arbeitslosenzahlen im August ausfallen. Bereits auf der vergangenen Fed-Sitzung, so zeigen Protokolle, wurde heftig darum gerungen, ob die Notenbank ein weiteres Programm zum Ankauf amerikanischer Staatsanleihen auflegen sollte.

Ein kleines Zeichen der Hoffnung für den Jobmarkt hatte es am Donnerstag gegeben, als das Arbeitsministerium die neuesten Daten über die Zahl der Amerikaner, die sich arbeitslos meldeten, veröffentlichte. Sie ging in der vergangenen Woche weiter zurück, von 421.000 auf 409.000. Trotzdem verharrt die Arbeitslosenquote um die neun Prozent. „Der Arbeitsmarkt ist eingefroren“, kommentiert die „Washington Post“. Zwar würden die Leute nicht in großem Ausmaß ihre Jobs verlieren. Es kämen aber auch keine dazu.

Dass sich daran bald etwas ändern wird, glaubt noch nicht einmal die Regierung. Ihren jüngsten Prognosen nach werde sich die Arbeitslosenquote auch im kommenden Jahr um die neun Prozent bewegen. Es ist das Jahr des Präsidentschaftswahlkampfes.

Für den in den Umfragen ohnehin schwer angeschlagenen US-Präsidenten Barack Obama eine schwere Last. Der Wahlkampf dreht sich schon jetzt fast ausschließlich um Jobs. Deshalb will der Präsident bald aus der Defensive kommen: In einer großen Rede vor dem Kongress am 8. September will er seine Pläne verkünden, „wie wir Amerika zurück an die Arbeit bekommen“.  Die Schritte würden die Arbeitslosenquote unter neun Prozent drücken, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. Genauer festlegen wollte er sich allerdings nicht.

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik

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  • die USA benötigen (wie u.a. auch P.Krugman schreibt) ein richtiges, ordentliches Konjunkturprogramm.
    Nicht nur der Investitionsstau in Infrastruktur in den USA ist immens, auch eine Neugestaltung wichtiger Institutionen (Bildung, soz.Sicherungssysteme) müsste auf ein nachhaltig sinnvolles Fundament gesetzt werden.
    Das Geld hierfür müsste sich der Staat dann eben dort abholen,
    wo es sowieso immer hinfliesst - oder man lässt weiterhin den Rest der Welt dafür blechen: frisch Gedrucktes gegen Ware.

    In abgeschwächter Form gilt dies im übrigen auch für Deutschland.
    (wobei wir -wie es immer klarer zum Vorschein kommt - eben gleich ganz Europa aufpäppeln, und dann parallel über die Medien lautstark und dummdreist verlautbart wird, es sei für Projekte im eigenen Land kein Geld da...)

    Die eigentliche Problematik, die Ursache der ganzen Krise,
    wird im Übrigen immer noch nicht thematisiert.

    Die Finanzierung des Wirtschaftskreislaufs über die Löhne funktioniert nicht mehr - das Produktivitätsgap wird schon seit Jahren nur durch Umverteilung geschlossen - aus systemischen Zwängen heraus aber eben "auf Pump".

    Das Resultat sind riesige Schuldenberge,
    uneinbringliche Forderungen,
    Vertrauensverlust.

    Die Ursache: die Ungleichverteilung.

  • Jay Carney, klingt nach Karneval.

    Das Problem der USA in sechs Wörtern ist:
    Princeton Harvard Yale, Bullets Bombs and Banks

  • Nichts ist so ehrlich, wie Geld
    Denn am Geld erkennt man wirklich, was los ist.
    Geld mach ehrlich
    macht die Schöne schöner
    macht den Schurken sichtbar.

    Darum wird Geld fast mehr gehasst, als die Ehrlichkeit.

    Und wie es aussieht, die USA sind ohne Ziele
    haben sich aus dem Orbit zurück gezogen
    und leben wie die Neandertaler

    Krieg und Wohlfahrtsspiele
    Aber dennoch die Helden der Teaparty lassen hoffen
    Evtl wird es bei uns die FDP

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