US-Arbeitsmarkt
Trendwende kommt zu spät für Obama

Der US-Arbeitsmarkt kämpft sich aus der Krise. Im Oktober wurden erstmals seit Mai unter dem Strich wieder neue Stellen geschaffen. Die guten Nachrichten kommen zu spät, um die Kongresswahl zugunsten der Demokraten Obamas zu beeinflussen: Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in den USA hatte den Republikanern eine überwältigende Mehrheit im Abgeordnetenhaus beschert.
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HB WASHINGTON. Vor allem die Arbeitgeber in der Privatwirtschaft stocken ihre Belegschaften auf, wie das Arbeitsministerium in Washington am Freitag mitteilte. US-Präsident Barack Obama bezeichnete die Daten als ermutigend. Dennoch seien immer noch viel zu viele Menschen ohne Job. Er sei daher offen für jeden Vorschlag, die Wirtschaft in Schwung zu bringen, einschließlich von Steuererleichterungen. Der künftige Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, der Republikaner John Boehner, forderte Obama auf, mit ihm zusammenzuarbeiten und an den Steuererleichterungen festzuhalten, die noch von Obamas Vorgänger George W. Bush stammen.

Obama befürwortet die Erleichterungen für Familien mit einem Einkommen bis zu 250 000 Dollar im Jahr, will aber die Steuern für Spitzenverdiener erhöhen. Sollten sich beide Seiten nicht einigen, so steigen am 1. Januar die Steuersätze für alle Bürger. Derzeit sind 9,6 Prozent aller Amerikaner als arbeitslos gemeldet, die Quote stagnierte auf diesem hohen Niveau, obwohl die Zahl der Arbeitsplätze um 151 000 stieg und damit so stark wie seit April nicht mehr. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit plus 60 000 Stellen gerechnet. Zugleich revidierten die Statistiker die Zahlen für die Vormonate; hier fielen deutlich weniger Stellen weg als zunächst angenommen.

Allerdings werden beide Daten in getrennten Umfragen erhoben, das kann zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Zudem sei auch in den kommenden Monaten kaum mit einem Rückgang der Arbeitslosenquote zu rechnen, sagte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank: Angesichts der günstigeren Lage dürften mehr Menschen Zuversicht schöpfen und die Suche nach einem neuen Job wieder aufnehmen, die sich derzeit noch entmutigt vom Arbeitsmarkt abgewendet hätten. Experten gehen davon aus, dass pro Monat ungefähr 125 000 Stellen geschaffen werden müssen, damit die Arbeitslosenquote sinkt. Dabei spielt auch eine Rolle, dass die Bevölkerung in den USA dank Zuwanderung und höherer Geburtenraten wächst und sich somit immer mehr junge Menschen auf die Suche nach einem ersten Job begeben.

In Deutschland gehen dagegen schon jetzt jährlich mehr Menschen in Rente, als neu auf den Markt drängen, was die Zahl der Arbeitslosen sinken lässt. Angesichts der klammen Haushaltslage fällt der Staat in den USA aus, wenn es um die Schaffung neuer Arbeitsplätze geht. Dafür suchen die privaten Arbeitgeber neue Mitarbeiter. In den vergangenen vier Monaten waren es jeweils mehr als 100 000. Im Oktober hatten Arbeitslose besonders bei den Dienstleistern gute Chancen, aber auch Zeitarbeitsfirmen stockten ihre Belegschaften auf. Sorgenkind bleibt dagegen das Verarbeitende Gewerbe, das nach wie vor unter massiven Überkapazitäten leidet. Seit Dezember 2009 summiere sich die Zahl der neuen Jobs im Privatsektor auf 1,2 Millionen, sagte Weidensteiner. Immer noch fehlten aber zehn Millionen Stellen, bis das Vorkrisenniveau bei der Beschäftigung wieder erreicht sei.

Weidensteiner: "Es ist noch viel zu tun, bis man wieder von Vollbeschäftigung sprechen kann." Die US-Notenbank Fed hatte am Mittwoch die Notenpresse angeworfen und das mit der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit begründet. Sie will nun Staatsanleihen im Volumen von 600 Milliarden Dollar ankaufen. Auch die jüngsten Daten dürften die Notenbanker nicht zu einer Meinungsänderung bewegen, sagte 4Cast-Experte Sean Incremona: Schließlich seien immer noch deutlich mehr Menschen arbeitslos als vor der Krise.

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