Konjunktur
US-Arbeitsmarktdaten enttäuschen die Märkte

Die Beschäftigungssituation in den USA gewinnt zunehmend politische Brisanz. US-Präsident Bush steht unter erheblichen Druck, vor der Präsidentenwahl im November eine Entspannung am Arbeitsmarkt vorweisen zu können. Doch bislang haben die US-Unternehmen trotz kräftiger Konjunkturbelebung weniger Stellen geschaffen als erwartet. Analysten sahen angesichts der heute vorgelegten Daten weiterhin keine merkliche Entspannung am amerikanischen Arbeitsmarkt.

HB WASHINGTON. Die Zahl der Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft kletterte im Januar um 112.000 nach einem nach oben revidierten Anstieg um 16.000 im Vormonat, teilte das US-Arbeitsministerium mit. Analysten hatten im Schnitt mit einem stärkeren Plus von 150.000 Stellen gerechnet. Zugleich sank allerdings die Arbeitslosenquote überraschend auf 5,6 Prozent von 5,7 Prozent im Vormonat, während Volkswirte im Schnitt mit einer unveränderten Rate gerechnet hatten.

Die Aktienmärkte beidseits des Atlantiks reagierten am Freitag zunächst mit Kursverlusten auf die Daten. Der Euro zog dagegen zum Dollar um mehr als einen Cent an.

Die Berechnung von Quote und Zahl der Stellen basiert auf unterschiedlichen Erhebungen: die Arbeitslosenquote auf einer Befragung von Haushalten und die Stellenzahl auf einer Befragung von Arbeitgebern. In den USA gibt es anhaltende Befürchtungen, dass sich die Impulse der Konjunkturerholung auf den Arbeitsmarkt unter anderem wegen der Produktivitätsfortschritte der Unternehmen in Grenzen halten werden. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer „jobless recovery“ - also einer wirtschaftlichen Belebung ohne nennenswerten Stellenzuwachs. Im vierten Quartal war die weltgrößte Volkswirtschaft um annualisiert 4,0 Prozent gewachsen.

Die Beschäftigungssituation gewinnt zunehmend auch politische Brisanz. Denn US-Präsident Bush steht unter erheblichen Druck, vor der Präsidentenwahl im November eine Entspannung am Arbeitsmarkt vorweisen zu können.

Doch Analysten sahen angesichts der Daten weiterhin keine merkliche Entspannung am Arbeitsmarkt. „Es ist enttäuschend, 112.000 ist unter den Erwartungen. Es zeigt, dass die Unternehmen mit Einstellungen immer noch sehr zögerlich sind“, sagte Larry Wachtel von Wachovia Securities in New York. Die Lage am Arbeitsmarkt bleibe schwach.

Einige Analyten erkannten aber zumindest eine teilweise Erholung. „Es ist eine geringe Verbesserung im Verarbeitenden Gewerbe zu erkennen“, sagte Mark Vitner, Volkswirt von Wachovia Securities in Charlotte. Allerdings würden in sehr arbeitsplatzintensiven Bereichen des Sektors immer noch Stellen abgebaut, sagte er.

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