US-Einzelhandel
Kater nach dem Kaufrausch

Der US-Einzelhandel blickt gebannt auf das am morgigen Freitag beginnende Weihnachtsgeschäft. Wegen der Kreditkrise und gestiegener Benzinpreise sitzt vielen Amerikanern das Geld nicht mehr so locker in der Tasche. Experten fürchten ein Abgleiten in die Rezession.

NEW YORK. Zahlreiche Experten rechnen mit dem schwächsten Shopping-Ergebnis seit 2002, weil die hartnäckige Finanzkrise inzwischen die Laune der US-Konsumenten spürbar trübt. „Mit Blick auf den schwachen Häusermarkt und die Kreditklemme werden Konsumenten gezwungen sein, ihre Ausgaben im Weihnachtsgeschäft einzuschränken“, sagt Rosalind Wells, Chefökonomin des Branchenverbands National Retail Federation (NRF).

Die Wirtschaft blickt mit bangen Augen auf den Privatkonsum, weil er mit rund 70 Prozent die mit Abstand wichtigste Stütze der US-Konjunktur ist. Angesichts von immer neuen Milliardenabschreibungen im Finanzsektor und sich häufenden Gewinnwarnungen in der Konsumbranche wächst die Zahl der Skeptiker in den Staaten von Tag zu Tag. Einer ihrer Anführer ist Merrill-Lynch-Ökonom David Rosenberg, der „die erste Konsumenten-Rezession seit 1991“ heraufziehen sieht. Wegen fallender Hauspreise, steigender Kosten und der kritischen Lage am Kreditmarkt warnt aber auch Morgan-Stanley-Volkswirt Richard Berner vor dem „perfekten Sturm“ für US-Konsumenten“ – eine Anspielung auf den tragischen Ausgang des gleichnamigen Films.

Davon will die Branche freilich nichts wissen. Die Händlerorganisation NRF hat ihre Prognosen in den vergangenen Wochen zwar nach unten korrigiert, erwartet aber noch immer ein Verkaufsplus von 3,7 Prozent im Weihnachtsgeschäft. Die Umsätze der Händler seien bereits im Herbst „entsetzlich“ ausgefallen, warnt dagegen Howard Davidowitz von der auf den Handelssektor spezialisierten Beratungsfirma Davidowitz & Associates. Er erwartet im Weihnachtsgeschäft „hohe Rabatte für die Konsumenten“ und allenfalls ein karges Verkaufsplus von einem Prozent.

Einer Umfrage der Consumer Federation of America zufolge wollen 35 Prozent aller Haushalte weniger für Weihnachtseinkäufe ausgeben als im Vorjahr – der höchste Wert seit acht Jahren. Die gestiegenen Preise für Benzin und Heizkosten wirkten sich negativ auf das Einkaufsverhalten aus, schreibt der Verband.

Dass sich die Stimmung ausgerechnet im Schlussquartal derart eintrübt, kommt für die Branche zur Unzeit. In den letzten sechs Wochen des Jahres machen die Händler nicht weniger als 40 Prozent ihres Jahresumsatzes. Einige Fachgeschäfte wie Juweliere sind noch stärker vom Weihnachtstrubel abhängig.

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