US-Federal Reserve Umfragegewinner
Ökonomen werfen EZB Intransparenz vor

Die Europäische Zentralbank (EZB) gehört formal zu den transparentesten Notenbanken der Welt. An den Finanzmärkten wird sie jedoch als wenig transparent eingestuft und genießt nur eine mittelmäßige Glaubwürdigkeit.

HB FRANKFURT/M. Dies ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie, die in der jüngsten Ausgabe des Journal of Common Market Studies (Titel: The Transparency and Creditbility of the European Central Bank) veröffentlicht wurde.

Eine weitere Studie (Titel: Interest Rate Setting by the ECB: Words and Deeds), die vor kurzem vom Centre for Economic Policy Research (CEPR) als Arbeitspapier verbreitet wurde, kommt zu dem überraschenden Ergebnis, dass sich die Zinsentscheidungen der EZB stärker an Konjunkturindikatoren als an der Inflation orientieren.

Die beiden Studien heizen die Debatte um die im internationalen Vergleich einmalige Zwei-Säulen-Strategie der EZB neu an. Diese Strategie war im vergangenen Jahr nach massiver Kritik von Wissenschaftlern und Analysten überprüft und mit Änderungen bestätigt worden. Die Autoren der Transparenz-Studie, Jakob de Haan und Fabian Amtenbrink von der Universität Groningen und Sandra Waller von der Bayerischen Landesbank, machen die „unorthodoxe Mischung aus Elementen der Geldmengensteuerung und der Inflationssteuerung“ für die große „Kommunikationslücke“ zwischen wahr genommener und formal erfüllter Transparenz verantwortlich. „Gleich, wie oft die Strategie erklärt wird; wenn die Botschaft nicht klar ist, wird sie wahrscheinlich nicht verstanden“, schreiben die Autoren der Studie. Ein Sprecher der EZB wollte gestern die Studien nicht kommentieren.

Die eine Säule der EZB-Strategie, besteht aus der Beurteilung der Preisperspektiven anhand monetärer Faktoren, wobei der Geldmenge M3 eine herausgehobene Rolle zukommt. Die zweite Säule beinhaltet die Analyse der Konjunktur- und Inflationsperspektiven anhand aller übrigen dafür geeigneten Indikatoren. De Haan und seine Ko-Autoren beschreiben die Erläuterung des Ergebnisses der Strategieüberprüfung als „ein weiteres Beispiel, wie man nicht kommunizieren sollte“. Obwohl der EZB-Rat die Kontinuität und die Bestätigung der alten Strategie betont habe, seien die Änderungen weithin als Herunterstufung der Geldmengensäule verstanden worden.

In den Index der Autoren zur formalen Transparenz gehen Kriterien ein, wie die Klarheit der Zielformulierung, ob es eine offizielle Strategie gibt, ob Protokolle veröffentlicht werden und über welche Kanäle wie häufig die Geldpolitik erläutert wird. Hierbei liegt die EZB knapp hinter den Zentralbanken Großbritanniens, Kanadas und Neuseeland in der Spitzengruppe, deutlich vor der Bundesbank oder der US-Notenbank.

Seite 1:

Ökonomen werfen EZB Intransparenz vor

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%