US-Flaute und Weltwirtschaft
Japanische Ausfuhren in die USA brechen ein

Die japanischen Ausfuhren in die USA sind eingebrochen: Als Konsequenz verzeichnet die zweitgrößte Volkswirtschaft das geringste Exportwachstum seit drei Jahren. Damit erhalten Ängste vor einem Übergreifen der US-Konjunkturflaute auf die Weltwirtschaft neue Nahrung.

HB TOKIO. Insgesamt legten die Exporte aus Japan im Vergleich zum Vorjahr im März nur um 2,3 Prozent zu. Das geringe Plus ging vor allem auf einen Einbruch der Ausfuhren in die USA zurück, die um elf Prozent gesunken sind und damit den stärkten Rückgang seit November 2003 verzeichneten.

Der japanische Handelsüberschuss fiel im März zum Vorjahresmonat überraschend kräftig um 30,2 Prozent auf 1,119 Billionen Yen (rund 6,8 Milliarden Euro). Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang des Überschusses um 12,6 Prozent auf 1,4 Billionen Yen gerechnet. „Das gebremste Wachstum der Weltwirtschaft fordert schrittweise seinen Tribut von den japanischen Exporten während sich der Abschwung in den USA allmählich auf die globale Konjunktur ausbreitet“, sagte Volkswirt Hiroshi Shiraishi von Lehman Brothers Japan.

Auch das Wachstum der japanische Asien-Exporte verlangsamte sich nach den Daten des Finanzministerium vom Mittwoch deutlich. Mit 1,9 Prozent verzeichneten sie das geringste Plus seit Mitte 2005. Im Februar hatten sie noch um 13,8 Prozent zugelegt. Vor allem die Ausfuhren nach China waren mit einem Zuwachs von 3,2 Prozent deutlich schwächer als zuletzt. Aber obwohl die japanische Wirtschaft und die großen Unternehmen des Landes stark vom Export abhängen, gehen Experten nicht davon aus, dass die Zahlen die Notenbank zu einem Zinsschritt in diesem Jahr veranlassen werden.

„Fass ohne Boden“

Ein japanischer Minister nannte die von schlechten Immobilienkrediten in den USA ausgelöste Finanzkrise als ein Fass ohne Boden. Um sie zu lösen, müssten drastische Maßnahmen wie der Aufkauf problematischer Hypotheken mit Steuermitteln ergriffen werden, sagte der für Finanzdienstleistungen zuständige Minister für Verwaltungsreformen, Yoshimi Watanabe, in einem Interview.

„Wenn in Ihrem Fass ein großes Loch ist, können Sie so viel heißes Wasser dazuschütten wie sie wollen - Sie werden nie genug heißes Wasser haben“, sagte Watanabe. Um die globale Finanzkrise zu überwinden, müsse ein Gesamtpaket geschnürt werden, zu dem auch währungspolitische Maßnahmen und der Einsatz von Steuergeldern gehören müssten, forderte Watanabe ungewöhnlich direkt.

Die demokratische Präsidenschaftsbewerberin Hillary Clinton hatte im vergangenen Monat die Lage im US-Immobilienmarkt mit der japanischen Rezession in den 90er Jahren verglichen. „Wir könnten in eine japanische Situation driften“, sagte sie in einem Interview. Watanabe sagte, Japan habe damals auf Probleme mit schlechten Krediten zögerlich und halbherzig reagiert. Das habe das Problem um sechs Jahre verlängert. Erst als Milliarden von Steuermitteln in das marode Bankensystem gepumpt worden seien, habe sich das Blatt gewendet. Einen Hinweis auf die Unterschiede bei den Problemen damals in Japan und heute in den USA schob er beiseite: Im Grunde handele es sich darum, dass Darlehensgebern das Geld ausgehe - und das müsse mit Steuergeldern repariert werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%