US-Geldpolitik
Fed senkt Leitzins um 75 Basispunkte

Die US-Notenbank Fed hat erneut die Zinsen gesenkt. Der Leitzins wurde um 75 Basispunkte auf nun 2,25 Prozent zurückgenommen. An den Finanzmärkten war sogar eine Senkung um bis zu 100 Punkte als Reaktion auf die jüngste Zuspitzung der Finanzmarktkrise und eine drohende Rezession erwartet worden.

HB WASHINGTON Der Offenmarktausschuss (FOMC) der US-Notenbank hat am Dienstag den Leitzins wie weithin erwartet deutlich gesenkt. Wie das geldpolitische Gremium am Abend mitteilte, wird der Zielsatz für Tagesgeld (Fed Funds Rate) um 75 Basispunkte auf 2,25 Prozent reduziert. Die jüngsten Daten wiesen auf eine anhaltende Abschwächung des Wirtschaftsaktivität hin, hieß es in dem Begleittext zum Zinsentscheid.

Gegen eine Zinssenkung in diesem Ausmaß hatten der Präsident der Philadelphia Fed, Charles Plosser, und der Präsident der Dallas-Fed, Richard Fisher gestimmt. Die beiden FOMC-Mitglieder hätten eine „weniger aggressive Maßnahme“ vorgezogen, hieß es.

Beobachter hatten angesichts der sich verschärfenden Finanzmarktkrise eine Zinssenkung um 75 bis 100 Basispunkte erwartet. Seit September 2007 hat die Federal Reserve im gegenwärtigen Lockerungszyklus den Leitzins um 300 Basispunkte zurückgenommen.

Gleichzeitig verringerte die Federal Reserve ihren Diskontsatz um ebenfalls 75 Basispunkte auf 2,50 Prozent. Im Rahmen des Diskontfensters können Banken, die in Liquiditätsschwierigkeiten geraten sind, unbegrenzt Mittel gegen Sicherheiten aufnehmen.

Die Finanzmärkte bleiben nach Einschätzung der US-Währungshüter unter einem „beträchtlichen Stress“. Die Verschärfung der Kreditkonditionen und die Vertiefung der Krise am Häusermarkt dürften das Wachstum der US-Wirtschaft in den kommenden Quartalen belasten.

Die Inflation bezeichnete das geldpolitische Gremium als „erhöht“. Einige Indikatoren für die Inflationserwartungen seien gestiegen, stellte das FOMC fest. Allerdings werde der Preisdruck in den kommenden Quartalen allmählich nachlassen, wenn der Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise auslaufe und der Druck auf die Ressourcenauslastung weiche.

Die Unsicherheit über den Inflationsausblick habe sich insgesamt jedoch erhöht, hieß es in der Erklärung. Die Entwicklung müsse aufmerksam verfolgt werden.

Die aktuelle Zinslockerung sollte in Kombination mit den vorherigen Zinssenkungen und den Maßnahmen zur Bereitstellung von Liquidität das moderate Wirtschaftswachstum im Laufe der Zeit stützen und die Risiken für die ökonomische Aktivität verringern. Dennoch blieben Risiken für das Wachstum bestehen, erklärte das Gremium weiter.

Die Federal Reserve werde, wenn notwendig, rechtzeitig handeln, um ein nachhaltiges Wachstum zu stützen und Preisstabilität zu gewährleisten. Damit signalisierte die Notenbank Beobachtern zufolge ihre Bereitschaft, zu weiteren Zinssenkungen.

Bereits am Sonntag hatte die US-Zentralbank in einem überraschenden Schritt ihren Diskontsatz um 25 Basispunkte auf 3,25 Prozent gesenkt und weitere Liquiditätshilfen für das angespannte US-Finanzsystem angekündigt. Damit ermäßigte sich die Differenz zu dem Zielsatz für Tagesgeld auf lediglich 25 Basispunkte.

Die Notenbank hatte mit der Diskontsatzsenkung auf den Kollaps der fünftgrößten US-Investmentbank, Bear Stears, reagiert, die nun von dem US-Bankhaus J.P. Morgan Chase übernommen wird.

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