US-Haushaltsstreit Top-Ökonomen sehnen Einigung herbei

Aus den USA kommen optimistische Signale: Der Senat hat einen Kompromiss im Haushaltsstreit erreicht. Jetzt muss das Repräsentantenhaus abstimmen. Ökonomen hoffen, dass der große Knall ausbleibt.
Update: 16.10.2013 - 17:32 Uhr 15 Kommentare
Das Washingtoner Kapitol, wo sich Demokraten und Republikaner in diesen Tagen eine heiße Debatte über den Haushalt liefern. Quelle: AFP

Das Washingtoner Kapitol, wo sich Demokraten und Republikaner in diesen Tagen eine heiße Debatte über den Haushalt liefern.

(Foto: AFP)

BerlinIm erbitterten US-Haushaltsstreit deutet sich eine Lösung an. Die Demokraten und Republikaner im Senat hätten sich auf die Erhöhung der Schuldengrenze und die Öffnung der US-Verwaltung geeinigt, berichtete unter anderem der US-Sender CNN unter Berufung auf namentlich nicht genannte Kongressmitglieder in Washington.

Das wäre dringend notwendig: Führende Ökonomen in Deutschland rechnen für den Fall eines Zahlungsausfalls der USA mit drastischen Folgen für die globale Konjunktur und die Weltfinanzmärkte. „Käme es zu einer  Zahlungsunfähigkeit  der US-Regierung droht als erstes eine Panik auf den Finanzmärkten, die rasch auch die Realwirtschaft im globalen Maßstab zum Erliegen bringen würde“, sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, Handelsblatt Online.

„Für den Euro-Raum hieße dies mit Sicherheit den  Rückfall in eine tiefe Rezession. Für Deutschland würde es bedeuten, dass sämtliche Wachstumserwartungen für das kommende Jahr, die ohnehin eher bescheiden sind, sich als Illusion erweisen dürften.“

Mindestens eine Stagnation, wenn nicht gar eine Rezession wäre die Folge. „Die Lage wäre zudem ziemlich hoffnungslos, da die Geldpolitik ihr Arsenal durch die Bekämpfung der Finanzmarktkrise beziehungsweise der Krise des Euro-Raums bereits weitgehend ausgeschöpft hat“, fügte Horn hinzu.

Überdies sei die Bereitschaft angesichts hoher Staatsverschuldung fiskalpolitisch zu handeln, aktuell „nur gering ausgeprägt“, sodass wertvolle Zeit wahrscheinlich verloren ginge bis sich die Einsicht in die Notwendigkeit einer Stimulanz durchsetzen würde.

„Bis dahin hätte sich wahrscheinlich eine globale Krise voll entfaltet“, sagte Horn. Dafür verantwortlich sei die konservative Tea Party, die versuche, die Weltwirtschaft in Geiselhaft zu nehmen. „Der Vorgang ist ungeheuerlich: Um ihre radikalen politischen Wertvorstellungen durchzusetzen, riskieren die Republikaner Millionen und Abermillionen Jobs in und außerhalb der USA.“ 

Der Direktor des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus F. Zimmermann, sieht wegen des Etatstreits die Glaubwürdigkeit der USA als führende Wirtschaftsmacht auf dem Spiel. „Das ist angesichts der hohen Verschuldung der Vereinigten Staaten bedrohlich“, sagte Zimmermann Handelsblatt Online.

Er habe in diesem Zusammenhang schon vor einiger Zeit von einer „drohenden Griechenlandisierung Amerikas“ gesprochen. „Das politische Durcheinander passt neben der hohen Verschuldung dazu.“ Damit stehe auch das Vertrauen der globalen Märkte in eine nachhaltige und verlässliche Haushalts- und Stabilitätspolitik auf dem Spiel. „Was das bedeuten kann, haben wir an der Euro-Krise gesehen“, sagte der IZA-Chef.

Kurz vor Ablauf der Frist ringen Demokraten und Republikaner weiter um einen Kompromiss zur Erhöhung der staatlichen Verschuldungsgrenze. Senatsführer beider Parteien verbreiteten erneut Optimismus, dass es am heutigen Mittwoch doch noch zu einem Durchbruch kommt.

Doch sind die Republikaner im Repräsentantenhaus zerstritten. Eine für Dienstag angesetzte Abstimmung mussten sie deshalb absagen. Präsident Barack Obama zeigte sich entnervt über den nicht enden wollenden Streit. „Die Leute haben so die Nase voll davon“, sagte Obama dem Sender KMEX in Los Angeles.

„USA brauchen eine Schuldenbremse"
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15 Kommentare zu "US-Haushaltsstreit: Top-Ökonomen sehnen Einigung herbei"

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  • @Clown

    "Verstehe die Aufregung nicht: Ist ein Staat etwa nicht bankrott, wenn er seine Gläubiger jedenfalls zu knapp 30% mit buntem, (selbst) neu bedrucktem Papier bezahlt, hinter dem zwangsläufig immer weniger Werte stehen?"

    Im Prinzip haben Sie recht und deshalb ist es besonders scheinheilig, wenn gerade die größten Schulden- und Gelddruckfans (wie in Deutschland z.B. Gewerkschaftsökonom Horn) nun die Teebeutel kritisieren. Die Teebeutel sind aber nur die Schattenseite der eigenen häßlichen Schulden-Fratze, die sie da im Spiegel sehen aber nicht als zu sich und ihrer Politik gehörig erkennen können oder wollen.

    Im Detail haben Sie aber unrecht, weil es schon einen Unterschied macht, ob ein Zahlungsverzug plötzlich und nominal eintritt oder über schleichende Geldentwertung allmählich und nur real. Letzteres kann das bestehende System ohne kurzfristige Störung verarbeiten. Langfristig führt diese Form des Geldbetruges natürlich auch in den selben Abgrund.

    Abschließend: Dass hinter dem neu bedruckten Papier "immer weniger Werte stehen" ist in unserem Kreditgeldsystenm auch nicht sofort ersichtlich. Dieses hat ja gerade den Vorteil (kein Bug sondern Feature!) elastisch auf neue Wachstumschancen reagieren zu können und sich nicht durch zu starke Bindung an alte (Sach-)Werte zu behindern. Leider wird diese praktsiche Eigenschaft in der Hand unverantwortlicher Politiker am Gängelband der Hochfinanz massiv missbraucht und so diskreditiert. So wie man früher bei einem Sachgeld mit Münzverschlechterung durch Reduzierung des z.B. Silberanteils betrogen hat, betrügt man heute durch schleichende Verschlechterung der das Geld deckenden Kreditqualität. Dieses für jeden der nur ein wenig objektiv drauf schaut Offensichtliche wird durch risikoverschleiernde, mit Gefälligkeitsratings versehenen Finanzinnovationen unterstützt. Und Bürger, denen die süße Lüge wichtiger ist als die saure Wahrheit sitzen auch mit im Boot.

  • Der Dow Jones steht 1,3 % im Plus, der Goldpreis fällt um 0,7 %, der DAX steht bei 8.850. Das Kasino scheint sich nun völlig von der Realität abgekoppelt zu haben.

  • Verstehe die Aufregung nicht: Ist ein Staat etwa nicht bankrott, wenn er seine Gläubiger jedenfalls zu knapp 30% mit buntem, (selbst) neu bedrucktem Papier bezahlt, hinter dem zwangsläufig immer weniger Werte stehen?

  • @heart54

    "Allerdings lässt sich offenbar auch ein Großteil der Middleclass und sogar aus der "Subclass" von den ewiggestrigen Sprüchen amerikanischer Spitzenpolitiker einwickeln."

    Naja die UpperClass macht es ja auch nicht ganz ungeschickt, die von Ihnen genannten vor deren Karren zu spannen und sie so zum Teil gegen ihre eigenen Interessen handeln zu lassen. Sie sagen ihnen, das Eigentumsrecht ist zentral, weil sie wissen dass gerade die Mittelschicht Angst vor dem Abstieg und der immer weiteren Auspressung über Steuern hat und darum verleitet ist, sich am Eigentumsrecht festzuklammern. Der Punkt ist dabei, dass es in einer zivilisierten, postbarbarischen Gesellschaft (also einer in der nicht per se das Recht des Stärkeren gilt) gar kein absolutes Eigentumsrecht existiert sondern dieses nur eine, wenn auch von den Linken sträflich unterschätzte, sinnvolle und RELATIV wichtige Konvention ist. Damit lassen sich aber nicht Exzesse und Auswüchse rechtfertigen. An der Mittelschicht wird es jedenfalls hängen, ob es bei der Auflösung der derzeitigen Widersprüche und Spannungen einen Rückschritt in Richtung Barbarei oder zur Abwechslung mal was Neues gibt.

  • „Führende Ökonomen in Deutschland warnen...“ Und dann beginnt der Artikel mit dem Gewerkschaftsfuzzi und Staatsschulden-Fan Gustav Horn vom [gewerkschaftsnahen] IMK.

  • Korrektur: Soll natürlich heißen, Dax kennt sowieso nur Richtung NORDEN.

  • Die Frage ist nicht ob, sondern wann - noch mehr Schulden ist weder eine Lösung noch eine Erlösung. Asset Price Inflation bis diese größte aller Blasen im schlimmsten jemals dagewesenen Asset Price Crash implodiert.

    Das wird die Tulpen Blase, John Laws Mississippi Bubble, die große Depression, Japans Crash, den Zusammenbruch des Neuen Marktes und den Suprime Mortage Crash der USA bei weitem übertreffen.

    Dieses gesamte irrealen Schuldgeld mit dem hier immer neue Spieltische und Wettmärkte aufgemacht werden und das Ponzi Schema dabei gewaltiger wird, ist in Wahrheit nichts wert und durch nichts gedeckt.

    In Anlehnung an Nietzsche: Die Welt – ein Tor du tausend Wüsten stumm und kalt! Wer Das verlor, Was du verlorst, macht nirgends Halt. Wohl dem der real etwas besitzt, das einen wahren inneren Wert hat!


  • ...und keiner redet mehr davon, dass ab Oktober die FED doch die Anleihe-Käufe auslaufen lassen wollte.
    Trotz der ständig zitierten unmittelbarbevorstehenden Staatspleite: Der Dow macht fast 200 Plus-Punkte, der Dax kennt sowieso nur Richtung Süden....., was solls also?

  • Sehr geehrte Damen und Herren vom Handelsblatt:
    "Top-Ökonomen warnen vor globalem Sturm" - mal ehrlich, bei dem vielfältig zerstörten Vertrauen in die US-Politik, die die Machenschaften der EU-"Führer", die EZB, die Finanz-Verbrecher-Syndikate usw., warum sollte es denn so außerhalb jeder Vorstellung sein, dass die US-Politik ganz raffiniert vorgeht und auf die schlimmste Situation zum eigenen Vorteil hinarbeitet - für mich gilt immer: Das Undenkbare denken und sich einer "Anti-Logik" nicht verschließen..! Es geht um reales oder auch nur gedachtes Überleben..!

  • Es sollte hinzugefügt werden, dass vor allem die Republikaner das abgewirtschaftete System mit Zähnen und Klauen verteidigen. Allerdings lässt sich offenbar auch ein Großteil der Middleclass und sogar aus der "Subclass" von den ewiggestrigen Sprüchen amerikanischer Spitzenpolitiker einwickeln.

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