US-Hypothekenmarkt-Krise und Geldpolitik
Bernanke schweigt, Trichet warnt

Ben Bernanke ist gefragter denn je: Wo immer der US-Notenbankchef auftritt, hängen Analysten, Händler und Banker an seinen Lippen. Eine Woche vor der mit Spannung erwarteten Zinsentscheidung der Fed wird jedes seiner Worte auf die Goldwaage gelegt. So auch in Berlin bei einer Visite Bernankes bei der Kanzlerin. Allerdings wurde EZB-Kollege Trichet heute deutlicher.

HB BERLIN. Für ein paar Stunden schaute die Finanzwelt gebannt auf die deutsche Hauptstadt. Zunächst machte Bernanke Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) seine Aufwartung. Bei dem kurzen Meinungstausch ohne Pressekonferenz ging es um das tatsächliche Ausmaß der Kreditkrise, die weiteren Risiken und die Folgen an den internationalen Finanzmärkten. Details zu den Berliner Gesprächen sollten allerdings nicht an die Öffentlichkeit dringen. Ein Regierungssprecher erklärte lediglich, "Merkel und Bernanke sehen die Notwendigkeit erhöhter Transparenz auf den Finanzmärkten".

Bereits am Montag hatte Merkel mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy über die Krise gesprochen. Diese hatte in den vergangenen Wochen zu Marktturbulenzen geführt und auch deutsche Kreditinstitute in Schwierigkeiten gebracht. Merkel und Sarkozy wollen nun wieder wieder die Hedge-Fonds ins Visier nehmen. Gleichzeitig sollen auch die Ratingagenturen schärfer kontrolliert werden. Den Agenturen, die Noten für die Kreditwürdigkeit vergeben, wird vorgeworfen, zu positive Ratings für mit Hypotheken besicherte Anleihen verteilt und damit die Verwerfungen mit ausgelöst haben. Im Blickpunkt steht auch das Agieren der Banken. Auf dem lange Zeit lukrativen US-Immobilienmarkt verkauften die Institute Kredite umgehend weiter und interessierten sich nur mäßig, ob die Kunden diese jemals zurückzahlen konnten.

Die Kontrolleure der Bankenaufsicht konnten die Schieflagen einzelner Institute offenbar auch deshalb nicht entdecken, weil die Banken Milliardenrisiken außerhalb der Bilanz in Zweckgesellschaften versteckten. Nach Angaben aus Bankenkreisen werden in den nächsten zehn Tagen rund 20 Prozent aller kurzfristigen von europäischen Instituten begebenen Kredite fällig. Neue Bilanzlöcher drohen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Fed hatten zuletzt den Banken mit milliardenschweren Finanzspritzen geholfen, um Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Die EZB hatte wegen der Finanzkrise die Zinsen nicht wie erwartet erhöht, sondern den Leitzins unverändert bei 4,00 Prozent belassen.

Die derzeitige Krise an den Finanzmärkten ist nach Einschätzung des EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet eine Marktkorrektur. Bei dieser Korrektur könne es an den Finanzmärkten zu deutlichen Ausschlägen kommen. „Wir sind noch nicht am Ende“, sagte er am Dienstag im Brüsseler Europaparlament. Wichtig seien in dieser Situation „Vertrauen und Transparenz“. Trichet deutete an, dass Zinserhöhungen der Zentralbank in dieser Lage zur Zeit nicht anstehen.

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