US-Konjunktur

Amerikas Arbeitslosigkeit frisst sich fest

Die schlechten Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt reißen nicht ab: Die Wirtschaft hat im Juni weniger Jobs geschaffen als gedacht. Für Präsident Obama sind die Zahlen ein Desaster, für seinen Herausforderer eine Chance.
Update: 06.07.2012 - 17:43 Uhr 12 Kommentare
Im Wahlkampf verspricht Barack Obama mehr Arbeitsplätze - doch die Realität sieht anders aus. Quelle: AFP

Im Wahlkampf verspricht Barack Obama mehr Arbeitsplätze - doch die Realität sieht anders aus.

(Foto: AFP)

WashingtonAllmählich ist es schon ein trauriges Ritual. Im Mai und April hatten Experten ohnehin nur wenig erbauliche Daten vom US-Arbeitsmarkt erwartet – und wurden dann jeweils von der offiziellen Statistik noch unterboten. So auch im Juni: Wie das US-Arbeitsministerium am Freitag mitteilte, ist die Zahl der Beschäftigten im vergangenen Monat nur um 80.000 gewachsen. Experten hatten im Schnitt mit einem Plus von mindestens 90.000 gerechnet, Goldman Sachs sogar mit 125.000. Stattdessen hat es Amerika nun mit dem dritten schwachen Jobwachstum in Folge zu tun. Die Arbeitslosenquote bleibt bei 8,2 Prozent festgefroren.

Es ist ein weiteres Zeichen dafür, wie stark sich die US-Konjunktur weiter eintrübt. Die Wirtschaft hat sich noch immer nicht von der Rezession erholt, dazu drücken Risiken aus der Eurokrise, eine schwächelnde Weltkonjuntur und mögliche Steuererhöhungen in den USA auf die Stimmung. 

„Die Firmen fragen sich in dieser Situation natürlich, ob sie gerade jetzt mehr Personal rekrutieren sollen“, sagte der Ökonom Sam Bullard von Wells Fargo. Hatten die Unternehmen zwischen Januar und März im Schnitt 226.000 neue Stellen pro Monat geschaffen, waren es  im zweiten Quartal gerade einmal 75.000. Nach Meinung von Experten war es das schwächste Quartal für den Arbeitsmarkt seit dem Jahr 2010.

An den Märkten kamen die neuen Zahlen entsprechend schlecht an: Dow Jones und S&P 500 fielen nach Eröffnung ab. „Es ist ein enttäuschender Report“, sagte Mark Luschini von der Investmentfirma Janney Montgomery Scott dem Finanznachrichtendienst Bloomberg.

Die hohe Arbeitslosigkeit ist Gift vor allem für den wichtigen Konsum, der rund 70 Prozent zur US-Wirtschaftsleistung beiträgt: Wer keinen Job hat oder fürchten muss, arbeitslos zu werden, hält sein Geld zusammen. Entsprechend sind die privaten Ausgaben und das Konsumentenvertrauen zuletzt zurückgegangen.

Herausforderer Romney setzt auf Wirtschaftserfahrung
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12 Kommentare zu "US-Konjunktur: Amerikas Arbeitslosigkeit frisst sich fest"

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  • völlig richtig

    der dumme Parasit tötet den Wirt ...scheinbar

    Oder: Nachdem Ende des Kapitalismus als effektive Selbstversklavung wird man wieder altmodisch und wendet direktere Methoden an

    http://www.youtube.com/watch?v=jvNBVEOrCBQ&feature=related

    NOTSTANDSGESETZE
    EUROGENDFOR
    ÜBERWACHUNG
    HPM-Waffen
    Ultraschallwaffen
    ...
    ...
    ...

  • 8,2% ... na klar ..

    «New York Times»: Echte US-Arbeitslosenquote bei 17,5 Prozent

    Die Arbeitslosigkeit in den USA hat nach einem Bericht der «New York Times» inzwischen das Niveau der grossen Depression der 1930er-Jahre erreicht: Die «echte» Arbeitslosenquote liegt einem Bericht der Zeitung zufolge bei inzwischen 17,5 Prozent.

    http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2009/11/07/International/New-York-Times-Echte-US-Arbeitslosenquote-bei-17-5-Prozent

    und das war 2009

  • [+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

  • [+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

  • Wundert es jemanden, dass sich die Arbeitslosigkeit festfrisst? Es gibt keinen industriellen Mittelstand in den USA. Großindustrie und Hochfinanz haben das Geld nach der Ära Clinton in China, Mittel- und Osteuropa und Deutschland investiert. Einzig die US-Waffenindustrie zieht munter Kapital an...

  • Staat und Großkapital = Faschismus

    http://www.youtube.com/watch?v=d14UCcxuWNM

    Gerald Celente - deutsch

    Der Historiker, Webster Tarpley, war lange Gastschreiber beim rechten Dummverkäufer Kopp-Verlag. Bis er eines schönen Morgens sagte, daß die USA eine brutale Wendung nach "rechts" vollzögen und die Wall-Street regiere. Zusammenhang: Rechts - Wallstreet.
    Außerdem erwähnte er den Wikileaks-Gründer, Julien Assange, der ferngesteuert sei.

    Am nächsten Tag hatte sich der Kopp-Verlag einen Niemand rekrutiert, der Webster Tarpley demontierte mit kruden Sozialismus-Theorien.

    Celente - und Tarpley sind "out" bei den "Infokriegern", welche ich zum großen Teil auch für ferngesteuert halte. Und daß Assange eine Marionette ist, war mir zumindest gleich klar, denn ein Portal, das allseits bekannte "Geheimakten" veröffentlichte, hat die unumstößliche "Wahrheit" sozusagen gefressen und ist perfekt für die CIA und den mainstream.

    Die NWO, die so verzweifelt gesucht wird, ist der Faschismus.

  • Thatchers neoliberale Umschichtungen sind ebenso gescheitert wie die amerikanischen und europäischen. Die Superreichen werden sicher nicht 5000 Tonnen Hackfleisch am Tag bei Aldi kaufen. Auch nicht, wenn sie sich das leisten können.
    Monopoly spielt man solange, bis einem alles und allen anderen nichts gehört.
    Die Menschen sind irgendwie grotesk.


  • Yes we can, ..... but should we?

    Ja, auch ich habe mich damals sehr gewundert, als der Herr Obama mit großem Getöse in Berlin empfangen wurde wie der Messias, obwohl er noch gar nicht gewählt war. Ich hielt diese frenetische Show für einen Menschen, der noch nichts bewiesen hatte genauso unangemessen, wie die überstürzte Verleihung des Friedensnobelpreises.

  • In der ganzen Situation wird offensichtlich nicht gesagt oder bedacht, wie hoch die Job-Transferraten in die Boom Länder Indien, China, Südasien und Südamerika sind. Das trifft auch für Europa zu. Die Weltwerkstatt China generiert die Jobs und die Megakonzerne fahren voll auf dieser Linie.

  • Ohne alle Probleme sachkundig beurteilen zu können, glaube ich, dass die Ausweitung des Geldmengenumlaufes nicht ausreicht, um die Weltwirtschaftskrise zu beenden. Da sich die Probleme zahlreicher Länder gleichen und wechselseitig übergreifen, trifft der Begriff Weltwirtschaftskrise wohl zu. Aus dem Ruder gelaufen ist sicherlich das Verhältnis von Real- und Finanzwirtschaft. Die Neujustierung des Verhältnisses durch Geldmengenerweiterung ist praktisch gescheitert. Sie ist gescheitert (entgegen anderer optimistischer Erwartungen) weil die Zirkulationsgeschwindigkeit des Geldes nicht nachfragestimulierend erhöht wurde. So ist auch fraglich, ob die Keynes-Empfehlungen unter den aktuellen Voraussetzungen hilfreich sind. Möglicherweise taugen sie nur, wenn der Kaufwille das Warenangebot deutlich übertrifft. Letztere Situation finden wir in den meisten Industrieländern nicht vor. Wegen des langsamen Geldumschlags fallen jene positiven Effekte aus, die ihren Ursprung im hohen Konsum und in hoher Beschäftigung haben. Folgerichtig schmort auch die Finanzindustrie im eigenen Saft. Ob die niedrige Zirkulationsgeschwindigkeit des Geldes allein durch Zukunftssorgen veranlasst ist, wage ich zu bezweifeln. Es stellt sich vielmehr die Frage, in welchen Zeitzyklen die Einkommen und Vermögen umgeschlagen werden. Sozial schwache Haushalte realisieren den Umschlag in wenigen Tagen; saturierte Haushalte haben einen vergleichsweise geringen Konsumbedarf. Wer aber vergleichsweise wenig konsumiert, schafft nur geringe Produktionsanreize, ja lähmt die Wirtschaft. Vorstellungen zur Verbesserung der Situation habe leider auch ich nicht. Vielleicht fehlt an gemeindienlichem Patrotismus.

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