US-Konjunktur
Bis die Puschel glühen

Die US-Wirtschaft nimmt wieder kräftig an Fahrt auf. Vor allem die Verbraucher haben mit ihrer Kauflust die Konjunktur angeschoben. Die starken Zahlen überraschen selbst Experten.
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WashingtonDie US-Wirtschaft lässt nach dem Schwächeanfall zu Jahresbeginn wieder kräftig die Muskeln spielen. Das Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni aufs Jahr hochgerechnet um vier Prozent zu, wie das Handelsministerium am Mittwoch mitteilte. Es ist das kräftigste Plus seit dem dritten Quartal 2013. Die starken Zahlen überraschten selbst Experten, die lediglich mit drei Prozent gerechnet hatten. Insbesondere die Verbraucher schoben mit ihrer Kauflust die Wirtschaft an. Der Konsum, der mehr als zwei Drittel zum Bruttoinlandsprodukt beisteuert, legte um 2,5 Prozent zu.

Wegen des ungewöhnlich strengen Winters war die US-Wirtschaft zu Jahresbeginn um 2,1 Prozent geschrumpft. Der Einbruch war somit nicht so stark wie ursprünglich vermutet, als ein Minus von 2,9 Prozent veranschlagt wurde. Damit steuern die USA in diesem Jahr insgesamt auf eine Wachstumsrate jenseits der Zwei-Prozent-Marke zu. „Der Aufschwung ist intakt“, sagte Helaba-Ökonom Johannes Jander. Am Markt kamen die Daten gut an.

Die US-Futures zogen deutlich an und signalisierten einen höheren Handelsstart am Aktienmarkt. Der Dollar gewann an Wert.

Die US-Notenbank Fed hatte bereits zu Jahresbeginn damit begonnen, ihre milliardenschweren Geldspritzen niedriger zu dosieren. Die anziehende Konjunktur dürfte sie in ihrer Absicht bestärken, das Volumen am Abend (20.00 Uhr MESZ) um weitere zehn Milliarden auf dann 25 Milliarden Dollar zu drosseln. Das Ende der Nullzinspolitik wird aber erst für Mitte 2015 erwartet. Fed-Chefin Janet Yellen hatte jüngst jedoch signalisiert, dass die Notenbank auch früher reagieren könne, sollte sich die Lage schneller bessern als gedacht.

Die jüngsten Daten signalisieren einen anhaltenden Aufschwung am Arbeitsmarkt, auch wenn er sich etwas abschwächt: Die US-Firmen haben im Juli 218.000 Stellen geschaffen, wie der private Arbeitsvermittler ADP zu seiner monatlichen Umfrage mitteilte. Damit war der Anstieg etwas schwächer als von Ökonomen erwartet, die im Schnitt ein Plus von 230.000 auf dem Zettel hatten.

Der Arbeitsmarktbericht der Regierung steht am Freitag an. Ökonomen sagen hier für Juli zusätzliche Stellen in Höhe von 233.000 voraus. Hierbei fließen anders als beim ADP auch die Beschäftigungszahlen aus dem staatlichen Sektor ein. Einer Faustregel zufolge müssen Monat für Monat rund eine Viertel Million Stellen geschaffen werden, damit der US-Arbeitsmarkt richtig in Schwung kommt. In den vergangenen fünf Monaten lag die Zahl zumindest stets über der Marke von 200.000.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Hallo Herr van Husen,
    Ich verfüge nicht über Ihr Faktenwissen und kann weder die Lage noch die Zukunft der USA vorhersagen. Als US Bürger wehre mich lediglich gegen Pauschalisieren (die Amis) und gegen Zusammenwürfeln von Halbwissen gepaart mit Arroganz.
    Es ist wahrscheinlich allgemein anerkannt, dass das jetzige Finanzsystem mit Fiat (Schein) Währung eines Tages implodieren wird. Ich glaube, dies hat wenig mit der Nationalität zu tun, denn der Euro ist auch ein Fiat Währung. Ich glaube auch, dass die Situation in der USA überhaupt nicht vergleichbar ist mit den Verhältnissen in der UdSSR. Ich denke, dass die rücksichtslose Gier nach Profit, die nicht an Ländergrenzen halt macht, eine der zerstörerischsten Kräfte ist. Die Staatsverschuldung (der Staat ist ja nur ein Instrument der Bürger, also kann man auch von Bürgerverschuldung sprechen) geht einher mit dem atemberaubenden Anstieg des Vermögens weniger. Die FED ist nicht vergleichbar mit der Deutschen Bundesbank. Sie ist ein von Privatbanken geschaffenes Gremium und wird folglich den Interessen dieser dienen.

  • Wie sehen Sie denn die Entwicklung der USA?

    Selbst wenn das BIP für 2014, wie im Artikel geschätzt, um 2% steigen sollte, ist das weniger als die Inflationsrate. Somit verarmen die US Bürger immer weiter, was auch der allgemeinen Beobachtung entspricht. Die USA belegen überall Spitzenplätze. 47,3 Mio. US Bürger leben in Armut, 45,9 Mio. beziehen Lebensmittelmarken. Die gesamte US Verschuldung hat sich seit 2008 von knapp 10 Billionen USD auf 17,6 Billionen erhöht. Die "Adjusted Monetary Base" wurde von 850 Mrd. USD in 2008 auf unverantwortliche 3800 Mrd. USD erhöht. Die FED hat somit in weniger als sechs Jahren 3 Billionen USD gedruckt und nur so konnte das Haushaltsdefizit überhaupt noch finanziert werden. Ansonsten wäre es der USA wie der UDSSR ergangen. In den nächsten Monaten und Jahren kommt die Teuerung als Folge der Inflation und wird die US Bürger noch schneller verarmen. Dann ist es sehr schnell vorbei mit der Nullzinspolitik. Denn wenn die US Bürger ihre Konten räumen, die Chinesen US Staatsanleihen verkaufen, kann es sehr schnell zu Ende gehen. Im Gegensatz zur weitverbreiteten Annahme ist die FED nämlich nicht allmächtig. Sie verliert nämlich gerade die Kontrolle über ihre Zinsmanipulationen.

  • Verehrter Herr Dietrich,

    da werden sich "die Amis", gemeint sind wohl 320 Millionen US Bürger, die ja leider alle blind sind, über die von Ihnen verbreitete Erleuchtung freuen. Endlich einer, der die Zusammenhänge genau kennt. Glückwunsch! Auch die Titulierung der "FED Leute" als "Scharlatane" zeugt von Ihrem Sachverstand. Nur weiter so!

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