US-Konjunktur
Das Wachstum ist zu schwach für Impulse

Die US-Wirtschaft ist im dritten Quartal etwas schneller gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft legte von Juli bis September aufs Jahr hochgerechnet um 2,0 Prozent zu. Die größte Volkswirtschaft der Welt wächst damit im fünften Quartal in Folge, positive konjunkturelle Impulse erwarten sich Experten davon aber nicht.
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HB WASHINGTON. Trotz milliardenschwerer Starthilfen von Staat und Notenbank kommt der Konjunkturmotor in den USA nicht auf Touren: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft legte von Juli bis September aufs Jahr hochgerechnet nur um zwei Prozent zu, wie das Handelsministerium am Freitag nach vorläufigen Berechnungen mitteilte. „Die Wirtschaft erholt sich, aber der Aufschwung ist blutleer“, sagte US-Ökonom Hugh Johnson. Zwar steigerten die Verbraucher ihre Ausgaben so kräftig wie seit rund vier Jahren nicht mehr. Doch die schwache Exportbilanz des Landes dämpfte das Wachstum an anderer Stelle. Die Wirtschaftsleistung legte zwar schneller zu als im Frühjahr mit 1,7 Prozent. Dennoch reicht das Tempo bei weitem nicht aus, um die ungewöhnlich hohe Arbeitslosigkeit abzubauen, warnen Experten.

Notenbank-Chef Ben Bernanke dürfte daher nächste Woche unmittelbar nach den Kongresswahlen eine Konjunkturspritze mit Hunderten Mrd. Dollar aufziehen. Die US-Wirtschaft wächst zwar seit mehr als einem Jahr wieder, doch vor allem die für US-Verhältnisse ungewöhnlich hohe Arbeitslosenquote von fast zehn Prozent und Probleme am Immobilienmarkt machen dem Land arg zu schaffen. Experten gehen davon aus, dass ein Wachstum von 3,5 Prozent zum Abbau der hohen Arbeitslosigkeit nötig ist. „Die Konjunkturerholung ist nach einer so schweren Rezession viel zu schwach. Ein Grund dafür ist, dass die Unternehmen weniger dynamisch investieren“, sagte US-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. So steigerten die Unternehmen ihre Ausgaben für Ausrüstungen und Software im Sommerquartal nur um zwölf Prozent, im Frühjahr war die Zunahme noch doppelt so hoch gewesen.

Die US-Wirtschaft dürfte Experten zufolge auch in den kommenden Quartalen wachsen. „Das Potenzial nach oben ist allerdings begrenzt, weil der Konsum wegen der hohen Arbeitslosigkeit und der starken Verschuldung der privaten Haushalte nicht allzu stark zulegen dürfte“, sagte Postbank-Analyst Thilo Heidrich. „Einen Rückfall in die Rezession halten wir aber für wenig wahrscheinlich.“ Zu Beginn des vierten Quartals zeigte sich zumindest ein Lichtblick: Der Konjunkturindex der Einkaufsmanager aus dem Großraum Chicago stieg im Oktober überraschend. Das an den Finanzmärkten viel beachtete Barometer kletterte auf saisonbereinigt 60,6 von 60,4 Punkten im September.

Gehemmt wurde die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal durch das Missverhältnis zwischen starken Importen und schwachen Ausfuhren: Das Wachstum wäre ohne den Bremseffekt des Außenhandels im dritten Quartal um mehr als zwei Prozentpunkte höher gewesen, im Frühjahr sogar 3,5 Prozentpunkte. Für Aufwind sorgten die für die US-Wirtschaft eminent wichtigen Verbraucher, die ihre Ausgaben um 2,6 Prozent steigerten. Dies ist die höchste Zuwachsrate seit Ende 2006. Der Konsum macht in den Vereinigten Staaten 70 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Doch die hohe Arbeitslosigkeit hemmt die Kauflaune, zumal viele Amerikaner aus der Mittelschicht um ihren Job bangen.

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  • Zitat: "Ein Grund dafür ist, dass die Unternehmen weniger dynamisch investieren“. Das liefere der Notenbank nachträglich Argumente dafür, dass sie die Notenpresse anwirft und Staatsanleihen aufkauft."

    Was ist denn das für ein schwachsinniger Zusammenhang?
    Weil die Unternehmen nicht dynamisch genug investieren, was soll da ein weiterer bond Aufkauf bringen?

    - Was nützt den das ganze Geld, wenn es nicht investiert, sondern beiseite gelegt wird?

    - Was bringt es, wenn die banken die ganze Überschussliquidität wieder bei der Fed parken? (Was jetzt schon der Fall ist)

    Diese ganze "Keynesianismus Theorie" der Ökonomen ist doch Schwachsinn von Anfang bis Ende.

    Selbst wenn die Finanzierungskosten durch einen bondaufkauf weiter sinken sollten, bringt das gar nichts wenn die Unternehmen die Finanzierungskonditionen nicht nutzen.

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