US-Konjunktur
Keine schnelle Erholung in den USA

Die Wirtschaft erholt sich im dritten Quartal langsamer als zunächst erwartet. Das heizt die Debatte um ein weiteres Konjunkturpaket an. Auch vom amerikanischen Immobilienmarkt kommen bestenfalls gemischte Signale. Analysten fürchten wegen einer Vielzahl von überschuldeten Hausbesitzern eine neue Abwärtsbewegung. US-Nobelpreisträger Krugman warnt sogar vor Massenelend.
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NEW YORK. Die USA kämpfen sich mühsamer aus der Rezession heraus als bislang erwartet. Das US-Handelsministerium musste am Dienstag seine Berechnung für das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal deutlich zurücknehmen. Einer der Hauptgründe war der private Verbrauch, der sich deutlich langsamer erholte als zunächst erwartet. „Die Zahlen unterstreichen, dass der Gegenwind anhalten dürfte“, sagte Julia Coronado, Volkswirtin bei BNP Paribas in New York.

Viele Experten fürchten, dass der von einem fast 800 Mio. Dollar schweren Konjunkturpaket der Regierung angefachte Aufschwung schnell wieder enden könnte. „Das Paket war zu klein“, erklärte Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman im Vorfeld der Zahlen und kritisierte die US-Regierung heftig für ihre Zurückhaltung bei der Planung einer zweiten Hilfsaktion für die Wirtschaft. Rezession beendet.

Nach den neuesten Zahlen ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal in der auf das Jahr hochgerechneten Rate um 2,8 Prozent gewachsen. Damit scheint die seit Dezember 2007 anhaltende Rezession zwar zu enden. Die erste offizielle Schätzung hatte jedoch noch deutlich höher bei 3,5 Prozent gelegen. In der in Europa üblichen Betrachtung des Wachstums gegenüber dem Vorquartal bedeutet die am Dienstag vorgelegte Zahl ein Plus von 0,7 Prozent – damit legte die US-Wirtschaft im Sommer genauso stark zu wie die deutsche.

Ein deutlicherer Anstieg der Importe und eine geringer als erwartet ausgefallene Erholung des privaten Konsums verringerten das Wachstum im Vergleich zur ersten Schätzung. So legten die privaten Ausgaben, die gut zwei Drittel der Wirtschaftsleistung ausmachen, um 2,9 Prozent und nicht wie zuvor errechnet um 3,4 Prozent zu. Getragen wurde das Wachstum unter anderem von deutlich gestiegenen Unternehmensgewinnen. US-Firmen legten im dritten Quartal teilweise hervorragende Ergebnisse vor, profitierten dabei aber vor allem von Kosteneinsparungen und einer steigenden Produktivität. Nachhaltiges Wachstum aus einem Umsatzplus konnten nur wenige ausweisen.

Während die Mehrheit der Volkswirte in den Zahlen den Beweis sieht, dass die Rezession nun vorbei sei, die Erholung lediglich langsamer als erwartet von statten gehe, fürchten einige Experten heftigere Rückschläge. „Ich bin nicht überzeugt, dass die Wirtschaft aus der Rezession heraus ist“, sagte David Rosenberg, Chefvolkswirt beim kanadischen Broker Gluskin Sheff & Associates und unterstützte damit ähnliche Thesen des New Yorker Wirtschaftsprofessors Nouriel Roubini. Der Optimismus fuße auf de gestiegenen Aktienmärkten und der künstlich mit Regierungsgeld angeheizten Konjunktur. Das sei gefährlich.

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