US-Konjunktur Ökonomen schüren Angst vor erneuter Rezession

Die US-Wirtschaft kann die Krise nicht abschütteln. Zwar ist der Einkaufsmanagerindex der Industrie überaschend wieder leicht gestiegen, doch vom Arbeitsmarkt kommen pessimistische Signale. Ökonomen in Deutschland halten angesichts der Entwicklung einen erneuten Rückfall der US-Wirtschaft in die Rezession für möglich.
6 Kommentare
Woher sollen die Jobs in den USA kommen? Quelle: Foto Begsteiger / foto-begsteiger.com

Woher sollen die Jobs in den USA kommen?

HB NEW YORK. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Konjunkturindex der US-Einkaufsmanagerindex stieg auf 56,3 von 55,5 Punkten im Vormonat, wie das Institute for Supply Management (ISM) mitteilte. Experten hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 53,0 Punkte gerechnet. Ab Werten von 50 Punkten wird Wachstum signalisiert. Die Firmen erhielten zwar abermals mehr Aufträge als im Vormonat, das Wachstum fiel jedoch etwas geringer aus als im Juli.

Vom Arbeitsmarkt dagegen kommen eher düstere Botschaften. Einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung der privaten Arbeitsagentur ADP zufolge veringerte sich die Zahl der Jobs in der Privatwirtschaft um 10 000. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Plus von 19 000 gerechnet. Das ist der erste Rückgang seit Januar. Zugleich revidierten die Experten die Zahl für Juli kräftig nach unten: Im vergangenen Monat wurden 37 000 neue Arbeitsplätze eingerichtet, nachdem zunächst von einem Plus von 42 000 die Rede war.

Der US-Wirtschaft droht vor diesem Hintergrund nach Einschätzung führender Ökonomen in Deutschland ein Abrutschen in eine erneute Rezession. „Die Gefahr eines Rückfalls der desolaten US-Wirtschaft in die Rezession ist sehr real“, sagte der renommierte Krisen-Ökonom Max Otte Handelsblatt Online. „Die industrielle Basis der auf vielen Ebenen hoch verschuldeten Nation ist ausgehöhlt, der Aufschwung seit 2001 war ein Scheinaufschwung“, begründete der Wirtschaftsprofessor an der Fachhochschule Worms seine Prognose. Es sei daher „absolut“ erforderlich, dass weitere Maßnahmen in die Wege geleitet werden, die US-Wirtschaft zu stabilisieren. Die geldpolitischen Instrumente seien aber ausgereizt, sagte Otte. „Fiskalpolitische Maßnahmen und öffentliche Investitionen scheinen besser geeignet.“ Allerdings werde der Spielraum bei einem laufenden Haushaltsdefizit von über 10 Prozent sehr eng.

Der Chefvolkswirt von Barclays Capital Deutschland, Thorsten Polleit, sieht die politische Herausforderung darin, die US-Wirtschaft auf ein „wachstumsfreundliches Fundament“ zurückzuführen. „Eine Rezession ist dazu wohl unvermeidlich“, sagte Polleit. Die Preise und die Produktionsstruktur müssten angepasst werden. Denn das geringe Wachstum sei kein Nachfrageproblem, sondern letztlich ein Preisproblem. „Güter finden keinen Absatz, weil die Preise zu hoch sind, Arbeitnehmer finden keine Arbeit, weil die Güter zu herrschenden Preisen nicht gekauft werden“, erläuterte der Ökonom. „Die natürliche Marktlösung ist: Qualitätsverbesserungen und/oder eine Änderung der relativen Preise.“

Auch Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, hält einen erneuten Absturz der US-Wirtschaft für möglich. „Die Rezessionsgefahren in den USA sind größer geworden“, sagte Kater. Der Schwung des Lageraufbaus laufe aus, ebenso die Konjunkturprogramme. Gleichzeitig sei die Konsumnachfrage so schwach wie in kaum einem Aufschwung zuvor. „Die Bauinvestitionen fehlen völlig als Wachstumstreiber“, sagte Kater. Er rechne daher nur noch mit einem relativ geringen Wachstum in den USA. Die bisherigen Maßnahmen der US-Regierung seien nicht erfolglos gewesen. „An der Rezession kommen wir hoffentlich vorbei, aber eventuell muss noch einmal nachgebessert werden.“

Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: US-Konjunktur - Ökonomen schüren Angst vor erneuter Rezession

6 Kommentare zu "US-Konjunktur: Ökonomen schüren Angst vor erneuter Rezession"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die FED pumpt weiterhin Geld in die Finanzblase.
    Die totale globalisierte Korruption wirkt als brandbeschleuniger.
    5 Hindenburg-Omen (lt. Wiki) im August 2010
    Geschönte (ich sage korrupte und verlogene Statistiken)
    Keinerlei Änderungen der Finanzmarktgesetze oder Auflagen.
    Diesmal wird der Crash absolut sein.

    blind und Taub hüpfen wir in ein großes, schwarzes Loch.

  • ich würde von den Profi-Journalisten bisschen mehr Sachligkeit erwartet: für das Feststellen der Recession und derer Ende ist in USA ein unabhängiger ECRi institut zuständig, laut ECRi wurde die Kriese noch nicht beendet. Wie soll dann bitte die neue Anfangen ?

  • Jeder sagt was, aber keiner weiß was. Ein Oracle von Delphi würde sicherlich die Zukunft genauso gut vorher sagen wie die sogenannten Finanzexperten. Wie es weiter geht weiß man immer erst wenn es zu spät ist, und das ist nach dem Crash.

  • So langsam, langsam werden die realitäten erkannt. Die USA sind überschuldet und meines erachtens in einer ökonomisch bedenklichen Verfassung. Es ist ja schon völlig daneben, eine Ökonomie derart vom konsum abhängig zu machen und die Wettbewerbsfähigkeit sträflich zu vernachlässigen. Scheinbar haben Leute wie bernanke sich tatsächlich eingebildet, es werde ewig weitergehn mit der geliehenen Konsum-Prasserei. Sie werden eines besseren belehrt werden. Und all das Gestrampel mit dem Gelddrucken, nullzins, Flutung der Finanzmärkte hat nun kaum mehr gebracht als ein mageres Strohfeuer. Polleit hat recht, eine starke rezession ist unvermeidlich und auch wichtig, ja, um die verzerrte US-Wirtschaftsstruktur wieder halbwegs ins Lot zu bringen. Wie Obama auch "handelt", es wird nichts bringen, dessen kann er sich sicher sein. Kommt die rezession, wird es erheblich im gebälk knistern. auch bei uns wird es so kommen, wenn die mit allen Mitteln hochgezüchtete Exportindustrie dauerhaft weniger aufträge erhalten wird und daher schrumpfen wird. Und auch das ist richtig. Verzerrte Wirtschaftsstrukturen müssen durch rezession beseitigt werden, dann haben wir den boden für solides Wachstum.

  • irgendwie muss die Nachfrage ja finanziert werden...

    ... "immobiliengesicherter-Konsum-auf-Pump" (mortgage equity withdrawals) wird's wohl so schnell nicht wieder geben;

    die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist - da ein Großteil der Jobs eben am Konsumverhalten hängt - auch alles andere als rosig.
    ... entsprechend auch die Zukunftsaussichten,
    was das Konsumverhalten nicht gerade positiv beeinflusst.

    Das Hauptfundament der US-Wirtschaft scheint mir derzeit der US-Dollar und die FED zu sein,
    welche Staatsanleihen aufkauft und somit die basis für den
    staatl. generierten Konsum (direkt oder indirekt) sichert.

    ... dies reicht zwar nicht für einen Aufschwung,
    bewahrt jedoch -zumindest bisher- vor einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale.

  • Ja, was denn nun? Geht's auf oder ab im Amiland? Gestern hieß es noch im Handelsblatt: "US-Daten geben Anlass zur Hoffnung" - und jetzt genau das Gegenteil, nur 1 Tag später. Also Jungs, jetzt entscheidet Euch doch mal, was ihr für Meldungen rausbringt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%