US-Konjunktur
Verbraucher fassen wieder Mut – weniger Arbeitslosenerstanträge

Leise Hoffnung für die US-Wirtschaft: Die Verbraucherausgaben sind im Oktober gestiegen, das Vertrauen der Konsumenten hat sich stark gebessert. Die Arbeitslosenquote bleibt allerdings hoch. Immerhin: Die Erstanträge gehen zurück.
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HB WASHINGTON/NEW YORK. Die US-Bürger haben nach Angaben des Handelsministeriums im Oktober 0,4 Prozent mehr für den Konsum ausgegeben. Damit zeichnet sich für die US-Wirtschaft ein Hoffnungsschimmer ab. So hatten sich die Konsumausgaben im September bereits um 0,3 Prozent erhöht. Die Lust am vermehrten Konsum hängt mit einem Lohnzuwachs von 0,5 Prozent zusammen. Im Monat zuvor waren die Löhne überhaupt nicht gestiegen.

Trotz dieses jüngsten Zuwachses scheuen die Verbraucher jedoch vor Ausgaben zurück, die benötigt werden, um die Arbeitslosenquote von 9,6 Prozent entscheidend zu senken. Normalerweise geben die Menschen nach einer Rezession freiwillig mehr Geld aus. Doch ein Jahr nach deren Ende sind die US-Bürger vor allem darauf bedacht, ihre persönlichen Finanzen in Ordnung zu bringen. So sparten die Amerikaner im Oktober 5,7 Prozent ihres verfügbaren Einkommens. Während der Rezession lag die Sparquote nur knapp über einem Prozent.

Dennoch sorgt einem Kongressbericht nach Barack Obamas gewaltiges Konjunkturpaket für erhebliche Entspannung am krisengebeutelten US-Arbeitsmarkt. Im dritten Quartal hätten dank der Maßnahmen im Volumen von 814 Mrd. Dollar zwischen 1,4 und 3,6 Mio. Menschen Arbeit gefunden, teilte das überparteiliche Haushaltsbüro des Kongresses (CBO) am Mittwoch mit. Demnach sorgte das Programm für ein Produktionsplus zwischen 1,4 und 4,1 Prozent.

Die CBO-Berichte zeigen regelmäßig, dass das Paket aus Steuersenkungen, Staatshilfen, Bauausgaben und besseren Sozialleistungen die Auswirkungen der schwersten US-Rezession seit den 1930er Jahren abfederte. Die US-Arbeitslosenquote beträgt derzeit 9,6 Prozent, ohne das Programmbündel stünde sie dem CBO zufolge zwischen 10,4 und 11,6 Prozent. Damit verfehlte Obama allerdings sein Ziel, die Quote nicht über acht Prozent steigen zu lassen. In den Augen der meisten Wähler sind die Impulse daher verpufft. Dies bescherte den Republikanern großen Zulauf bei der Kongresswahl Anfang November.

Das Vertrauen der US-Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes hat sich dagegen überraschend stark gebessert. Der entsprechende Index von Reuters und der Universität Michigan stieg im November nach endgültigen Berechnungen vom Mittwoch auf 71,6 Punkte von 67,7 Zählern im Vormonat und erreichtte damit den höchsten Stand seit Juni. Grund für die Stimmungsaufhellung sind die günstigere Lage am Arbeitsmarkt und die Sonderangebote bei vielen Einzelhändlern. Volkswirte hatten im Schnitt mit 69,5 Punkten gerechnet.

Der von Anlegern und Volkswirten stark beachtete Index gilt als wichtiges Konjunkturbarometer, das die Stimmung und das Kaufverhalten der US-Verbraucher im Voraus anzeigt. Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus.

Positives gab es auch vom Arbeitsmarkt zu vermelden, dem anderen Sorgenkind der US-Ökonomen. Wie am Nachmittag bekannt wurde, sind die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahren gefallen. Insgesamt gab es 407 000 neue Arbeitslosenanträge, 34 000 weniger als in der Woche zuvor und so wenige wie seit Juli 2008 nicht mehr, teilte das Arbeitsministerium in Washington mit. Experten hatten im Schnitt mit einem Wert von 435 000 gerechnet.

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