US-Konjunkturpolitik
Bernanke zögert mit einer neuen Geldspritze

Wenige Worte des Fed-Chefs hätten die Märkte glücklich gemacht. Doch Bernanke verweigert die Zusage, die Wirtschaft mit der Geldspritze vor der Rezession zu retten. Erst müsse die Politik handeln, in Amerika und Europa.
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Jackson HoleUS-Notenbankchef Ben Bernanke will trotz der gravierenden Wachstumsschwäche der USA vorerst kein neues Anleiheankaufprogramm auflegen. Man werde die mögliche Maßnahmen auf dem Treffen der Notenbanker am 20. September erörtern, sagte er am Freitag in seiner mit Spannung erwarteten Rede beim Notenbankertreffen in Jackson Hole. Dieses Treffen im September werde nun zwei Tage dauern und nicht wie ursprünglich geplant einen Tag.

Zwar räumte er ein, dass die Wirtschaft sich nach wie vor schlechter entwickele als von der Fed in der jüngsten Vergangenheit prognostiziert. Langfristig sei er aber optimistisch. „Die Grundlagen des Wachstums in den USA haben sich durch die Schocks der vergangenen vier Jahre nicht verändert.“

Bernanke rief die Politik in Washington und in Europa auf, die Haushaltsprobleme in den Griff zu bekommen und die Konjunktur zu fördern. Die Geldpolitik stehe nicht allein in der Verantwortung.  „Die Finanzpolitiker können ebenfalls durch Steuergesetze und Ausgabenprogramme die Wirtschaftsentwicklung voranbringen.“

Der Fed-Chef erinnerte daran, dass US-Präsident Barack Obama "zuletzt angekündigt hat, Anfang September in einer Rede Konzepte für eine Stützung der Wirtschaft vorlegen zu wollen."

Die US-Notenbank versucht bereits seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 die US-Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Dazu hatte sie zunächst den Leitzins auf faktisch Null Prozent gesenkt und dann für Billionen von Dollar Anleihen aufgekauft, um den Realzins zu senken. Das zweite dieser Ankaufprogramme (im Finanzmarktjargon Quantitative Easing 2 oder „QE2“ genannt) war Ende Juni ausgelaufen. Seither wird das Wachstum in den USA immer kleiner. Am Mittwoch wurde bekannt, dass das Bruttoinlandsprodukt in zweiten Quartal nur noch im 1,0 Prozent statt wie zuvor errechnet um 1,3 Prozent angestiegen ist. Im Vorfeld der heutigen Rede war spekuliert worden, Bernanke könne ein weitere Anleiheaufkaufprogramm („QE3“) ankündigen.

Bernanke signalisierte durchaus, dass die Fed zu weiteren Maßnahmen bereit sei, in dem er betonte, die Geldpolitik „müsse Antworten“ auf ökonomische Fragen haben. Die Währungshüter hätten auf ihrem jüngsten Treffen ihre Optionen erörtert, fügte er hinzu. Anders als in früheren Reden ging er hier allerdings nicht ins Detail.

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Meinungsstreit innerhalb der Fed

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  • ...und bringe ihnen bei, daß das Wort Freiheit so allgemein kommensurabel ist, daß man sie auch in die Tonne treten kann.

    Vae nobis.

  • Düstere Zeiten?

    Naja, das ist doch das Spielgeld, das hier für bare Münze genommen werden soll.

    Mache den Leuten Angst: und sie folgen Dir.
    Nötige sie, sich gegenseitig umzubringen: und sie werden es tun.

    Bringe sie dazu, sich selbst nicht mehr zu glauben, damit Platz geschaffen ist: Dir zu glauben, egal was für einen Scheiß Du zusammenfabrizierst dabei.

    So kriegt man auch eine Zivilisation i n die Knie - glaubt man.

    Weil: danach kommen die Naturgewalten mit voller Wucht zurück.

  • Da der Einfluss der Finanzvorstände in jedem Falle grösser ist, als der der Politiker, wird es zwangsläufig immer mehr Injektionen geben, als manchem lieb ist.
    Weltweit.
    Die Marionetten der Politik werden den Schafen schon Erklärungen liefern, warum all das
    Geldgepumpe "alternativlos" ist. Was für ein Wort;-))
    Düstere Zeiten.

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