US-Konsum
Amerikaner sparen auf Gedeih und Verderb

Die alte Konsumfreude ist nicht in Sicht. Auch wenn die Rückkehr der Verbraucher zu ihrer bekannten Einkaufslaune noch so sehr herbeigesehnt wird - die Anzeichen verdichten sich, dass die US-Wirtschaft auf absehbare Zeit nicht damit rechnen kann. Dafür sprechen nicht nur die am Montag bekannt gewordenen Einzelhandelsumsätze, die kurz vor der wichtigen Weihnachtssaison auf niedrigem Niveau stagnieren.
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NEW YORK. Weitaus besser als die reinen volkswirtschaftlichen Zahlen illustriert ein Einblick in die Realität die Lage. "Am Anfang des Monats, wenn die Sozialhilfe mittags um 12 Uhr auf den Konten der Menschen gutgeschrieben wird, stehen die Kunden bei uns in den Geschäften Schlange", schildert Lee Scott, Aufsichtsratschef des Discount-Riesen Wal-Mart, die Situation. "Dann werden vor allem Großpackungen haltbarer Lebensmittel gekauft, wie zum Beispiel Familientüten mit Pasta. Gegen Ende des Monats kaufen unsere Kunden zunehmend Kleinstmengen, weil das Geld dann zu Ende geht", gibt er einen Einblick in die Kassenlage der Amerikaner.

Scott weiß, wovon er redet: Wal-Mart ist nicht nur der größte Einzelhandelskonzern, sondern auch der größte private Arbeitgeber in den Vereinigten Staaten

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Die Beschreibung des Aufsichtsratschefs untermauert anschaulich, was Volkswirte seit langen predigen und einige Politiker nicht wahrhaben wollen: Millionen von Amerikanern haben ihre Finanzen in den vergangenen Jahren derart überstrapaziert, dass sie nun mangels Ersparnissen von der Hand in den Mund leben: Viele verlieren erst ihren Job, dann ihr Haus und damit nicht selten ihre Existenz.

Einer Umfrage der Großbank HSBC vom September zufolge müssen 61 Prozent aller Amerikaner im Falle eines Jobverlustes auf Ersparnisse zurückgreifen, die gerade einmal drei Monate reichten. Fast 40 Prozent hätten demnach nicht einmal Reserven, um länger als einen Monat über die Runden zu kommen.

Diese bittere Lage führt dazu, dass nicht nur die Amerikaner, die keinen Job haben, dem Einzelhandel als Kunden fehlen. Auch, wer um seinen Job fürchtet, spart, wo er nur kann. Das ist fatal für eine Wirtschaft, die zu 70 Prozent vom Konsum abhängt. Volkswirte sind sich einig, dass der starke Anstieg des Bruttoinlandsproduktes im dritten Quartal allein den Konjunkturprogrammen zu verdanken ist. Für das kommende Jahr rechnen sie daher nur mit einem geringen Anstieg der amerikanischen Wirtschaftsleistung.

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  • bisher habe ich die Amis nur so kennengelernt, dass sie mit ihren Kreditkarten - unabhängig von deren Deckung - alles eingekauft uns so das Wirtschaftswachstum produziert haben.

    Volkswirtschaftlich, wirtschaftlich und auch gesellschaftlich durchleben die USA jetzt ein Umdenken. Verzicht, sparen und weniger, aber dafür gezielteres Einkaufen steht im Mittelpunkt.

    ich denke dies kann dem Land, der Volkswirtschaft und den amerikanischen Unternehmen, sowie der gesamten Weltwirtschaft (gedämpftes Konsumwachstum, Konzentrierung auf die eigenen binnenmärkte statt einen gesteigerten Export in die USA) nur guttun.

    Auch ein Wirtschaftswachstum zwischen 1,5 % und 3,5 % ist seriöser und nachhaltiger, als jährliche Steigerungsraten zwischen 3,5 % und 5 % - das kann auf die Dauer einfach nicht gutgehen. Da entsteht entweder eine Spekulationsblase oder eine Überhitzung mit einem abrupten Zusammenbruch der gesamten Wirtschaft.

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