US-Leitzins bleibt bei 5,25 Prozent
Fed hält sich alle Zinsoptionen offen

Wie erwartet hat die Fed am Donnerstag den Leitzins in der größten Volkswirtschaft der Welt bei 5,25 Prozent belassen und damit zum achten Mal in Folge nicht verändert. Zwar merkte sie in ihrer mit Spannung erwarteten Erklärung eine Abschwächung der Kerninflation an, doch über ihre künftige Zinspolitik lässt die US-Notenbank die Märkte weiter im Unklaren.

HB WASHINGTON. Als ihre Hauptsorge bezeichnete die US-Notenbank die Teuerung. An den Märkten wurde aus der Fed-Begründung kein eindeutiger Hinweis in Richtung einer Zinserhöhung oder einer Zinssenkung als nächstem Schritt gelesen. Die US-Börsen setzten nach einigem hin und her schließlich ihren leichten Aufwärtstrend fort. Der Dollar zeigte sich kaum verändert.

Die Entscheidung für unveränderte Zinsen war weithin erwartet worden und fiel im für die Geldpolitik zuständigen Offenmarktausschuss der Fed einstimmig. In seiner Erklärung verzichtete der Ausschuss um Fed-Chef Ben Bernanke darauf, wie bei den beiden vorangegangenen Entscheidungen die Kerninflation ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Lebensmittel als erhöht zu bezeichnen. Allerdings schloss Bernanke nicht aus, dass die Abschwächung hier nur vorübergehend sein könnte. „Die Kerninflation hat sich in den vergangenen Monaten verbessert. Allerdings muss sich ein nachhaltiges Nachlassen des Inflationsdruckes erst noch erweisen“, erklärte die Fed. „Die vorrangige Sorge des Ausschusses bleibt die Gefahr, dass sich die Inflation nicht wie erwartet abschwächt.“ Die engen wirtschaftlichen Bedingungen hielten die Risiken Aufrecht. Von einigen Händlern wurde dies als Hinweis auf eine geringere Wahrscheinlichkeit gedeutet, dass die Fed noch in diesem Jahr die Zinsen senken wird. „Der Trend geht eindeutig nicht in Richtung einer Zinssenkung“, sagte Giri Cherukuri von Oakbrook Investments. Zuletzt hatte die Fed den Zielsatz für Tagesgeld im Juni vergangenen Jahres auf den derzeitigen Stand und damit binnen zwei Jahren in 17 kleinen Schritten von historisch niedrigen 1,0 Prozent angehoben.

Das US-Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr bezeichnete die Fed als moderat trotz der anhaltenden Bereinigung am kriselnden Immobilienmarkt. Und auch in den kommenden Quartalen scheine die Wirtschaft moderat weiter zu wachsen. Für die meisten Experten bot die Fed-Erklärung wenig überraschendes. Die Fed warte weiter ab wie sich die Inflation entwickle, sagte Bill Emerson von Quicken Loans.

Aus der Sicht von Marc Chandler, Ökonom bei Brown Brothers Harriman, wurden alle Hoffnungen an den Finanzmärkten, dass die Federal Reserve einen abgeschwächten Preisdruck anerkennt, mit einem einzigen Satz zerschmettert: „Eine nachhaltige Abschwächung muss noch überzeugend demonstriert werden“. Damit sei klar gestellt worden, dass die bisherige Abschwächung nicht ausreiche, um die Risikoeinschätzung der Federal Reserve zu ändern, hob Chandler hervor.

Auch Lena Komileva, Volkswirtin bei Tullett Prebon, sieht eine unveränderte Ausrichtung der Fed-Geldpolitik: Die Währungshüter hätten signalisiert, dass sie über die kurzfristige Schwäche des Kerninflationsdrucks hinausblickten und stattdessen ihr Augenmerk auf die Inflationsgefahren richteten, „die durch das moderate Wachstum und die daraus resultierende hohe Kapazitätsauslastung entstehen“.

Die US-Aktienmärkte reagierten zunächst sehr volatil auf den Zinsbeschluss und die begleitenden Aussagen. Der Dow-Jones-Index drehte vorübergehend ins Minus, konnte sich aber wieder erholen.

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