US-Notenbank
Bernanke denkt laut über Zinswende nach

Der Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, bereitet einen möglichen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik vor. Zwar sollen die Zinsen erst einmal niedrig bleiben, doch die Maßnahmen zur Rettung der Finanzmärkte könnten wieder zurückgefahren werden.

NEW YORK/FRANKFURT/LONDON. US-Notenbankchef Ben Bernanke ist optimistisch, einen befürchteten Preisauftrieb im Zuge der Konjunkturerholung in den Griff zu bekommen. Die Federal Reserve (Fed) habe "die notwendigen Instrumente", ihre Maßnahmen zur Stützung der Märkte "sanft und zeitgerecht" zurückzufahren, betonte Bernanke vor einem Ausschuss des US-Kongresses in Washington.

Experten werten die Aussagen als einen Versuch, Inflationsängste abzubauen und die Absichten der Notenbank möglichst früh zu kommunizieren. Die Fed müsse glaubhaft machen, dass sie die in den Markt gepumpte Liquidität wieder einsammelt, sagte Bernd Weidensteiner, US-Experte der Commerzbank: "Es ist daher in ihrem Interesse, eine glaubhafte Exitstrategie darzulegen." Anzeichen einer Konjunkturerholung in den USA haben zuletzt die Sorgen vor einer drohenden Inflation geschürt. Dafür spricht der anhaltend hohe Goldpreis. Vor allem die expansive Geldpolitik Amerikas mit Zentralbankreserven, die Bernanke zufolge inzwischen ein Volumen von 800 Mrd. Dollar erreicht haben, sorgen für Unruhe.

Die Ausweitung der Reserven sei "substanziell höher" als in früheren Krisen, schreiben die Volkswirte der Deutschen Bank in einer aktuellen Studie. Während die Reservebasis in Zeiten der Großen Depression verdoppelt wurde, hat der US-Wert laut Deutsche Bank inzwischen fast das 20-fache der üblichen Mindestreserven erreicht. Investoren sorgen sich, dass die Fed die Kontrolle über ein derartiges Volumen verlieren könnte.

"Dass Bernanke die Instrumente hat, die Liquidität wieder einzusammeln, ist nicht das Problem", glaubt Roland Vaubel, Notenbank-Experte und Wirtschaftsprofessor an der Universität Mannheim. Die Frage sei vielmehr, "ob der politische Wille im geldpolitischen Ausschuss der Fed stark genug sein wird." Die Situation hänge entscheidend von der Konjunkturentwicklung ab. Vaubel: "Wenn schon im nächsten Jahr eine starke Besserung eintritt, wird es für die Fed leichter sein, das Geld wieder einzusammeln, als wenn diese Besserung erst im Vorwahljahr 2011 oder im Wahljahr eintritt."

Die wenigsten US-Ökonomen erwarten jedoch eine rasche und nachhaltige Erholung. Harvard-Professor Martin Feldstein warnte gestern vor "der realen Gefahr" einer "Double-Dip"-Rezession. Demnach könnte die US-Konjunktur nach einer kurzen Verschnaufpause gegen Jahresende 2009 wieder in die Rezession zurückfallen. Für die Notenbank würde es dann "politisch schwierig, die Kreditkosten in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit zu erhöhen", betonte Feldstein. Auch Yale-Ökonom Robert Shiller hatte zu Wochenbeginn in einem Handelsblatt-Interview vor einer langen Durststrecke der US-Wirtschaft gewarnt.

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