US-Notenbank
Bernanke deutet weitere Zinserhöhungen an

Die US-Notenbank Fed wird auch unter ihrem neuen Chef Ben Bernanke die Leitzinsen weiter anheben. Das ist die Botschaft, die der Chairman den Finanzmärkten eine Woche vor seiner ersten Sitzung an der Spitze des Offenmarktausschusses signalisiert hat.

NEW YORK. Bernanke widersprach Befürchtungen, wonach die niedrigen Zinsen auf den Anleihemärkten die Vorboten einer Rezession sein könnten. „Ich würde die flache Zinskurve nicht als Indikator für einen starken wirtschaftlichen Abschwung interpretieren“, sagte der Fed-Chef in New York.

Die meisten Beobachter an der Wall Street gehen davon aus, dass die Notenbank die Leitzinsen kommende Woche ein weiteres Mal um 0,25 Prozentpunkte auf dann 4,75 Prozent erhöhen wird. Nach den optimistischen Äußerungen Bernankes zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung in den USA gilt selbst eine nochmalige Erhöhung im Mai als wahrscheinlich. „Wir erwarten weiterhin einen Leitzins von fünf Prozent“, sagte Jan Hatzius, Chefvolkswirt der Investmentbank Goldman Sachs nach der Rede von Bernanke.

Nach den jüngsten Prognosen ist die US-Wirtschaft im ersten Quartal mit eine Jahresrate von fast fünf Prozent gewachsen. Für die zweite Jahreshälfte rechnen die meisten Volkswirte jedoch damit, dass die amerikanischen Verbraucher angesichts der Abkühlung auf dem Immobilienmarkt ihre Ausgaben zurückfahren und sich das Wachstum abschwächt.

Bernanke betrachtet diese Entwicklung gelassen. In seiner Rede wies er darauf hin, dass viele Haushalte ihre Finanzen in Ordnung gebracht hätten und nur ein geringer Teil der Hypothekenkredite von den Zinserhöhungen betroffen sei. Im Hauptteil seines Vortrages beschäftigte sich der Fed-Chef mit der Frage, warum die langfristigen Zinsen trotz der 14 Leitzinserhöhungen nur leicht gestiegen sind. So liegt die Rendite für die zehnjährigen US-Staatsanleihen mit 4,67 Prozent nur geringfügig über dem Zielsatz der Fed für das Tagesgeld unter Banken. Bernanke bot für dieses Phänomen eine Reihe von Erklärungen an, ohne sich auf eine davon festzulegen.

So führte der Notenbanker die relativ niedrigen Zinsen am langen Ende auf ein Überangebot von Ersparnissen („global savings glut“) zurück, dem eine zu geringe Investitionsnachfrage gegenüberstehe. Das würde darauf hindeuten, so der Fed-Chef weiter, dass der so genannte „neutrale“ Leitzins heute niedriger ist als zu früheren Zeiten. Mit anderen Worten: Die Fed müsste die Zinsschraube nicht ganz so fest anziehen.

Auf der anderen Seite gebe es jedoch auch Hinweise, die für höhere Leitzinsen sprechen würden. Investoren seien heute zuversichtlicher, dass die Zentralbanken die Inflation niedrig und das Wírtschaftswachstum stabil halten könnten. Also verlangten sie eine geringere Risikoprämie. Nur eine kurzfristige Wirkung auf die langfristigen Zinsen hätten dagegen die massiven Dollar-Aufkäufe und ihre anschließende Anlage in US-Anleihen durch ausländische Zentralbanken. Schließlich wies Bernanke darauf hin, dass Portfolioumschichtungen der großen Pensionsfonds die Nachfrage nach länger laufenden Anleihen erhöht und damit die Zinsen gedrückt haben könnten.

Diese Erklärungsversuche für das Rätsel auf den Bondmärkten würden die Wirtschaft finanziell stimulieren und deshalb für eine restriktivere Geldpolitik sprechen, sagte der Fed-Chef. Unterm Strich seien die Aus-wirkungen der ungewöhnlich niedrigen Anleiherenditen für die Geldpolitik jedoch keineswegs eindeutig. Notenbanker seien deshalb gut beraten, die niedrigen langfristigen Zinsen nur in Zusammenhang mit anderen wirtschaftlichen Indikatoren zu betrachten.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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