US-Notenbank-Chef
Abgeordneter bringt Bernanke in Bedrängnis

Einen Tag vor der Anhörung Ben Bernankes wegen seiner Rolle beim Verkauf von Merril Lynch an Bank of America gerät der Chef der US-Notenbank stärker unter Druck. Ein einflussreicher republikanischer Abgeordneter belastet Bernanke schwer.

HB WASHINGTON. Einen Tag vor einer Anhörung Bernankes vor dem US-Kongress behauptete ein einflussreicher republikanischer Abgeordneter, die US-Notenbank Fed und Bernanke hätten ihre Rolle bei der umstrittenen Transaktion verschleiert. „Das Komitee hat inzwischen erfahren, dass Bernanke und die Fed unangemessen damit gedroht haben, das Management der Bank of America zu feuern, wenn dieses der 'Zwangsehe' mit Merrill Lynch nicht zustimmt“, schrieb der Abgeordnete Darrell Issa in einer Stellungnahme, die Reuters am Mittwoch vorlag.

Den Abgeordneten lägen auch eine ganze Reihe Dokumente und E-Mails aus der US-Notenbank vor, aus denen ihre Rolle bei dem Deal „hinter den Kulissen“ deutlicher werde. „Wir haben den Beweis, dass Bernanke daran beteiligt war, Druck auf (den Bank-of-America-Chef) Ken Lewis auszuüben“, sagte Issa der Fernsehsender CNBC. Sollte dies stimmen, könnten die Tage Bernankes an der Spitze der Zentralbank gezählt sein. Seine erste Amtszeit geht Ende Januar zu Ende.

Bernanke muss am Donnerstag den Parlamentariern in Washington Rede und Antwort zur Rolle der Fed bei dem Geschäft und seinem eigenen Vorgehen stehen. Sollte sich herausstellen, dass er nicht korrekt gehandelt hat, könnte eine von ihm angestrebte zweite Amtszeit als Chef der Federal Reserve ab Februar platzen. US-Präsident Barack Obama hat sich bislang noch nicht festgelegt, ob er Bernanke für weitere vier Jahre nominiert. Auch Obamas Wirtschaftsberater Larry Summers gilt als aussichtsreicher Kandidat auf den Posten des Chefnotenbankers der USA.

Zusätzlich Brisanz erhält die Affäre dadurch, dass Obama der Fed im Zuge der geplanten Reform der US-Finanzaufsicht deutlich mehr Macht geben will. Der Kongressabgeordnete Issa sagte, das Verhalten Bernankes werfe eine ganze Reihe von Fragen auf, die dieser erklären müsse. Da die Fed offenbar zur Verschleierung der Vorgänge im vergangenen Herbst beigetragen habe, müsse die Frage erlaubt sein, ob die Notenbank in der ihr zugedachten Rolle vertrauensvoll mit anderen Behörden bei der Aufsicht über das Finanzsystem zusammenarbeiten könne.

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