US-Notenbank Fed
Bernanke lehnt alleinige Kontrolle ab

Die US-Notenbank Federal Reserve schlägt die zentrale Rolle in einem Frühwarnsystem gegen künftige Finanzkrisen aus, die ihr von Präsident Barack Obama angetragen wurde. Stattdessen will Fed-Präsident Ben Bernanke die Aufgabe auf mehrere Schultern verteilt wissen.

HB WASHINGTON. Das geht aus seiner Rede vor dem Kongress hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vorab vorlag. Die Aufsicht über systemische Risiken im Finanzsektor dürfe nicht allein bei der Fed angesiedelt liegen, forderte Bernanke darin. Diese Aufgabe solle vielmehr einem breit aufgestellten Gremium aus verschiedenen Aufsichtsbehörden obliegen. Alle systemisch relevanten Finanzunternehmen sollten einem gemeinsamen Regulierungsgremium unterstehen, so Bernanke. Dies gelte vor allem in Hinblick auf die Risiken, die durch die Interaktion von Finanzinstitutionen und Märkten entstünden.

Zuletzt hatte sich im Kongress zunehmender Widerstand gegen die Pläne geregt, der Fed die Schlüsselrolle in der Systemaufsicht zu geben. Kritiker werfen der Notenbank unter anderem vor, die Immobilienblase am US-Häusermarkt nicht rechtzeitig erkannt zu haben, die allgemein als einer der Auslöser der Finanzkrise gilt.

Bernanke räumte in seiner Rede vor dem Finanzdienstleistungsausschuss des Repräsentantenhauses ein, dass das Beobachten und Aufspüren von Risiken im komplexen Zusammenspiel verschiedener Finanzinstitute und Märkte die Möglichkeiten einer einzelnen Aufsichtsbehörde übersteigen könnte: "Stattdessen sollten wir versuchen, die kollektive Expertise und Information aller Finanzaufsichtsbehörden zu bündeln, um die Entwicklungen, die die Stabilität des Systems als Ganzes bedrohen, zu erkennen und darauf zu antworten."

Bernanke äußerte sich damit wesentlich zurückhaltender zur Rolle der Fed in einer künftigen Aufsichtsstruktur als noch bei einem Auftritt vor dem Kongress im Juli. Damals hatte der einflussreichste Notenbanker der Welt eine Wächterfunktion der Fed über das Finanzsystem als natürliche Erweiterung ihres bisherigen Aufgabenfeldes befürwortet.

Für politische Beobachter kommt der Schwenk Bernankes angesichts der politischen Widerstände gegen weitreichendere Befugnisse der Notenbank nicht überraschend: "Es hat eine Menge negativer Reaktionen gegeben, insbesondere bei den Republikanern im Repräsentantenhaus. Im Senat hat sich auch der Vorsitzende des Bankenausschusses, Christopher Dodd, kaum hinter den Regierungsvorschlag gestellt", sagte Joe Engelhard von Capital Alpha Partners in Washington. Kritiker werfen der Fed vor, sie sei zu wenig transparent und gefährde dadurch das Geld des Steuerzahlers.

Besonders scharf wurde die Fed zuletzt für ihre Rolle bei der Rettung mehrerer Finanzinstitute attackiert. Zudem steht Bernanke wegen seiner umstrittenen Rolle beim Notverkauf von Merrill Lynch an die Bank of America im Kreuzfeuer. Die jahrelange extrem lockere Geldpolitik von Bernankes Vorgänger Alan Greenspan gilt zudem als einer der Auslöser der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%