US-Notenbank Fed: Der Abschied vom Ausstieg

US-Notenbank Fed
Der Abschied vom Ausstieg

Konjunkturexperten wie Investoren warten gespannt auf die Sitzung der US-Notenbank: Nach Einschätzung von Experten bereitet die Fed unter Führung von Ben Bernanke erneut eine Lockerung der Geldpolitik vor. Die Maßnahme wäre eine weitere Reaktion auf die derzeit schwache US-Wirtschaft.
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NEW YORK. Die US-Notenbank wird nach Meinung von Experten schon bald mit einer neuerlichen drastischen Lockerung der Geldpolitik auf die Schwäche der US-Wirtschaft reagieren. „Wir glauben, dass der Ankauf von US-Staatsanleihen im Volumen von einer Billion Dollar oder mehr Eckpfeiler dieser Maßnahme sein wird“, schreibt Jan Hatzius, US-Chefvolkswirt von Goldman Sachs im Vorfeld der heutigen Fed-Sitzung in einer Analyse. Das heutige Treffen des geldpolitischen Ausschusses FOMC könnte der Vorbereitung eines solchen Schrittes dienen, schätzen Experten. Der Vollzug sei angesichts der schwachen Wirtschaftsentwicklung durchaus schon bei der nächsten Sitzung Anfang November möglich, so Hatzius.

Die Fed würde damit wieder an ihre Entscheidungen anknüpfen, die sie 2008/2009 zur Bekämpfung der schwersten Rezession seit den 1930er-Jahren getroffen hatte. Ende 2008 senkte die Notenbank zunächst den Leitzins auf einen Zielkorridor von Null bis 0,25 Prozent, um die Wirtschaft mit billigem Geld zu versorgen.

Weil das nicht reichte, griff die Fed unter Führung ihres Chefs Ben Bernanke zu außergewöhnlichen Maßnahmen, dem sogenannten „Credit Easing“. Für rund 1,5 Billionen Dollar kaufte sie vornehmlich Hypothekenpapiere, aber auch Staatsanleihen, um die Zinsen für den Bürger – speziell bei Hypotheken – zu drücken. Gleichzeitig legte die US-Regierung ein riesiges Konjunkturprogramm auf. Als die Wirtschaft Anfang dieses Jahres wieder mächtig wuchs, plante die Fed wortreich den Ausstieg aus diesen Programmen durch den Abverkauf der Papiere.

Aber noch bevor es dazu kam, begann die US-Wirtschaft wieder zu schlingern. Mitte August nahm die Fed Abschied vom Ausstieg und begann die Erlöse aus den aufgekauften Titeln wieder in Staatsanleihen anzulegen. Damit war der erste Schritt zurück ins „Credit Easing“ getan. Da die Wirtschaft nach wie vor nur langsam wächst, rechnen immer mehr Beobachter mit einem neuen Ankaufprogramm. Hintergrund ist der steigende Druck auf die Fed aus dem Weißen Haus, das sich derzeit nicht in der Lage sieht, ein eigenes Konjunkturprogramm gegen die Opposition durchzusetzen. „Wir sind zuversichtlich, dass Ben Bernanke nicht der Fed-Chef sein möchte, in dessen Amtszeit die Wirtschaft kollabiert“, schrieb David Kotok, Mitgründer der Fondsgesellschaft Cumberland, zuletzt an seine Kunden.

Interne Widerstände

Einige US-Währungshüter, darunter der Chef der Fed-Filiale von Kansas City, Tom Hoenig, haben sich bislang gegen eine weitere geldpolitische Lockerung ausgesprochen. Sie fürchten, es könnte früher oder später zu einer galoppierenden Inflation kommen. Zuletzt hat sich in den USA der Preisauftrieb allerdings weiter verlangsamt. Gleichzeitig stieg die Arbeitslosigkeit jedoch weiter an. Die Fed, die dem Ziel der Vollbeschäftigung verpflichtet ist, könnte somit auch aus diesem Grund aktiv werden.

Zudem verschieben sich derzeit die Gewichte innerhalb der US-Notenbank. Durch die Ernennung der für aktive Arbeitsmarktpolitik eintretenden Fed-Chefin von San Francisco, Janet Yellen, zur Stellvertreterin von Ben Bernanke, wächst der Einfluss der Fraktion, die auf proaktives Handeln drängt.

Alles scheint nun auf die übernächste Sitzung am 2. und 3. November zuzulaufen. Dann wird die Fed ihre bislang über den Erwartungen des Marktes liegenden Konjunkturprognosen offiziell anpassen. „Wir rechnen damit, dass diese sich dann unseren annähern“, so Hatzius. Daher hält er für Anfang November neue Konjunkturprogramme der Fed für möglich. Nach der heutigen Sitzung könnte die Fed die Märkte durch eine im Ton pessimistischere Beschreibung der Wirtschaftslage auf einen solchen Schritt vorbereiten.

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  • Ob Heli-ben wirklich so dumm ist, den paar investmentbankern eine weitere Chance für gekünstelte Kursgewinne an den börsen zu liefern? Unter Nr.44 ist wohl fast alles möglich, um die Zwischenwahlen ein wenig zu begünstigen. Ökonomisch wäre es blödsinn, denn es steigert die Verschuldung immer weiter und hilft der realen Wirtschaft überhaupt nicht weiter - im Gegenteil ginge dort und bei den Konsumenten angesichts der fortschreitenden Ohnmacht weiter Vertrauen verloren. Nur durch letzteres wäre jedoch ein Umschwung langfristig erfolgversprechend.

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