US-Notenbank
Geldschleusen in den USA bleiben weit offen

Erst wenn sich die US-Wirtschaft erholt hat, soll die Geldpolitik restriktiver werden. Da sind sich der scheidende Fed-Chef Bernanke und seine Nachfolgerin einig. Die Aussagen verringern die Unsicherheit an den Märkten.
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WashingtonUS-Notenbankchef Ben Bernanke und seine designierte Nachfolgerin Janet Yellen haben eine Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik angekündigt und die Finanzmärkte damit beruhigt. Bernanke sagte am Dienstag vor der Vereinigung der US-Volkswirte, der Kurs werde so lange wie nötig fortgesetzt.

Eine Reduzierung der Anleihen-Aufkäufe im Volumen von derzeit 85 Milliarden Dollar pro Monat werde es erst geben, wenn die Fed überzeugt sei, dass die Erholung am Arbeitsmarkt nachhaltig sei. Die Wirtschaft habe sich zuletzt zwar erholt, sei aber noch längst nicht da, wo man sie sich wünsche. Er sei sich mit Yellen daher einig, dass der beste Weg hin zu einer wieder eher normalen Geldpolitik darin bestehe, derzeit alles zu tun, was eine kräftige Erholung der Wirtschaft fördere.

Yellen ließ ebenfalls durchblicken, die US-Geldpolitik werde noch für längere Zeit sehr locker bleiben. Dies wäre auch der Fall, wenn die Zielmarken für Inflationsrate und Arbeitslosenquote durchbrochen würden, hatte sie in am Dienstag bekannt gewordenen Briefen an zwei US-Senatoren geschrieben.

Yellen soll nach dem Willen von US-Präsident Barack Obama im Februar 2014 Bernanke nachfolgen. In der vergangenen Woche stand sie dafür bereits dem Bankenausschusses des Senates Rede und Antwort. Auf Fragen, wie lange die Zentralbank ihre Wertpapierkäufe fortsetzen werde, antwortete sie indes auch, das Programm könne nicht ewig laufen.

Bernanke sagte am Dienstag, die Fed könne sich Zeit lassen mit einer Anhebung des Leitzinses, der seit 2008 bei nahe Null Prozent liegt. Der Satz werde wohl auch dann noch für einige Zeit dort bleiben, wenn die Anleihekäufe zurückgefahren und die Arbeitslosenquote auf unter 6,5 Prozent gesunken sei, sagte er.

An den Finanzmärkten wird seit langem genau auf Äußerungen der Fed vor allem zu den Anleihe-Käufen geachtet. Die Notenbank hat inzwischen über diesen Weg fast vier Billionen Dollar in den Wirtschaftskreislauf gepumpt, um damit die Wirtschaft zu stützen. Diese Politik, gepaart mit der des niedrigen Leitzinses, hat die US-Börsen in den vergangenen Monaten von Rekord zu Rekord eilen lassen.

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  • HB schreibt:
    "Anleger gehen jetzt davon aus, dass die Fed das Aufkauf-Programm wohl frühestens im Januar oder auch erst im März kommenden Jahres antasten wird."

    Mir ist immer wieder rätselhaft, welche "Anleger" das HB meint oder dazu interviewt hat!

    "Frühestens im Januar"? So kurzfristig sollen sich die Faktoren also bessern, dass die FED dann sagen soll: "Wir stopppen QE!"? Wer glaubt denn bitte daran?

    Die FED hatte anhand von Bedingungen festgemacht und TUT DIES IMMER NOCH, dass man unter diesen, wenn sie sich denn erfüllen, dann in Erwägung ziehen könnte (ACHTUNG KONJUNKTIV), QE zu reduzieren.

    Sämtliche Medien sind dieses Jahr peinlicherweise auf diese Äußerungen aufgelaufen, weil sie selbst die Lage nicht einschätzen können und keinen Konjunktiv verstehen. Sowas soll gut recherchierter Journalismus sein?

    Ich sage voraus, dass die FED im ganzen nächsten Jahr 2014 QE nicht reduzieren wird, weil die Wirtschaft sich nicht so gut erholt wie es uns die Medien immer weiß machen wollen und weil die Finanzindustrie immer noch recht fragil und anfällig ist.

    Und wir sprechen hier in den inkompetenten Massenmedien immer nur um eine mögliche Anleihekaufreduzierung, d.h. man geht vom Gaspedal bei einer Geschwindigkeit von 200 km/h erst langsam vom Gas und pumpt immer weiter noch neues Geld in die Welt.

    Die wichtigere Frage ist doch: Wie wollen die Industriestaaten, allen voran ja die USA, von ihren gigantischen Schulden runter? Abbezahlen? Kann ich den Witz nochmal in Farbe hören?

    Wie will man die Zig Billionen an Notenbankgelder von FED, Bank of Japan, Bank of England und EZB wieder aus dem Markt entfernen?????????????????

    Darüber fehlt es den Journalisten in den Massenmedien leider an Weitblick!

  • Was soll sich denn da erholen? Die US-Wirtschaft? Die gibt es doch gar nicht mehr. Die Produktion/Arbeit hat man zum sozialistischen Bruderstaat China ausgelagert, die US-Wirtschaft hat sich darauf konzentriert/ausgelegt die gedruckten Dollars zu konsumieren. Daraus folgt, dass die nie mit dem Drucken von Geld aufhören können. Und zwar umso weniger, je länger QE weiterläuft.

    Die ganzen angeblichen Wachstumsraten beinhalten ja auch das Gelddrucken. So kann man jede realwirtschaftliche Rezession kaschieren... Simbabwe druckt übrigens auch Geld, das Ende der Entwicklung kann man sich da schon ansehen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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