US-Notenbank senkt Wachstumsprognose deutlich
Fed signalisiert Ende der Zinssenkungspolitik

Trotz eines gutes Auftaktquartals hat die US-Notenbank Fed ihre Wachstumsprognose deutlich gesenkt und rechnet zugleich mit einer weiter steigenden Teuerungsrate. Weiterhin hat die Fed ein vorläufiges Ende ihrer Zinssenkungspolitik signalisiert. Die US-Börsen und der Dollarkurs reagierten prompt.

HB WASHINGTON. Im laufenden Jahr dürfte die Wirtschaft real nur zwischen 0,3 und 1,2 Prozent wachsen, teilte die Notenbank am Mittwoch im Protokoll der vergangenen Notenbanksitzung mit. Damit wurde die erst im Januar gekappte Vorhersage von 1,3 bis 2,0 Prozent erneut kräftig reduziert.

Zugleich treibt die Notenbanker die Sorge um, dass die ohnehin hohe Teuerung nicht nachlassen und die Arbeitslosenzahl noch deutlich steigen könnte. Angesichts dieser düsteren Perspektiven haben mehrere Notenbanker bei der jüngsten Zinssitzung Ende April eine weitere Lockerung der Zinspolitik als Reaktion auf eine schwächere Konjunktur als „wahrscheinlich nicht angemessen“ bezeichnet.

Wie aus den Sitzungsprotokollen hervorgeht, gilt diese Einschätzung auch für den Fall, dass es in naher Zukunft zu einem leichten Schrumpfen der Wirtschaft kommen sollte. Ein Gegner einer kurzfristigen Zinssenkung ist auch das Board-Mitglied Kevin Warsh: „Selbst wenn die Wirtschaft noch etwas schwächer werden sollte, sollten wir den reflexartig wiederholten Forderungen widerstehen, den Zins-Hammer schon wieder auszupacken“, sagte er in Washington. Dem Protokoll zufolge fiel die jüngste Entscheidung, die Zinsen zu senken, ohnehin sehr knapp aus.

Der Dollar fiel nach der Mitteilung auf ein Monatstief zum Euro und die US-Börsen weiteten ihre Verluste aus. Die Zinsfutures an der Wall Street gaben nach und signalisieren damit die Markteinschätzung, dass die Währungshüter den Leitzins bei ihrer Sitzung im Juni wohl nicht antasten werden. Im Dezember könnte es sogar zu einer Anhebung kommen, wie Analyst Gregory Salvaggio von Tempus Consulting meint: „Die Protokolle zeigen, dass die Notenbanker die Sorge vor einer höheren Inflation umtreibt. Das ebnet den Weg für eine Zinserhöhung zum Jahresende.“

Die Federal Reserve hatte am 30. April ihren Leitzins von 2,25 auf 2,0 Prozent abgesenkt, um die schwächelnde Konjunktur mit billigerem Geld zu stützen. Damit lockerte sie die Geldpolitik seit September sieben Mal. Trotz der Finanzkrise hatte die US-Wirtschaft zu Jahresbeginn kein Tempo verloren und damit vorerst Rezessionsängste gebannt. Das BIP wuchs im ersten Quartal mit 0,6 Prozent so stark wie Ende vergangenen Jahres.

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