US-Notenbank
Zukunftssorgen dominieren die Fed

Die jüngste Senkung der amerikanischen Leitzinsen wurde nur mit knapper Mehrheit von den Notenbankern beschlossen. Schließlich überwiegten aber offenbar die Sorgen vor einer nachhaltigen Eintrübung der Wirtschaft. Denn die Fed blickt alles andere als optimistisch in die Zukunft.

HB WASHINGTON. Die Entscheidung der US-Notenbank zur jüngsten Zinssenkung war knapp. Das geht aus dem Protokoll der Sitzung der Federal Reserve Bank vom 30. und 31. Oktober hervor, das am Dienstag veröffentlicht wurde. Die Fed hatte den Leitzins Ende Oktober um 0,25 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent gesenkt. Der Zinsschritt sollte den Angaben zufolge eine zusätzliche Absicherung gegen eine unerwartete Eintrübung der Konjunktur sein. Doch trotz der Senkung werde das Wachstum in den nächsten Quartalen schwächer ausfallen. Der Dollar fiel nach Veröffentlichung des Protokolls auf ein neues Rekordtief, die US-Börsen gaben nach.

Nach ihrer neuen erweiterten Konjunkturprognose, die zusammen mit dem Protokoll veröffentlicht wurde, strebt die Fed mittelfristig eine Inflationsrate von 1,5 bis 2,0 Prozent an. Sie nennt diese Inflationsprognose für das Jahr 2010 sowohl für die Kerninflation (ohne Lebensmittel- und Energiepreise) als auch für die Gesamtrate. Die Fed hat unter ihrem neuen Chef Ben Bernanke die ausdrückliche Festlegung eines Inflationsziels zwar debattiert, verzichtet bislang aber darauf.

Die Fed-Mitglieder waren sich der Mitschrift zufolge bei ihrer Zusammenkunft Ende Oktober nicht sicher, ob die Zinsen gesenkt werden müssten, um die US-Wirtschaft vor den Folgen der Kredit- und Immobilienkrise zu schützen. Die Teilnehmer der Fed-Sitzung hätten die Finanzmärkte als weiterhin schwach betrachtet. Sie fürchteten, das Vertrauen der Investoren könnte weiter geschmälert werden und die Abwärtsrisiken der Konjunktur könnten deutlich zunehmen.

Seit ihrem Treffen Ende Oktober haben Fed-Mitglieder erkennen lassen, dass die insgesamt zwei Zinssenkungen bei den letzten zwei Sitzungen ausreichten, um die US-Wirtschaft sicher durch die turbulente Phase zu bringen. An den Finanzmärkten wurde dagegen im Allgemeinen damit gerechnet, dass die Fed bei ihrer nächsten Sitzung am 11. Dezember den Zinssatz weiter auf 4,25 Prozent senken würde.

Die US-Währungshüter rechnen in ihrer Konjunkturprognose damit, dass sich das Wachstum der größten Volkswirtschaft der Welt im kommenden Jahr auf 1,8 bis 2,5 Prozent verlangsamen wird. Im Juni waren noch Wachstumsraten von 2,5 bis 2,75 Prozent prognostiziert worden. 2008 werde die Arbeitslosigkeit zudem leicht steigen, während die Preise sinken und Wohnbaubeginne nachlassen würden, hieß es nun. Optimistischer zeigten sich die Fed-Mitglieder dagegen für die Kerninflationsrate. Explodierende Ölpreise und die Dollarschwäche hätten jedoch trotzdem das Potenzial für einen gewissen Inflationsdruck.

Der Euro wurde nach Veröffentlichung des Protokolls zu einem Rekordwert von 1,4819 Dollar gehandelt. Die US-Börsen gaben weiter nach. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte 0,58 Prozent im Minus.

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