US-Ökonom Krugman
US-Wirtschaft erholt sich erst 2010

Ein düsteres Szenario entwirft der US-Ökonom Prof. Paul Krugman für die Konjunktur der größten Volkswirtschaft der Welt. Die US-Wirtschaft werde sich erst im Laufe des Jahres 2010 erholen. Krugman hat auch eine klare Prognose dafür, wer bei den US-Demokraten das Kandidatenrennen machen wird.

HB KÖLN. „Ich rechne erst 2010 mit einem Aufschwung“, sagte Krugman dem Finanzdienst „Capital Investor“. Der Princeton-Professor, dessen Buch „Internationale Wirtschaft“ zu den Standardwerken gehört, rechnet zwar nicht damit, dass die US-Wirtschaft „in den Abgrund fällt“. Er gehe aber davon aus, dass das Wachstum für einige Zeit schwach bleiben und Arbeitsplätze schwer zu finden sein werden. Das Wirtschaftswachstum aus dem ersten Quartal 2008 mit 0,6 Prozent sieht Krugman als nicht aussagefähig an: „Bei genauerem Hinschauen fällt es viel schwächer aus. Es wurde nicht durch vermehrte Nachfrage, sondern durch stärkeren Lageraufbau gesteigert.“

Für Krugman steht „zu 90 bis 95 Prozent“ fest, dass Barack Obama der Präsidentschaftskandidat der Demokraten wird. Allerdings könnte Obama seiner Ansicht nach kreativer vorgehen und ein effektiveres Konjunkturprogramm vorschlagen. Das Wirtschaftsprogramm von Präsidentschaftsbewerber John McCain sieht Krugman als „alte Litanei der Republikaner“. Zudem seien die von ihm vorgeschlagenen Kürzungen bei Steuern und Staatsausgaben „aus dem Reich der Fantasie“.

Das aktuelle Kursniveau an den US-Börsen hält Krugman für überhöht: „Die Kurse scheinen mir recht hoch. Wir haben zwar keine Übertreibungen wie 2000, aber mit der schwachen Wirtschaft werden die Gewinne fallen, und das scheint mir in die Notierungen nicht eingepreist zu sein.“ Krugman betonte, dass er die Einschätzung von JP-Morgan-Chase-Vorstandschef Jamie Dimon, die Finanzkrise sei zu 75 bis 80 Prozent bewältigt, nicht teilt. „Ich bin mir da längst nicht so sicher. Das war das moderne Gegenstück der 30er-Jahre-Depression“. Es bleibe eine „unheimliche Geschichte“.

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