US-Schuldengrenze
El-Erian warnt vor Finanzkollaps in den USA

Die Weltwirtschaft beruhe auf dem Fundament eines starken Amerikas, sagt der Chef des Anleihehändlers Pimco. Radikale Ausgabenkürzungen dort hätten deshalb schlimme Folgen für die Weltkonjunktur.
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"Amerikas Schuldengrenze ist Gegenstand riskanter Verhandlungen hinter verschlossenen Türen geworden", schreibt Pimco-Chef Mohamed El-Erian in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt.  "Was dabei herauskommt, hat Folgen, die weit über die USA hinausreichen." De facto sei die Schuldengrenze bereits erreicht; gegenwärtig behelfe sich das US-Finanzministerium damit, Geld von A nach B zu verschieben und verschiedene Töpfe mit ungenutzten Mitteln anzuzapfen, um seine Rechnungen zu bezahlen. In ein paar Wochen sei es mit dieser „Flexibilität“ vorbei. "Angesichts der Tatsache, dass die US-Regierung derzeit etwa 40 Prozent von jedem ausgegebenen Dollar über Kredite aufbringt, würde eine wirklich rechtsverbindliche Schuldengrenze die Regierung sofort zwingen, ihre Ausgaben radikal und in ungeordneter Weise zurückzuschrauben", befürchtet El-Erian.

Politiker auf beiden Seiten des politischen Spektrums wüssten, dass eine derartige Situation die bereits jetzt fragile US-Konjunktur aus dem Gleichgewicht bringen, den Dollar ernsthaft schwächen und schwere Bedenken über die Fähigkeit des Landes, seinen Verpflichtungen zur Bedienung seiner Schulden nachzukommen, aufwerfen würde. Doch Republikaner und Demokraten seien derzeit nicht bereit, Kompromisse zu schließen.

"Die Republikaner möchten die Regierung von Präsident Barack Obama durch ihre Verweigerungshaltung zu massiven Ausgabensenkungen zwingen. Die Demokraten kontern, dass ein derartiger einseitiger Ansatz wirtschaftlich schädlich und sozial ungerecht wäre. Dabei riskieren es beide Seiten, Transferzahlungen (u.a. an Senioren) und die Bereitstellung öffentlicher Dienstleistungen zu unterbrechen und Amerikas globale Kreditwürdigkeit weiter zu schädigen", kritsiert der Pimco-Chef.

Die nächsten Wochen, so El-Erian, würden "jede Menge an politischer Dramatik" bieten. Die politische Paralyse in zentralen Wirtschaftsfragen sei für den privaten Sektor in den USA und auch für andere Länder, die auf ein starkes Amerika als Herz der Weltwirtschaft angewiesen sind, Grund zu zunehmender Beunruhigung. Die Weltwirtschaft beruhe auf dem Fundament eines starken Amerikas, und die Amerikaner profitieren davon. "Doch je mehr sich ihre Politiker über die Schuldengrenze streiten, desto größer wird die Gefahr, dass dieses Fundament irreparabel bröckelt", schreibt der Pimco-Chef.

Kommentare zu " US-Schuldengrenze: El-Erian warnt vor Finanzkollaps in den USA"

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  • Die USA haben massive wirtschaftsstrukturelle Probleme, die durch einen bisher erfolgreichen Finanzsektor - zuletzt finanziell gedopt durch die US-Regierung - übertüncht worden sind. Diese Probleme werden WEDER durch undifferenzierte Geldspritzen (Bankenrettung, Konjunkturpakete) NOCH durch undifferenzierte Sparorgien gelöst. Deswegen ist die Gesamtverschuldung von privaten Haushalten, Unternehmen (inkl. Finanzsektor) und Staat in den USA seit längerem steil angestiegen, auf zuletzt (Q1 2011) auf 52,604 Billionen (USA = trillions) Dollar (siehe dazu: http://www.querschuesse.de/us-credit-market-debt-outstanding-bei-52604-billionen-dollar/)

    Die Politiker und vor allem auch die Ökonomen in den USA haben einen miesen Job gemacht, denn sie haben bis heute allenfalls rudimentär erkannt, was die Kernproblematik ist und sie haben keinen blassen Schimmer, wie sie da heraus kommen können.

    Vor diesem Hintergrund ist es ein Witz, wie die Griechenland-Krise mit viel Getöse in den Medien und durch die US-Ratingagenturen zu einem riesengroßen Problem hoch stilisiert wird, das, gemesen an diesem Zirkus, sogar das der USA in den Schatten stellt.

    Es wäre also schön, wenn nicht immer nur El-Erian auf diese Schiefe in der Wahrnehmung aufmerksam machen würde ... oder kennt das Handelsblatt sonst niemanden, der das so überzeugend darstellen kann?

    Gruß
    Stefan L. Eichner

  • Lights, camera, action: Game over :)

  • Wie stark waren bzw. sind die USA denn überhaupt? Das Land ist binnen der letzten 30 Jahre de-industrialisiert worden, insbesondere aber unter "being W.". Ganze Industriezweige sind nach China gegangen - mit ihnen ging auch das Wissen und der Nachwuchs an technischen Arbeitskräften und mittelständischen Zulieferern. Wettbewerbsfähig ist nur der militärisch-industrielle Komplex, aber auch der stößt an seine Grenzen. Denn langsam gehen die Länder aus, in die man einmarschieren könnte. Außerdem ist der Bundeshaushalt derart im Minus, dass ein neuer Krieg nicht finanzierbar ist. Being W. hat Haushaltsüberschüsse der Clinton-Regierung wurden mit Steuergeschenken für Wohlhabende, Irakkrieg und Rüstungsprogrammen in horrende Defizite verwandelt.

    Das alles schreit nach Arbeitslosigkeit und Wachstumsschwäche. Ob und wie die USA DA wieder rauskommen sollen, ist mir schleierhaft. Mit Mini-Zinsen der FED und noch mehr Staatsschulden jedenfalls nicht.

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