US-Schuldenkrise
Auf der Suche nach der Wunderwaffe

Amerikas Konjunktur ist schwer angeschlagen, die Schuldenuhr tickt erbarmungslos. Beim Zinssatz hat die Notenbank längst keinen Spielraum mehr. Welche Waffe bleibt Bernanke, um das Land vor dem Ruin zu retten?
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DüsseldorfDie amerikanische Notenbank (Fed) ist vor ihrer Zinssitzung heute in einer schwierigen Lage. In den vergangenen Wochen gab es eine Reihe schlechter Nachrichten für die US-Wirtschaft: miserable Arbeitsmartzahlen, ein Acht-Jahres Tief auf dem US-Häusermarkt und schwindendes Vertrauen bei den Verbrauchern. Hinzu kommt der schwelende Konflikt um die Schuldengrenze. Sollten sich Republikaner und Demokraten nicht bald auf eine Ausweitung der Schuldengrenze von 14,3 Billionen US-Dollar einigen, droht der US-Regierung der Zahlungsausfall. Eine Einigung mit den Republikanern  jedoch könnte die Obama-Regierung zu starken Einsparungen im Haushalt zwingen – was wiederum die Konjunktur schwächt.

Trotz dieser Vorzeichen sind die Erwartungen an Ben Bernanke nicht all zu groß, wenn er heute Abend nach der Zinssitzung der amerikanischen Notenbank vor die Presse tritt. Angesichts der schwachen US-Konjunktur wird er aller Voraussicht nach am ultraniedrigen Zinsniveau von  0 bis 0,25 Prozent festhalten.

Interessanter ist die Frage, wie er sich zu einem neuen Ankaufprogramm für Anleihen positioniert. Diesen Monat läuft ein älteres Ankaufprogramm über 600 Milliarden US-Dollar aus. Experten rechnen damit, dass die Fed kein weiteres Ankaufprogramm für US-Staatsanleihen auflegen wird. Da die Notenbank den Leitzins nicht weiter senken kann, bietet der Ankauf von US-Staatsanleihen die Möglichkeit, den langfristigen Zinssatz zu drücken. In einer Rede vor zwei Wochen hat Bernanke jedoch keinerlei Hinweise auf weitere Stützungsmaßnahmen durch die amerikanische Notenbank gegeben.  „Die Geldpolitik ist kein Allheilmittel“, sagte er

Gegen eine weitere quantitative Lockerung sprechen vor allem politische Gründe. Schon die letzte Runde im November war hochumstritten. Neben der entstehenden Inflationsangst kritisierten vor allem die Schwellenländer den Schritt. Sie fürchten, dass eine Ausweitung der US-Geldmenge zu einer Kapitalschwemme in ihre Länder führt. Dies könnte zu einer weiteren Aufwertung ihrer Währungen gegenüber dem US-Dollar führen – und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit verschlechtern. 

Zwei Punkte geben dagegen etwas Hoffnung für die US-Wirtschaft. In den vergangenen Monaten belasteten die Japan-Katastrophe und der hohe Ölpreis die Entwicklung. Hier zeichnet sich Entlastung ab: Die Probleme in den Lieferketten durch die Japan-Katastrophe sind weitgehend behoben und die Öl- und Rohstoffpreisrally ist gestoppt.  

 

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

Kommentare zu " US-Schuldenkrise: Auf der Suche nach der Wunderwaffe"

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  • Es gibt keine "politische Lösung" für die "Finanzkrise", sondern nur eine technische Lösung:

    http://www.deweles.de/files/2010_gsm.pdf

    Der eigentliche Beginn der menschlichen Zivilisation macht nicht nur die Religion überflüssig, sondern auch die "hohe Politik":

    http://www.deweles.de/files/basisdemokratie.pdf

  • Die Mehrzahl der Kommentare zeigt, wie es um die politische und ökonomische Bildung in den Köpfen der Menschen in unserem Land aussieht: Erschreckend!

    Es ist hirnverbrannt, von Herrn Bernanke eine Porblemlösung zu erwarten oder gar zu verlangen. Man könnte ihn am ehesten mit einem Küchenmitarbeiter vergleichen, der ein über paar Gewürzstreuer verfügt und die Speisen würzen könnte. Wenn aber in einer Küche schon lange nicht mehr gekocht wird, dann ist auch er mit seinen Beiträgen zum bekömmlichen Essen am Ende! Viele Personen, Institutionen, nahezu ganz US-Amerika hat aus Leibeskräften mitgeholfen, daß der jetzige Zustand erreicht wurde! Nun bleibt die Küche kalt - für sehr lange Zeit. Nahezu 20% der US-Bevölkerung sind inzwischen auf tägliche Sachleitungshilfen zum Lebensunterhalt angewiesen, der Massenkonsum der verbleibenden Einkommensbezieher ist strk rückläufig, der Run auf Sachwerte steht unmittelbar bevor. Mehr, als nur Gerüchte weisen darauf hin, daß ab Mitte Juli ein Gold- und Silberhandelsverbot in den USA und ggf. auch in ihren juristischen Protektoraten - durchgesetzt werden soll: Warum wohl? Ist Fort Knox inzwischen leer? Kommt der "Amero", am Goldstandard ausgerichtet per Währungsreform, bei der der USD fallengelassen wird? Steht China auf der Matte und fordert US-Gold für die verfallenden Bonds? Es gibt niemanden, der die USA "raushauen" könnte, das ist die Realtität und es gibt auch kein glaubhaftes und praktikables Rezept, wie die USA innerhalb von fünf Jahren zu heilen wären. Die FED, ein Greenspan und ein Bernanke sind nicht unschludig, aber das Ende des "American Way Of Live" kann nun keiner mehr verhindern, wenn es wenigstens danach zu einer Besserung der Verhältnisse kommen soll!

  • Das ist langsam nervig dass hier viele die überhaupt nicht in der Lage sind das Geschehen zu überblicken, irgendwelche dämlichen Propaganda-Behauptungen in die Welt stellen anstatt doch mal "sinnvolle" Lösungen zu präsentieren.

    Vieles ist einfach zu kurz gedachter populistischer Bild-Zeitungs-Grundschulwirtschafts-Unsinn, der aber niemandem weiter hilft und den man eigentlich erst nach 3 bis 4 Bier erträgt!

    Wir werden keinen Crash erleben, denn das ist ja das spannende, es kommt immer was neues und Geschichte wiederholt sich nicht, da sich ja die Rahmenbedingungen ändern.

    Die Welt globalisiert sich, es entstehen immer größere Wirtschaftsmächte (Amerika, China, Europa, Indien, Russland), und da ist es doch klar dass wir in Europa uns zusammenraufen müssen um ordentlich bestehen zu können, und wenn Griechenland Hilfe braucht, dann helfen wir ihnen eben, meine Fresse ist doch net so schwer und immer noch besser als dämliche Sprüche zu klopfen.

    Ist doch wie beim Fußball, die fetten besoffenen Säcke auf der Tribüne wissen am besten wie man spielen sollte, haben aber wahrscheinlich das letzte mal vor 20 Jahren auf dem Rasen gestanden! ;-)

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