US-Studie
Deutschlands Produktivität wächst nur minimal

Die Arbeitsproduktivität ist im vergangenen Jahr in Deutschland einer am Dienstag vorgelegten Studie zufolge deutlich langsamer gewachsen, als das Statistische Bundesamt geschätzt hat.

DÜSSELDORF/ ZÜRICH. Das amerikanische Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board beziffert die Wachstumsrate der Arbeitsproduktivität nur auf 0,9 Prozent. Die Bundesstatistiker schätzen, dass die Arbeitsproduktivität je Stunde 2005 um 1,5 Prozent zulegt hatte.

Unmittelbar vor Beginn der Metall-Tarifverhandlungen haben diese Zahlen eine besondere Brisanz. Die IG Metall strebt eine Lohnerhöhung von rund fünf Prozent an. Am Freitag wird der Vorstand der Gewerkschaft die endgültige Forderung beschließen. Die Verhandlungen beginnen im Februar. Legt man die neuen Conference-Board-Zahlen zu Grunde, wäre der beschäftigungsneutrale Verteilungsspielraum noch geringer als von Gesamtmetall selbst geschätzt. Der Arbeitgeberverband legt als Maßstab für eine Lohnerhöhung den Produktivitätszuwachs an – bereinigt um jenen Produktivitätsanteil, der durch Entlassungen erzielt worden ist. Damit kommen sie auf rund 1,2 Prozent.

Ein Grund für die Diskrepanz ist laut Bart van Ark, Ko-Autor der US-Studie, dass der Conference Board die in Deutschland geleisteten Arbeitsstunden höher als die Bundesstatistiker ansetzt.

Die langfristige Entwicklung der Arbeitsproduktivität gilt als einer der bedeutendsten ökonomischen Bestimmungsfaktoren für die Höhe des Wohlstandes einer Nation. Steigt die Produktivität eines Landes, können Unternehmensgewinne und Einkommen entsprechend wachsen. Seit der zweiten Hälfte der 90er-Jahre hatte sich das Produktivitätswachstum in den USA anders als in Europa deutlich beschleunigt. Das führte dazu, dass es trotz einer annähernden Vollbeschäftigung zu keinem Inflationsdruck kam.

Im vergangenen Jahr hat sich der Produktivitätszuwachs laut Conference Board in den meisten Industrieländern verlangsamt. Das gilt auch für die USA, wo sich der Produktivitätsanstieg nach drei Prozent im Jahr 2004 auf 1,8 Prozent abschwächte.

„Das zurückgehende Produktivitätswachstum in den USA ist zwar kein positives Signal. Mit einem langfristig niedrigen Trend um oder gar unter einem Prozent müssen wir aber nicht rechnen“, sagte van Ark, Direktor des internationalen Wirtschaftsforschungsprogramms des Conference Boards. Dass die US-Arbeitsproduktivität im Jahresvergleich gesunken sei, liege an der Verlangsamung des gesamten Wirtschaftswachstums in den Vorjahren und daran, dass zugleich der Beschäftigungsanstieg größer war als zuvor.

Deutlich kritischer stuft der Ökonom die Entwicklung in den alten Mitgliedsländern der Europäischen Union (EU) ein. Hier verlangsamte sich das Produktivitätswachstum noch stärker – von 1,4 auf 0,5 Prozent. Das sei „beunruhigend, weil es strukturelle Ursachen hat.“ Die Reformen in den meisten Ländern der alten EU kämen viel zu langsam voran. Wenn die Reformen in den großen Staaten – vor allem in Deutschland und Italien – nicht stärker angepackt würden, sei nicht mit einer Trendumkehr zu rechnen. „Wachstumsraten der Produktivität von unter einem Prozent sind einfach viel zu niedrig“, sagte van Ark.

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