US-Studie
Steuersenkungen besser als Konjunkturpaket

Steuersenkungen helfen einer lahmenden Wirtschaft grundsätzlich mehr als staatliche Konjunkturprogramme. Zu diesem Ergebnis kommen die Harvard-Ökonomen Alberto Alesina und Silvia Ardagna in einer aktuellen Studie. Umgekehrt seien aber Kürzungen der Staatsausgaben besser geeignet als Steuererhöhungen, um einen defizitären Haushalt zu konsolidieren.
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DÜSSELDORF. Alesina und Ardagna haben für ihre Studie, die vom Nationalen Büro für Wirtschaftsforschung (NBER) der USA veröffentlicht wurde, die Wachstumswirkungen fiskalischer Stimuli und fiskalischer Konsolidierungsprogramme in OECD-Staaten zwischen 1970 und 2007 ausgewertet. Dabei konzentrierten sich die Forscher auf Jahre, in denen sich die Primärsalden der öffentlichen Haushalte, also die Differenz zwischen den Staatsausgaben minus Zinszahlungen und den Staatseinnahmen, um mindestens 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) veränderten. Nur Jahre mit kräftigen fiskalischen Impulsen oder Konsolidierungen kamen so in die Auswahl.

Die Ergebnisse zeigen, dass fiskalische Konjunkturförderung im Untersuchungszeitraum dann erfolgreicher war, wenn sie sich überwiegend auf Senkungen der Einkommensteuern, indirekter Steuern und Unternehmensteuern stützte. Länder, die stattdessen vor allem die Staatsausgaben und Subventionen erhöhten, hätten in den Folgejahren niedrigeres Wachstum erzielt als Vergleichsländer. Dabei spiele die Zusammensetzung des fiskalischen Stimulus eine größere Rolle für das Wachstum als seine absolute Höhe.

Analog dazu komme es mehr darauf an, dass ein Staat richtig spare als darauf, wie stark er auf die Bremse trete. Wenn er seine Investitionsausgaben zurückfahre, hat es den Forschern zufolge kaum Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum. Wenn er aber die laufenden Staatsausgaben zurückfahre und Steuern senke, wirke sich das spürbar positiv auf die Wachstumsraten aus.

Die Erfahrungen mit vergangenen Konjunkturpaketen stimmen Alesina und Ardagna bedenklich, was die Zusammensetzung der aktuellen Stützungsmaßnahmen der US-Regierung anbelangt. Zwei Drittel des Konjunkturprogramms bestünden aus höheren laufenden Staatsausgaben, öffentlichen Investitionen und Transferleistungen. Während die höhere Arbeitslosenhilfe den Konsum stütze, sei der Nutzen der Infrastrukturprojekte unsicher. Der Ausblick für den US-Haushalt sei düster.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom

Kommentare zu " US-Studie: Steuersenkungen besser als Konjunkturpaket"

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  • Ja, hier handelt es sich gewiss um eine Wunschstudie.
    ", sei der Nutzen der infrastrukturprojekte unsicher." Die USA haben angesichts ihrer infrastruktur gar keine andere Möglichkeiten mehr, sonst geht der Strom überall aus. Nicht alles rechnet sich. Und der Staat braucht eben Geld um seinen Aufgaben gerecht zu werden. Und das muß er eben auch bei den Reichen holen, Auch wenn das heutzutage nicht schick ist. Die Mittelschicht ist eben auch dort mitlerweise nicht mehr weiter auspressbar.
    Der neoliberale Unsinn ist gescheitert, das ist eine Erkenntnis der Krise. ist eben nur noch nicht bei Alesina und Ardagna angekommen. Lügen werden nicht besser, auch wenn man sie durch Studien hinterlegen will.
    @ Martin.D 100% Zustimmung

  • Man kann auch bei einer differenzierteren betrachtung zu völlig anderen Schlüssen kommen. Diese sind auch realistischer! Das sind Anhänger einer veralteten Ökonomie, die offenbar verzweifelt sich nun versuchen über Studien sich selbst und einem irrglauben auf die Schulter zu klopfen.
    Oben werden Steuerentlastungen, und das zeigen auch Statistiken, weniger investitionen in der Realwirtschaft beflügeln als die bereits im Verhältnis zur Realwirtschaft x-fach überdimensionierten Finanzmärkte weiter fluten. Dort entsteht ein Anlagedruck, der in der Realwirtschaft nicht mehr zu befriedigen ist. Das hat erfinderisch gemacht und ist die Hauptursache der Krise. Wir haben derzeit ein Nachfrageproblem und können mehr produzieren als wir Nachfrage haben. Entlatungen dort wo die Sparquote hoch ist bringen nichts, dort wo sie niedrig ist werden sie teilweise in den Konsum gehen. Durch einen exzessiven Ausbau des Dumpinglohnsektors wird eine Steuerentlastung in einem weiten bereich nicht mehr greifen. Die aktuellen Problemstellungen und Herausforderungen lassen sich so nicht lösen. in der letzten Zeit hat nur noch das obere Dezil (oberen 10%) an Vermögen und einkommen in Deutschland hinzugewonnen. Alle anderen Dezile, vor allem unten und in der Mitte haben verloren. Trotz Steuerentlastungen oben war die Wachstumsrate beim biP weiter rückläufig. Der Kuchen wurd durch die Produktivitätssteigerung und das Wirtschaftswachstum zwar immer noch größer, aber von der Teilhabe wurde der größte Teil der bevölkerung abgehängt. Dies rächt sich nun wirtschaftlich.

    Wir können mit Steuerentlastungen oben ja weiter die Finanzmärkte fluten und die Staatsverschuldung in die Höhe treiben.

  • Man kann auch bei einer differenzierteren betrachtung zu völlig anderen Schlüssen kommen. Diese sind auch realistischer! Das sind Anhänger einer veralteten Ökonomie, die offenbar verzweifelt sich nun versuchen über Studien sich selbst und einem irrglauben auf die Schulter zu klopfen.
    Oben werden Steuerentlastungen, und das zeigen auch Statistiken, weniger investitionen in der Realwirtschaft beflügeln als die bereits im Verhältnis zur Realwirtschaft x-fach überdimensionierten Finanzmärkte weiter fluten. Dort entsteht ein Anlagedruck, der in der Realwirtschaft nicht mehr zu befriedigen ist. Das hat erfinderisch gemacht und ist die Hauptursache der Krise. Wir haben derzeit ein Nachfrageproblem und können mehr produzieren als wir Nachfrage haben. Entlatungen dort wo die Sparquote hoch ist bringen nichts, dort wo sie niedrig ist werden sie teilweise in den Konsum gehen. Durch einen exzessiven Ausbau des Dumpinglohnsektors wird eine Steuerentlastung in einem weiten bereich nicht mehr greifen. Die aktuellen Problemstellungen und Herausforderungen lassen sich so nicht lösen. in der letzten Zeit hat nur noch das obere Dezil (oberen 10%) an Vermögen und einkommen in Deutschland hinzugewonnen. Alle anderen Dezile, vor allem unten und in der Mitte haben verloren. Trotz Steuerentlastungen oben war die Wachstumsrate beim biP weiter rückläufig. Der Kuchen wurd durch die Produktivitätssteigerung und das Wirtschaftswachstum zwar immer noch größer, aber von der Teilhabe wurde der größte Teil der bevölkerung abgehängt. Dies rächt sich nun wirtschaftlich.

    Wir können mit Steuerentlastungen oben ja weiter die Finanzmärkte fluten und die Staatsverschuldung in die Höhe treiben.

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