US-Top-Ökonom „Deutschland ist ein Billiglohnland!“

Die Kritik am deutschen Wirtschaftsmodell reißt nicht ab. Nun teilt der US-Ökonom Adam Posen kräftig aus. „Deutschland bringt seine Beschäftigten um die Früchte ihrer Arbeit,“ beklagt er.
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Der US-Ökonom Adam Posen glaubt: Die Löhne in Deutschland seien zu niedrig. Quelle: dpa

Der US-Ökonom Adam Posen glaubt: Die Löhne in Deutschland seien zu niedrig.

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DüsseldorfDer amerikanische Top-Ökonom Adam Posen macht seinem ganzen Ärger über die deutsche Wirtschaftspolitik im US-Fernsehen Luft. „Deutschland liegt in gleich fünf Punkten daneben,“ sagte Posen im Interview mit dem Sender CNBC. Dann zählt das langjährige Mitglied im Rat der Bank von England seine Kritikpunkte auf: „Erstens zahlt Deutschland seinen Arbeitnehmern keinen der Produktivität entsprechenden Lohn. Es bringt seine Beschäftigten um die Früchte ihrer Arbeit. Zweitens investiert es nichts, weder im öffentlichen noch in den privaten Sektor.“ Beides zusammen führe drittens dazu, dass „Deutschland als Billiglohnland konkurriert. “

Das war aber noch nicht alles: „Viertens zockt Deutschland andere Länder ab, weil seine Exporte durch den schwachen Euro subventioniert werden. Und fünftens nimmt es anderen Ländern Marktanteile weg, indem es Deflation exportiert.“

Posens Fazit: „Deutschlands Wirtschaftspolitik verursacht überall Probleme.“ Auf den Einwand der Reporterin hin, dass Deutschland den Wechselkurs des Euro gar nicht manipuliere, räumt Posen dies zwar ein. Er kritisiert jedoch, dass Deutschland das System manipuliere und nicht genug tue, um die globalen Ungleichgewichte abzubauen. So leiste Deutschland nicht genug Transferzahlungen an die Krisenländer in Südeuropa und blockiere außerdem eine expansivere Geldpolitik.

Nicht nur von amerikanischer Seite gerät Deutschland wegen seiner Wirtschaftspolitik immer mehr in die Schusslinie. Auch die EU-Kommission fordert von Deutschland konkrete Gegenmaßnahmen gegen seine massiven Exportüberschüsse. "Die Wahrheit ist, dass der einheitliche Markt in seiner derzeitigen Form Deutschland erlaubt, seine Wettbewerbsvorteile - also Technologie und Industrie - auszuspielen", sagte EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso am Dienstagabend auf einer Veranstaltung in der Frankfurter Paulskirche.

Im Gegenzug sollte Deutschland mehr tun, damit auch andere Länder ihre Vorteile zur Geltung bringen können. Möglich wären eine weitere Öffnung des Dienstleistungssektors oder eine Lohnentwicklung, die im Einklang mit der Produktivität stehe, führte Barroso aus. Damit könnten stärkere Volkswirtschaften einen sehr wichtigen Beitrag zur Erholung von schwächeren Ländern leisten.

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103 Kommentare zu "US-Top-Ökonom: „Deutschland ist ein Billiglohnland!“"

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  • Der Mann hat recht. Dafür haben unsere Politiker gesorgt. 1 Euro Jobs, Minijobs, Abschaffung der normalen und normalbezahlten Job, Zeitarbeit, Leiharbeiusw... Alles Errungenschaften unserer Politiker nur um Deutsche zu verarmen!

  • „Deutschland ist ein Billiglohnland!“

    Wurde bereits von G. Schröder im Jahre 2005 in Davos bei seiner Rede bejubelt ! Nichts neues !

    ABER, es stimmt ! ROT/Grün hat es verursacht, beschämend!

  • Wann pölädierte eigentlich zuletzt ein US-Ökonom dafür, die US-Leistungsbilanz, zu Gunsten der Restwelt, zu verändern?

  • Deutschlands Löhne spiegeln nicht die Produktivität wieder. Ausbeutung ist hier das richtige Wort.
    Stress, burn-out und Depressionen sind bei den Arbeitnehmern stark im Kommen.
    Immer mehr für immer weniger arbeiten.Dazu kommt man kaum noch über die Runden. Nach 3 Wochen im Monat herrscht bei vielen Ebbe in der Kasse.
    Was ist das für ein Leben?

  • Der Mann hat leider nicht ganz unrecht. Wenn Deutschland bei seiner Mark geblieben wäre, hätte diese analog Schweizer Franken mittlerweile gegenüber den meisten Währungen kräftig aufgewertet. Importe wie Erdöl etc. und Urlaubsreisen wären billiger geworden, deutsche Exporte für den Rest der Welt teurer und damit weniger. Der Exportüberschuss hielte sich in Grenzen. Ohne Lohnsenkungen bzw. Nullrunden wären die Lohnkosten weiter gestiegen und hätten die Exporte noch einmal verteuert, allerdings hätte das einfache Volk mehr Geld in der Tasche und wäre in den letzten zwanzig Jahren nicht gar so verarmt. Dies ist die eine Seite.

    Die andere Seite wäre eine Pleitewelle von Betrieben die einfach aufgrund von harter Mark und hohen Löhnen einfach nicht mehr mithalten können und dichtmachen. Ich möchte nicht wissen welche Strukturen durch Weicheuro und Lohndumping künstlich hierzulande am Leben gehalten werden. Leider kann man dieses Spiel auch nur eine begrenzte Zeit spielen, irgendwann kommt der Tag der Wahrheit - oder um W. Buffet zu zitieren: Erst bei Ebbe sieht man wer sich ohne Badehose im Wasser tummelt.

  • Auch Billig-Lohnempfänger könnten mit ihrem Niedriglohn einigermaßen gut leben, wenn der gottverdammte Staat nicht jedem von uns in die Taschen greifen würde.

    Seit der Einführung des Euro 1999 hat das Papiergeld 50% seiner Kaufkraft verloren, die Löhne habe sich aber relativ zur DM halbiert.

    Über die getürkten Inflationszahlen kann ich nur lachen.
    Normalerweise müßte man die Verbreitung solcher Lügen strafrechtlich ahnden.

    Aber der beschränkte Brot-und-Spiele-Michel glaubt ja alles, was in den Mainstream-Käseblättern steht, die er auf dem Weg ins Stadion liest.

    Er ist ja so beschäftigt mit seinem sozialen Netzwerk-Quatsch, dass er sogar die schwarz-rote Enteignungskoalition gewählt hat, die ihm eines Tages die Rente und seine Hartz-Bezüge streicht.

  • Ihr Vergleichspunkt ist gut gewählt. Genau dies wird nicht maßvoll miteinbezogen. Der doppelte Maßstab des US-Ökonomen ist widerlich. Deshalb sollten Thesen wie ihre mit angebracht werden, richtig.
    Die deutschen Politiker sollten dies berücksichtigen, wenn sie dazu das PR- und Verhandlungsgeschick haben. Das dürfte schwierig werden. Es dürfte schwer werden einem maßlosen, arroganten US-Ökonomen seine hohle PR-Phrasen auszutreiben. Die USA tuen zwar genau das nicht, was sie Deutschland vorwerfen, aber etwas wesentlich schlechteres zum Nachteil der Europäer. Sie vermeiden Wachstum der (exportstarken) Industrie-Produktion in den USA zu Gunsten des Wachstums von Finanz-Wirtschaft und IT, indem das US-Schatzamt aktiv die FED unterstützt, die Leitzinsen niedrig und die Regulierung im Bankensektor schwach zu halten. Die SEC und RIS haben Anklage gegen einige Banken erhoben, ja, aber die Regulierung bezieht sich vorwiegend auf Verbraucher-Info-Rechte und ist zahnlos. Ergo: An die eigene Nase packen USA! Zudem sollten die mal ihre Infrastruktur in Ordnung bringen (Stromtransport, Straßen-/Brücken-Bau und TK-Infrastruktur in ländlichen Gebieten) und ansonsten sich um ihre eigene Bevölkerung kümmern und nicht rumnörgeln über wirtschaftliche Zusammenhänge von denen US-Ökonomen vor dreißig Jahren (in den 80ern) noch etwas einigermaßen gehaltvolles aus Erfahrung einigermaßen bemerkenswertes zu hören (und manchmal zu lernen war) konnten, obwohl bereits damals der Rückgang der Industrieproduktion (seit Anfang der 70er Jahre) in vollem Gange vwar.
    Ein Hinweis: Die USA importieren 13 % Rohöl aus Saudi-Arabien und 26 % aus Staaten am Persischen Golf (Energy in Brief - How Dependent Are We On Foreign Oil?, May 2013, eia.gov). Schiefergas ersetzt dieses Anteile zunehmend. Ab 2020 werden weniger als 20 % aus der Region kommen. Die US-Ölkonzerne haben die Förderung in Kanada intensiviert, Pipelines gelegt (West Coasta - Keystone Pipeline 2010 bereit,East Coast - TransCanada in Planung), b

  • Wir werden ihren Laizess- Fairkapitalismus mit ihrer lockeren Geldpolitik nicht weiter unterstützen. Und wir haben ein Problem mit dem Laizess-Fairleben hier, was auf einem falschen Sozialsystem beruht. Sie bringen uns um die Früchte der Arbeit, weil wir hier alle aufnehmen müssen. Wozu sollen wir Kredite geben, wenn uns dafür Ramsch geliefert wird? Ihre Ideen sind nicht immer gut für Menschen!

  • und weil viel unter 8,50€ arbeiten müssen, ist die regierung gegen den Mindestlohn. gleichzeitig wollen sie was für die menschen tun, gell?

  • Die Kernfrage lautet: was passiert eigentlich, wenn Saudiarabien seinen Exportüberschuss zurückfährt?
    Eigentlich wollte ich wegen des Datenmißbrauchs nicht mehr kommentieren. Dieses Thema ist jedoch nicht personenbezogen.
    Wenn also Saudiarabien seinen Ölexport zurückfährt, bekommen die USA eine Ölkrise und die amerikanische Wirtschaft schrumpft. Die Exportgüter werden also nicht gekauft, weil sie schädlich sind, sondern weil diese Exportgüter für nützlich und sinnvoll gehalten werden. Weil die Nützlichkeit von Saudiarabiens Export so offensichtlich ist und anderer Ersatz nicht verfügbar ist, wird Saudiarabien nicht kritisiert, während dies bei deutschen Technikexporten nicht so offensichtlich ist und man gerne selber diese Geschäfte gemacht hätte.
    Ungleichgewichte sind ein unvermeidbares Schicksal der heutigen Weltwirtschaft. Deshalb gibt es exportstärkere und exportschwächere Völker. Dies ließe sich nur vermeiden, wenn wir z.B. in der amerikanisch/europäischen Freihandelszone zum gleichwertigen Tauschhandel zurückkehrten. Daß damit evolutionäres Wirtschaftswachstum erzeugt werden kann, wage ich zu bezweifeln.
    An der Schwelle zu dieser Freihandelszone wäre die EU nicht gut beraten, Exportstärke zu bestrafen. Exportstärke soviel wie möglich ist schließlich eine der Voraussetzungen dafür, aus neuen Märkten schneller für Europa Nutzen zu ziehen.

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