US-Wirtschaft
„Dieser Monat ist schrecklich“

Die Inlandsnachfrage ist die Achillesferse der größten Volkswirtschaft der Welt, doch die US-Verbraucher schnallen den Gürtel enger: Die Wachstumsraten in den Vereinigten Staaten sinken auf ungewohnt niedrige Werte. Besonders zu spüren bekommt die Konsum-Unlust der Verbraucher die Autobranche, durch ihre verbrauchsstarke Modellpalette ohnehin im Hintertreffen.

gr/HB WASHINGTON. Der Absatzanalytiker des zweitgrößten US-Herstellers Ford, George Pipas, brachte es am Freitag auf den Punkt: „Dieser Monat ist schrecklich“ („This month is terrible“), sagte er über den einheimischen Automarkt im April. „Wir sind noch nicht einmal in der Nähe dessen, was wir anvisiert hatten.“ Vor allem die Krise am Immobilienmarkt und die steigenden Spritpreise hätten die Kauflust der US-Verbraucher gedämpft. Bislang habe die Branche Einbußen von zehn Prozent erlitten.

Der massive Abschwung am Immobilienmarkt hat Ende vergangenen Jahres eingesetzt: Erstmals seit Jahrzehnten gehen die Preise zurück. Im März lagen die Preise schon den achten Monat in Folge unter dem Vorjahresniveau. Käufer, die im Vertrauen auf steigende Preise Hypothekenkredite aufgenommen haben, um Konsumausgaben zu finanzieren, geraten in Bedrängnis und bringen die Anbieter solcher Darlehen in Schwierigkeiten - genauso wie die Baubranche.

Kehrt sich die Entwicklung nicht um, werden die US-Verbraucher den Gürtel wohl enger schnallen - fatal für die Wirtschaft des Landes, denn Verbraucherausgaben machen 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung aus. Auf dem Immobiliensektor ist die Sparsamkeit bereits sichtbar: Die privaten Ausgaben zum Eigenheimerwerb gingen im ersten Quartal um 17 Prozent zurück.

Die Immobilienkrise und geringere Exporte sind nach Angaben des US-Wirtschaftsministeriums die beiden Hauptgründen für das schwache Wachstum der Wirtschaft im ersten Quartal. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) habe sich auf fast 1,3 Prozent beinahe halbiert - ein solch schwaches Plus gab es in den USA in einem Quartal seit vier Jahren nicht mehr. Die Rate fiel noch geringer aus als von Analysten erwartet, die von einem Plus von 1,8 ausgegangen waren. Die Exporte gingen erstmals seit knapp vier Jahren zurück. Sie brachen um 1,2 Prozent ein von Plus 10,6 Prozent im Vorquartal.

Die Lagerbestände der Unternehmen sanken auf den tiefsten Stand seit anderthalb Jahren: Sie verringerten sich auf 14,8 von 22,4 Milliarden Dollar im Vorquartal. Das BIP als Kennziffer umfasst alle in einem Quartal produzierten Waren und Dienstleistungen - unabhängig vom Zeitpunkt des Verkaufs. Daher wirkt sich ein Abbau der Lagerbestände negativ auf das BIP-Wachstum aus. Für Commerzbank-Volkswirt Patrick Franke ist es nur eine Frage der Zeit, wann sich der Abschwung der Wirtschaft auch am Arbeitsmarkt bemerkbar macht.

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