US-Wirtschaft
Fed-Chef warnt vor größerer Krise

US-Notenbankchef Ben Bernanke hat vor einer weiteren Verschärfung der Finanz- und Wirtschaftskrise in den USA gewarnt. Die Suche nach den Schuldigen läuft. Bernanke und Finanzminister Paulson müssen sich im Senat kritischen Fragen zur Wirtschaftslage stellen.

NEW YORK. "Die Lage auf den Immobilien- und Arbeitsmärkten kann sich stärker abschwächen als bislang erwartet", sagte der Zentralbanker vor dem US-Senat. Auch die Kreditklemme könne sich noch deutlich verschärfen, warnte Bernanke. Die Börsen reagierten mit Kursabschlägen.

Dennoch will der Chef der Federal Reserve (Fed) die Hoffnung nicht aufgeben: Er sagte nach einer Wachstumsflaute in den nächsten Monaten eine wirtschaftliche Belebung am Ende des Jahres voraus. Zu diesem Zeitpunkt würden die bisherigen Zinssenkungen und die Konjunkturhilfe der Regierung ihre volle Wirkung entfalten, so Bernanke.

Auch Finanzminister Henry Paulson hofft, dass die US-Wirtschaft eine Rezession vermeiden kann: "Ich rechne allerdings mit deutlich geringeren Wachstumsraten als in den Vorjahren", sagte der Politiker bei der gleichen Anhörung. Paulson und Bernanke stützen ihren vorsichtigen Optimismus auch auf den Exportboom: Dank starker Ausfuhren verringerte sich das Handelsdefizit der Vereinigten Staaten im Dezember um fast sieben Prozent auf 59 Mrd. Dollar.

Bernanke bekräftigte seinen Willen, auf die Krise "zeitgerecht" zu reagieren, und stellte damit weitere Zinssenkungen in Aussicht. An den Finanzmärkten gilt eine neuerliche Lockerung um mindestens einen halben Prozentpunkt im März als sicher.

Die düsteren Warnungen des Notenbankchefs dürften den Unmut im US-Kongress über die Verantwortlichen für die Krise noch steigern. Die Suche nach den Schuldigen läuft, das Sündenregister reicht von unlauteren Praktiken bei der Vergabe von Baudarlehen über unzulängliche Kontrollen bei der Verbriefung dieser Hypotheken bis hin zu den zweifelhaften Bilanzierungspraktiken der damit verbundenen Risiken durch die Banken. Paulson forderte die Banken auf, endlich alle Subprime-Probleme offen zu legen und ihre Kapitalbasis zu stärken.

Sowohl der Finanzminister als auch Bernanke stehen unter erheblichem politischen Druck. Der Finanzminister hat bereits mehrere Anläufe genommen, um die Immobilienkrise in den Griff zu bekommen. Sein ursprünglicher Vorschlag, die variablen Zinsen bestimmter Hausbesitzer für eine bestimmte Zeit einzufrieren hat offenbar die Not kaum gelindert. So legte Paulson diese Woche nach und schlug zusammen mit sechs Großbanken ein Moratorium für Zwangsvollstreckungen vor. Kritiker bemängeln, dass auch diese Maßnahme die Krise nicht lösen, sondern nur verlängern werde.

Die Erfolgsbilanz von Bernanke sieht nicht besser aus. Die US -Notenbank hat die Leitzinsen seit September vergangenen Jahres um volle 2,25 Prozentpunkte gesenkt. Die Kreditklemme hat sich dadurch aber kaum gelockert. Im Gegenteil: Viele Unternehmen und Haushalte zahlen heute höhere Kreditkosten als noch vor einigen Wochen. Der Grund ist das nach wie vor große Misstrauen auf den Kreditmärkten. "Der Anstieg der Risikoprämien hat unsere Politik konterkariert", räumte diese Woche Janet Jellen, Fed-Präsidentin in San Francisco, ein.

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