US-Wirtschaft
Konjunkturschub nicht stark genug für Erholung

Die US-Regierung korrigiert ihre Konjunkturschätzung nach oben. Vor allem die Bürger griffen beim Einkaufen endlich wieder tiefer in die Brieftasche. Aus dem Wirtschaftstal kommen die USA damit aber nicht.
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HB WASHINGTON. Es sieht aus wie ein Silberstreif am Horizont: Die US-Wirtschaft hat nach einer heftigen Delle im Frühling wieder zugelegt und dabei sogar die Erwartungen vieler Experten übertroffen. 2,5 Prozent habe das Wachstum aufs Jahr hochgerechnet im dritten Quartal betragen, teilte das US-Handelsministerium am Dienstag in Washington mit - und korrigierte sich damit in seiner zweiten Schätzung deutlich um einen halben Prozentpunkt nach oben. Das klingt wieder deutlich besser als die mageren 1,7 Prozent, die die US-Regierung für das zweite Quartal berechnet hatte. Ein Grund zum Jubeln sind die neuesten Zahlen dennoch nicht, mahnen Experten.

"Sie sind positiv, aber nicht stark genug", sagte Scott Brown, Chefökonom beim Finanzberater Raymond James & Associates in Florida in einer Analyse dem Wirtschaftsdienst Bloomberg. Andere Volkswirte bemühen das Bild eines Patienten, der zwar von der Intensivstation entlassen wurde, aber deshalb längst noch nicht gesund ist. Tatsächlich ächzen die USA weiter unter den Folgen der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Arbeitslosenquote dümpelt bei knapp unter 10 Prozent herum, die Verbraucher sind tief verunsichert. Um aus dem Tal herauszukommen, müsse die Wachstumsrate mindestens doppelt so hoch sein wie jetzt, heißt es. Die Daumenregel: Wächst die Wirtschaft um 5 Prozent, sinkt die Arbeitslosigkeit um einen Prozentpunkt.

Selbst das im ersten Quartal umjubelte Wachstum vom 3,7 Prozent hätte nicht ausgereicht für eine echte Erholung. Ein Grund, warum die Wachstumsrate auf dem ersten Blick besser aussieht, als sie ist: Die US-Regierung rechnet sie aufs Jahr hoch. Würde in Deutschland mit derselben Methode gearbeitet, wäre die Wachstumsrate dort auf bestem Wege in den zweistelligen Bereich. Deshalb dürften auch nach der revidierten Schätzung vom Dienstag die Sorgenfalten in den Gesichtern amerikanischer Volkswirte nicht verschwinden. Allenthalben werden derzeit die Wachstumsprognosen für die USA nach unten revidiert. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kam jüngst für 2011 nur noch auf 2,2 Prozent, in ihrem Juni-Ausblick nannte sie noch 3,2 Prozent.

Auch die US-Notenbank wollte Experten zufolge noch am Dienstag bei der Vorlage des Protokolls von der Sitzung des Offenmarktausschusses über ihre gesunkenen Erwartungen berichten. 3 bis 3,5 Wachstum sage sie für 2011 voraus, schätzen Experten vorab, statt wie bisher 3,5 bis 4,2 Prozent. Damit werde die Fed auch ihre weltweit kritisierte Entscheidung begründen, in kommenden Monaten für 600 Milliarden Dollar Staatsanleihen kaufen und so die lahme Konjunktur ankurbeln zu wollen. Skeptiker fürchten durch die Geldschwemme dagegen eine ausufernde Inflation und eine Verschärfung der weltweiten Währungsungleichgewichte.

Trösten können sich die Amerikaner aber vielleicht damit, dass es auch Zeichen für eine Trendwende gibt. Das Konjunkturbarometer des privaten New Yorker Instituts Conference Board, ein Index aus zehn wichtigen Wirtschaftsindikatoren, stieg bereits vier Monate in Folge. Und auch die neue Konjunkturschätzung birgt positive Nachrichten: So legten vor allem die Konsumausgaben zu, die immerhin 70 Prozent der Wirtschaftsleistung in den USA ausmachen. Und auch die Löhne seien deutlicher gestiegen als angenommen. Selbst beim größten Sorgenkind, dem Export, sei es zuletzt bergauf gegangen.

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